Kommentar zum Streitfall

Auch Kinder mit Rechenstörung gehören aufs Gymnasium

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Es ist gegen das Kindeswohl, wenn Schüler mit diagnostizierter Leistungsstörung in Mathematik nicht aufs Gymnasium dürfen, kommentiert Merkur-Redakteur Dirk Walter. Er fordert einen Nachteilsausgleich.

Dyskalkulie ist eine Leistungsstörung in Mathematik, die schwer von einer „normalen“ Rechenschwäche abgrenzbar ist. Entsprechend schwer ist die Diagnose, ganz zu schweigen von der Therapie. So differenziert das Phänomen aber auch ist, so klar ist auch, dass die wirklich Betroffenen alle Hilfe verdienen. Man kann sich unschwer die Dramen in den Elternhäusern ausmalen, wenn sich herausstellt, wenn das eigene Kind in Mathe versagt – erst tippt man auf Faulheit, bis sich am Ende eines langen Labyrinths, der von Lehrern, Nachhilfeinstituten, Schulpsychologen und Kinderärzten flankiert ist, herausstellt, dass alles umsonst ist: Das Kind wird aufgrund einer Mathe-Störung nie in der Lage sein, 10 Milliliter von einem Liter zu unterscheiden. Das ist bitter.

Nun die Gretchenfrage: Darf so ein Kind aufs Gymnasium, wenn es zum Beispiel ganz hervorragend in Fremdsprachen oder Sozialwissenschaften wäre? Das Kultusministerium entscheidet hier gegen das Kindeswohl, wenn es das blockiert. Es verbaut Wissen. Kein Wunder, dass im Landtag immer wieder Petitionen von Schülern und Eltern aufschlagen, doch bitte einen Nachteilsausgleich zu ermöglichen. Die Abgeordneten haben sich nun über drei Jahre mit dem Thema befasst, dieselben Experten mehrmals gehört und sich immer wieder um eine Entscheidung (die nur heißen kann, hier großzügiger zu verfahren) herumgedrückt. Das geht nicht länger.

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