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Neue Entwicklungen nach Würzburg-Attentat: Mutmaßlicher Messerstecher gilt als schuldunfähig

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Würzburg
Nach dem Attentat in Würzburg war die Anteilnahme groß. Jetzt steht wohl fest, was mit dem Angreifer passieren soll. © Daniel Karmann/dpa

War es ein Terror-Anschlag oder die Tat eines psychisch kranken Mannes? Spekulationen zum Attentat in Würzburg gibt es reichlich. Zwei Gutachten zeichnen jetzt ein neues Bild.

München/Würzburg - Drei Tote und mehrere, teils lebensgefährlich verletzte Menschen. Das war die Bilanz des Messer-Angriffs eines Somaliers im Juli in Würzburg. Der Mann ist seitdem in einer Psychiatrie untergebracht. Jetzt wurden die Ergebnisse der Gutachten über den mutmaßlichen Täter veröffentlicht. Der Mann gilt als schuldunfähig. Aber was bedeutet das nun?

Attentat in Würzburg: Gutachten sehen den Verdächtigen als schuldunfähig an

Der Würzburger Messerstecher war bei seiner Attacke auf Passanten Ende Juni nach psychiatrischer Einschätzung schuldunfähig. Die beiden im Ermittlungsverfahren beauftragten Sachverständigen kämen unabhängig voneinander jeweils zu diesem Ergebnis, teilten das Bayerische Landeskriminalamt und die Generalstaatsanwaltschaft München* am Freitag mit.

Was genau den Somalier zu dem Angriff auf ihm offensichtlich unbekannte Menschen trieb, ist allerdings weiter unklar. Befürchtungen kurz nach der Tat, der Flüchtling habe aus terroristischen Gründen oder religiösen Überzeugungen gehandelt, bestätigten sich bisher nicht. Hinweise auf Mitwisser oder Mittäter sowie auf einen extremistischen Hintergrund gebe es weiterhin nicht, teilten die Ermittler am Freitag mit. Drogen oder Alkohol hatte der Somalier laut toxikologischem Gutachten nicht eingenommen.

Attentat in Würzburg: Dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie

Mit dem neuerlichen Gutachten spricht nun vieles dafür, dass es gegen den 32-Jährigen ein sogenanntes Sicherungsverfahren - wahrscheinlich vor dem Landgericht Würzburg* - geben wird. Bei solchen Verfahren geht es um die Unterbringung eines Beschuldigten in einer Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft schreibt dafür auch keine Anklage wie in normalen Strafverfahren, sondern eine Antragsschrift: Bis Ende des Jahres wolle die Generalstaatsanwaltschaft München die dauerhafte Unterbringung in einer geschlossenen Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses beantragen, teilten die Ermittler am Freitag mit.

Der Beschuldigte bleibt bei diesem Vorgehen Beschuldigter und wird nicht zum Angeklagten. Dennoch gibt es eine Verhandlung vor Gericht - in diesem Fall wohl vor einer Schwurgerichtskammer. Die Ermittler betonten am Freitag, die Einschätzung als schuldunfähig bedeute nicht, dass es Zweifel an der Täterschaft des Mannes gebe oder er unschuldig sei. Er war am 30. September vernommen worden und hatte dabei den Tatablauf detailliert geschildert. Weitere Angaben zu den Aussagen machten die Ermittler zunächst nicht.

Video: Der mutmaßliche Täter von Würzburg ist älter, als bislang angenommen wurde

Attentat in Würzburg: Bereits früheres Gutachten ging von der Schuldunfähigkeit aus

Erwiesen ist, dass der Migrant am 25. Juni in der Mainstadt auf ihm offensichtlich unbekannte Menschen eingestochen hat*. Drei Frauen starben, fünf Menschen wurden lebensgefährlich verletzt. Zudem gab es vier Leichtverletzte. Die Ermittler hatten auf Basis eines ersten psychiatrischen Gutachtens am 20. Juli bereits mitgeteilt, dass der Mann zur Tatzeit möglicherweise schuldunfähig war.

Der Beschuldigte ist seit Monaten in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. „Er macht mittlerweile einen guten Eindruck, ist psychisch gefestigt“, sagte sein Rechtsanwalt Hanjo Schrepfer der Deutschen Presse-Agentur. „Er ist medikamentös gut eingestellt.“ In seiner Vernehmung vor wenigen Wochen habe er die Messerattacke bedauert.

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Attentat in Würzburg: Keine Hinweise auf einen islamistisch motivierten Angriff

Zeugen wollen während des Messerangriffs zweimal den Ausruf „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) gehört haben. Dschihadisten und Salafisten benutzen den Ausdruck oft wie einen Schlachtruf. Damit kapern die Extremisten die zentrale religiöse Formel des Islams, die seit Jahrhunderten von Muslimen weltweit benutzt wird.

Zudem soll der später mit einem Polizeischuss gestoppte Flüchtling im Krankenhaus einen Hinweis auf den Dschihad - also den „Heiligen Krieg“ - gegeben haben. Daher hielten es die Ermittler bisher für naheliegend, dass der Mann islamistisch motiviert gewesen sein könnte. Das Motiv ist aber weiter unbekannt. Beweise, dass der Somalier in eine Terrororganisation eingebunden gewesen ist, gibt es bisher nicht. (dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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