+
Da hört der Spaß auf: Mit Plakaten macht das Klinikum Nürnberg in der Notaufnahme auf das Problem der Gewalt gegen Rettungskräfte und Krankenhauspersonal aufmerksam. Die Fälle häufen sich.

Sorge um Sicherheit in Krankenhäusern

Attacken auf Ärzte und Pfleger: Immer mehr Patienten rasten aus

Ärzte und Pfleger sorgen sich um die Sicherheit in Bayerns Krankenhäusern. Vor allem in den Notaufnahmen rasten immer wieder Patienten aus. Es gibt auch Vermutungen, woran das liegen könnte.

München – In Bayerns Krankenhäusern wächst die Sorge um die Sicherheit von Pflegern und Ärzten. „Die Gewaltbereitschaft von Patienten und Angehörigen nimmt zu, vor allem in der Notaufnahme“, sagt der Sprecher der bayerischen Krankenhausgesellschaft, Eduard Fuchshuber. Übergriffe gebe es vor allem, wenn Patienten unter Alkohol oder Drogen stünden. Aber auch wenn die Notaufnahmen überfüllt seien und Patienten rebellierten, weil sie nicht schnell genug behandelt werden.

Einem Bericht der „Nürnberger Nachrichten“ zufolge beklagt das Nürnberger Klinikum eine steigende Zahl aggressiver und gewalttätiger Patienten. Diese schlügen auf der Station vor Wut die Spritzenpumpe oder andere Geräte kaputt. In der Psychiatrie attackierten Patienten unvermittelt Pflegekräfte, Angehörige versuchten mit Druck und Drohungen durchzusetzen, dass ihr Patient vorrangig behandelt wird. Außerdem gebe es mehr Vandalismus und mehr Diebstähle.

2018 gab es dem Bericht zufolge im Nord- und Südklinikum der Stadt 380 verbale und tätliche Angriffe. Daher habe der Klinikvorstand entschieden, die Mittel für Sicherheit von jährlich 600 000 Euro auf eine Million Euro zu erhöhen. Auch die Zahl der Sicherheitskräfte soll von vier auf sechs Mitarbeiter steigen. Bisher versehen diese nachts und am Wochenende in der Intensivstation und in der Notaufnahme ihren Dienst. Nach der personellen Verstärkung sollen sie auch werktags rund um die Uhr für Sicherheit sorgen.

Zusätzliches Sicherheitspersonal während des Oktoberfestes

Am Klinikum Großhadern in München sei die Zahl der Übergriffe in den vergangenen Jahren zwar etwa gleich geblieben. „Der Bedarf an Sicherheitspersonal ist aber nicht von der Hand zu weisen“, sagt der Leiter der Notaufnahme, Matthias Klein. „Nicht immer nur zum Schutz des Personals, sondern oft auch zum Schutz der Patienten vor sich selbst.“ Daher werde inzwischen während des Oktoberfestes zusätzliches Sicherheitspersonal angefordert. Vor allem in Notaufnahmen und bei verwirrten Patienten in der Psychiatrie und der Neurologie werde das Thema wichtiger. Erst am Freitag hatte die Polizei in einem Großeinsatz einen Mann in einer Klinik in Deggendorf festgenommen, der eine Mitpatientin mit einem Messer bedroht hatte. Die Justiz angeordnet, dass der 40-Jährige in der Psychiatrie untergebracht wird.

Lesen Sie auch: Bizarre Vorfälle: Sollten Rettungskräfte besser unter Polizeischutz stehen?

Markus Wörnle, Leiter der Notaufnahme der Münchner Uni-Klinik macht auch die gestiegene Arbeitsbelastung als Grund für die Aggressionen aus: So sei das Patientenaufkommen in seiner Notaufnahme in den vergangenen Jahren um 40 Prozent gestiegen. Damit verlängerten sich zwangsläufig die Wartezeiten. Weil in den Notaufnahmen Patienten nicht nach der Reihenfolge des Ankommens, sondern nach der medizinischen Dringlichkeit behandelt würden, führe dies häufig zu Spannungen und Aggressionen gegen Ärzte und Pflegepersonal.

Das Universitätsklinikum Regensburg verzeichnet ebenfalls einen leichten Anstieg von Übergriffen von Patienten und Angehörigen auf Ärzte und Pflegekräfte. Besonders betroffen sei auch hier die Notaufnahme, aber auch auf Normal- und Intensivstationen seien Vorfälle zu verzeichnen, sagt Sprecherin Katja Russwurm. Nachts sei ein Sicherheitsdienst aktiv, der bei Bedarf hinzugezogen werden könne. Außerdem erhielten die Mitarbeiter regelmäßige Deeskalationsschulungen. Dagegen meldet das Universitätsklinikum Erlangen für 2018 sogar weniger Einsätze ihres Sicherheitsdienstes im Vergleich zum Vorjahr.

„Das Phänomen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft“, betont Fuchshuber. „Jeder ist sich selbst der Nächste und hält seine Behandlung für die dringendste.“ Problematisch sei, dass die allgemeinen Krankenhäuser Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen nicht von den Kassen refinanziert bekämen. Die Krankenhausgesellschaft vertritt die Interessen der knapp 400 Kliniken in Bayern.

HERBERT MACKERT

Lesen Sie auch:

SEK-Einsatz an Klinik in Deggendorf: Geiselnahme - Täter überwältigt

rankenpflegerin bricht Schweigen: Patienten haben mich belästigt und traumatisiert

Meistgelesene Artikel

Illegales Straßenrennen: Todesfahrer zeigt vor Gericht Reue - Bundespolizist suspendiert
Der „Raserunfall von Kalteck“ sorgte im vergangenen Sommer für Entsetzen. Nun müssen sich die Täter vor Gericht verantworten.
Illegales Straßenrennen: Todesfahrer zeigt vor Gericht Reue - Bundespolizist suspendiert
Zwei junge Frauen totgerast: Urteil ist gefallen - doch nun legt Anwalt Revision ein
2016 starben zwei junge Frauen nach einem Unfall. Zwei damals beteiligte Fahrer forderten jetzt einen Freispruch - nun ist das Urteil gefallen.
Zwei junge Frauen totgerast: Urteil ist gefallen - doch nun legt Anwalt Revision ein
„Aktenzeichen XY“: Zwei Insassen aus Bezirkskrankenhaus geflohen - Gibt es jetzt neue Hinweise? 
Zwei Insassen sind aus dem Bezirkskrankenhaus in Günzburg geflüchtet. Jetzt bringt die ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy“ den brisanten Fall im TV.
„Aktenzeichen XY“: Zwei Insassen aus Bezirkskrankenhaus geflohen - Gibt es jetzt neue Hinweise? 
Bekommt Traditionshotel bald neuen Namen? Aktivisten fordern kuriose Umbenennung
Trägt ein bekanntes Hotel in Augsburg bald den Namen „Drei Möhren“? Ja, wenn es nach Aktivisten geht, die wegen Rassismus eine Namensänderung verlangen.
Bekommt Traditionshotel bald neuen Namen? Aktivisten fordern kuriose Umbenennung

Kommentare