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Der Feind im Balz-Revier: Im Liebesrausch sind Auerhähne aggressiver als sonst. Unser Bild zeigt einen Auerhahn, der am Wochenende im Berchtesgadener Land sein Revier verteidigt hat.

Im Liebesrausch

Auerhahn greift Bergsteiger an: „Dieses Verhalten ist zu dieser Jahreszeit leider keine Ausnahme“

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Zurzeit versteht der Auerhahn wenig Spaß. Er ist im Mai auf der Balz – und kann es überhaupt nicht leiden, wenn Menschen seinem Revier zu nahe kommen.

Bad Feilnbach – Der beste Freund des Menschen ist der Auerhahn nicht. Elf Monate im Jahr geht er Wanderern oder Bergsteigern am liebsten aus dem Weg. „Er ist eigentlich ein scheuer Vogel“, sagt Sonja Dölfel, Referentin des Landesbunds für Vogelschutz. Nur einen Monat im Jahr gibt es, in dem mit dem Auerhahn wirklich nicht zu spaßen ist. „Im Mai ist er auf der Balz – und wird sehr aggressiv, wenn man ihm zu nahe kommt. Dann versucht er, sein Revier zu verteidigen.“

Der Liebesrausch des Vogels ist am Wochenende einem 40-jährigen Bergsteiger aus dem Kreis Rosenheim zum Verhängnis geworden. Er wurde bei seiner Tour auf der Farrerpoint im Wendelsteingebiet von einem Auerhahn aus der Luft angegriffen. Der Mann versuchte, über einen schmalen Steig vor dem Vogel zu fliehen und stürzte dabei in dem steilen Gelände einige Meter in die Tiefe. Er brach sich ein Bein und musste per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Während die Rettungskräfte der Bergwacht Bad Feilnbach den Abgestürzten versorgten, beobachtete der Auerhahn aus einigen Metern Entfernung aufmerksam die Situation. Er griff jedoch nicht mehr an.

„Die Vögel plustern sich auf, hacken dann mit dem Schnabel auf Menschen ein“

Dieses Verhalten ist zu dieser Jahreszeit leider keine Ausnahme, erklärt Sonja Dölfel. Die Auerhahn-Männchen plustern sich auf, wenn sich Menschen ihrem Balzplatz nähern. Birkhühner und Truthähne verhalten sich ähnlich. Und da für den nichtsahnenden Wanderer nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, wo die Vögel ihr Balz-Revier gefunden haben, sind Vorfälle wie der am Wochenende keine sehr seltenen Ausnahmen. „Die Vögel plustern sich dann auf, hacken mit dem Schnabel auf die Menschen ein oder krallen sich im Nacken fest“, erklärt LBV-Referentin Sonja Dölfel. Das sei zwar nicht lebensgefährlich, aber extrem schmerzhaft. Und kann in den Bergen natürlich zum Absturz führen.

Die Expertin hat nur einen Ratschlag, um Angriffe von balzenden Auerhähnen und anderen liebestollen Vögeln zu vermeiden: „Einfach vorsichtig entfernen – Auerhähne werden einem Menschen nie mehr als hundert Meter folgen.“ Dasselbe rät Tobias Hipp vom Deutschen Alpenverein. „Ich bin selbst beim Wandern vor einigen Tagen einem Auerhahn begegnet, der offensichtlich sein Revier verteidigen wollte“, erzählt er. „So ein Angriff kann wirklich extrem schmerzhaft ausgehen, man sollte sich sofort zurückziehen, wenn man irgendwo einen der Vögel sieht.“

Das gilt zumindest noch die nächsten Wochen, bis die Balz-Zeit beendet ist. Dann beginnen wieder die elf Monate im Jahr, in denen er um den Menschen einen großen Bogen macht. Tobias Hipp betont: „In der Regel ist es ein großes Glück, einem Auerhahn zu begegnen – das kommt wirklich sehr selten vor.“

von Katrin Woitsch

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