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Acht oder neun Jahre?

Neue Umfrage

Auch unter Unternehmern gibt es G9-Anhänger

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München – Die G9-Diskussion gewinnt wieder an Fahrt. In einer Umfrage, die die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft initiiert hat, sprach sich eine starke Minderheit für die Rückkehr zum G9 aus.

Immerhin 30 Prozent der Mitgliedsfirmen in der Metall- und Elektroindustrie bevorzugen demnach das G9, 60 Prozent sind für die Beibehaltung des G8, zehn Prozent sind unentschlossen. Dabei galt die bayerische Wirtschaft stets als energischer Fürsprecher einer Schulzeit-Verkürzung. Es lag wohl nicht zuletzt auch an den Einflüsterungen von dieser Seite, dass der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber kurz nach der Landtagswahl 2003 auf das G8 einschwenkte.

Trotz der Umfrage sieht der VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt keinen Grund für eine Kurswende. „Das achtjährige Gymnasium hat sich in seiner Grundkonzeption bewährt“, behauptet er in einer Pressemitteilung. Es sei „internationaler Standard“. Das Gymnasium um ein Jahr zu verlängern, sieht er als „Standortnachteil“ an. Brossardt erklärt außerdem, dass die Zahl der Einserabiturienten im G8 im Vergleich zu der im G9 gestiegen ist. Die Zahl der Schüler, die am Gymnasium scheitern, sei im Gegenzug gesunken. Letzteres ist allerdings schlicht falsch. Im G8-Abitur fielen zuletzt rund drei Prozent durch, im G9 war es im Schnitt immer nur ein Prozent. Trotzdem erklärt Verbands-Geschäftsführer: „Die Abkehr von G8 wäre der falsche Weg.“

Allerdings räumt Brossardt „Optimierungspotenzial“ am Gymnasium ein. Er fordert eine stärkere Individualisierung und Differenzierung, auch die Praxis- und Wissenschafts-Seminare in der Oberstufe müssten verbessert werden.

Die Umfrage der bayerischen Wirtschaft ist ein weiterer Baustein in der zunehmend ausufernden G8/G9-Debatte, die die Freien Wähler und der Bayerische Philologenverband losgetreten hatten. Die FW haben bekanntlich das Volksbegehren „Ja zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9“ initiiert. Zwischen 3. und 16. Juli muss die Partei fast eine Million Bürger in die Rathäuser und Kreisverwaltungsreferate lotsen, die sich dort in Unterschriftenliste eintragen sollen. Die Wahlkampf läuft, auf kleiner Flamme freilich, schon an. Zusatzargument der FW sind aktuelle Anmeldezahlen in Baden-Württemberg, wo es das Optionsmodell gibt und sich Schüler für das G8 oder G9 anmelden können. Die große Mehrzahl votierte für das G9, darunter auch ausgesprochene Unternehmer-Gymnasium wie etwa das Gymnasium in Rutesheim, einem Porsche-Standort, wo sich 218 Schüler für das G9 anmeldeten, aber kein einziger für das G8.

Das Volksbegehren der Freien Wähler lehnt die bayerische Staatsregierung natürlich ab. Weil sie kein eigenes Konzept hat, orientiert sie sich nolens volens am Vorschlag des Philologenverbands, der ein G9-Modell-Grundmodell mit G8-Ausnahme vorsieht. Zuvor gibt es am 5. Juni aber im Landtag einen großen Kongress mit Expertenanhörung.

Dirk Walter

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