Jede Seite ein Kunstwerk: Monika Dreblow versucht seit einem Jahr, die Nachkommen einer Lisl Will zu finden. Ihr gehörte 1916 ein wunderschönes Poesiealbum, das Dreblow auf einem Flohmarkt entdeckt hat.
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Jede Seite ein Kunstwerk: Monika Dreblow versucht seit einem Jahr, die Nachkommen einer Lisl Will zu finden. Ihr gehörte 1916 ein wunderschönes Poesiealbum, das Dreblow auf einem Flohmarkt entdeckt hat.
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Das Album enthält wunderschöne Zeichnungen. Dreblow vermutet, dass sie von Kunst- oder Architekturstudenten stammen.
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Das Album enthält wunderschöne Zeichnungen. Dreblow vermutet, dass sie von Kunst- oder Architekturstudenten stammen.
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Ein Poesiealbum und seine Geschichte

Auf Spurensuche in der Vergangenheit

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Kochel - Vor hundert Jahren hat eine gewisse Lisl Will ein Poesiealbum besessen. Die Menschen in ihrem Leben haben die Seiten wunderschön gefüllt. Irgendwann zwischen damals und heute ist es ihrer Familie verloren gegangen. Monika Dreblow hat das Album auf einem Flohmarkt entdeckt – seitdem versucht sie, die Nachkommen von Lisl Will aufzuspüren.

Fast scheint es so, als hätte dieses Buch nur darauf gewartet, von Monika Dreblow entdeckt zu werden. Die 65-Jährige lebt in Nordrhein-Westfalen – es waren also einige Zufälle nötig, damit sie auf einem oberbayerischen Flohmarkt ein hundert Jahre altes Poesiealbum entdecken konnte. Und das ist ihr gleich zweimal hintereinander passiert. Sie hat Verwandte in Kochel am See (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Und sie liebt Flohmärkte so sehr, dass sie zwei Tage in Folge bummeln ging. Das Buch hatte sie das erste Mal in Wolfratshausen gesehen. Sofort hat es Monika Dreblow fasziniert. Jede Seite war mit unglaublichem Aufwand gestaltet. Aber es gab ein Problem: Der Händler wollte es eigentlich gar nicht verkaufen. Ein Tag später schlenderte Dreblow über einen Flohmarkt in Kochel. Derselbe Händler, dasselbe Buch – nur das sie es in den Händen eines anderen Kaufinteressierten entdeckte. „Ich habe im Stillen gebetet, dass er es zurücklegt“, erzählt sie. Hat er – und diesmal ließ Monika Dreblow nicht locker, bis der Händler zum Verkauf bereit war.

Welchen Schatz sie da geborgen hat, wurde der 65-Jährigen erst zu Hause klar, als sie begann, Seite für Seite zu lesen. Das Buch hat 1916 einer gewissen Lisl Will gehört – so steht es auf der ersten Seite. Sie las die vielen Gedichte, die netten Worte und betrachtete die liebevollen Zeichnungen, die die Menschen aus Lisl Wills Leben ihr in dem Album hinterlassen hatten. Schon lange bevor sie auf der letzten Seite angekommen war, stand für Monika Dreblow fest, dass sie das Buch nicht behalten kann. „Ich habe mir vorgestellt, wie sehr ich mich über ein solches Album meiner Großmutter freuen würde“, sagt sie. Der Flohmarktsamstag liegt ein Jahr zurück – seit damals sucht die 65-Jährige nach den Nachkommen Lisl Wills.

Das Album enthält wunderschöne Zeichnungen. Dreblow vermutet, dass sie von Kunst- oder Architekturstudenten stammen.

Es ist wie ein kniffliges Puzzle. Stück für Stück kommt Dreblow bei ihrer Spurensuche voran. Lisl Wills Brüder haben unter ihre Einträge „Michael“ und „L.“ geschrieben. Viele Seiten erzählen von er ersten großen Liebe und dem Ersten Weltkrieg. Dazwischen sind immer wieder Zeichnungen mit Tusche oder feinem Bleistift gemalt. „Ich vermute, dass sie von Kunst- oder Architekturstudenten stammen“, sagt Dreblow. Sie sind von Profis – das ist auf den ersten Blick zu erkennen. Die Texte dazu sind teils zeitgenössische Verse, teils fröhliche Erinnerungen, teils berührende Liebeserklärungen. Der letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 1921. Lisl Will scheint damals in Lothringen gearbeitet zu haben. „Viele Texte sind in Sütterlin geschrieben“, erzählt Dreblow. Nicht alles davon konnte sie entziffern. Auch nicht alle Namen. Viele stammten aus München. Einer von ihnen ist Wilhelm Wagenpfeil. Zu ihm scheint Lisl Will eine enge Beziehung gehabt zu haben. Er verabschiedete sich im Januar 1920 mit einem berührenden Gedicht von ihr.

Der Händler hatte Monika Dreblow nur gesagt, dass er das Album bei einer Haushaltsauflösung erstanden hatte. Ihr bleibt also nur das Internet für ihre Recherche – und die Zeitung. Dreblow hofft, dass sich in Bayern vielleicht eine neue Spur ergibt. „Es wäre zu schön, wenn das Poesiealbum bei Lisl Wills Familie landet“, findet sie. Sie selbst hat bereits vorgesorgt. Ihr eigenes Poesiealbum aus Kindheitstagen hat sie schon an ihre Kinder weitergegeben.

Hinweise zu dem Poesiealbum nimmt die Redaktion entgegen (Telefon 089/5306467).

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