Mit Büchern in eine bessere Zukunft: In Sachrang organisieren Bürger ehrenamtlich Vorlesestunden für Kinder. Für das Patenprojekt wurde der Kindergarten-Erhaltungsverein jetzt ausgezeichnet. symbolfoto: fkn

Aufbruch Bayern: So wird der Freistaat besser

München - Faul und unengagiert? Weit gefehlt. 100 000 Bürger haben den Politikern vorgeschlagen, wie die Zukunft in Bayern aussehen könnte. Die besten Ideen hat Siegfried Schneider, Chef der Staatskanzlei, jetzt prämiert.

Die Politik soll es richten: So denken manche Bürger. Doch die alleinerziehende Mutter ist auf schnelle Hilfe von Mitmenschen angewiesen. Und manche Idee entsteht dort, wo das Problem ist, nicht in den Amtsstuben des Bayerischen Landtags. Bürgerengagement ist deshalb gefragt.

Damit die Politik vom ehrenamtlichen Wirken erfährt und es unterstützen kann, waren die Bürger auf der Bürgerplattform „www.aufbruch.bayern.de“ aufgerufen, ihre Ideen für ein besseres Bayern einzureichen - jeweils zu den Zukunftsthemen Familie, Bildung und Innovation. 100 000 Menschen bewerteten online insgesamt 740 Vorschläge. Nun hat Staatskanzleichef Siegfried Schneider die jeweils besten Projekte ausgezeichnet. Viele Preisträger kommen aus Oberbayern.

„Damit Politik frühzeitig fördern kann, müssen wir zuhören, um die Zukunft unseres Landes zu gestalten“, so Schneider. Das Internet biete hier ganz neue Chancen.

Familie

1. Preis: Kindergarten-Erhaltungsverein Sachrang

Kinder halten eine Gemeinde jung. Deshalb kämpft die Gemeinde Sachrang (Landkreis Rosenheim) mit einem Erhaltungsverein um ihren Kindergarten „St. Michael“. In einem Patenprojekt engagieren sich Bürger ehrenamtlich, halten Vorlesestunden, organisieren Ausflüge. In diesem Umfang einmalig, so die Jury, der bayerische Ministerrat.

2. Preis: Nachbarschaftshilfe Dürrbachtal

Das Projekt im Dürrbachtal (Landkreis Würzburg) ist eines von vielen Beispielen für Nachbarschaftshilfen in Bayern und wurde stellvertretend ausgezeichnet. Ziel dieser Bürgervereine ist es, das Zusammenleben in Gemeinden schöner zu machen.

3. Preis: „Daheim gesund werden“, Garmisch-Partenkirchen

Wenn das Kind krank ist, stehen berufstätige Eltern vor einem Problem. Das Projekt „Daheim gesund werden“ in Garmisch-Partenkirchen vermittelt zuverlässige Betreuungspersonen, die das Kind daheim pflegen. Positiv sei der Ansatz, die Kleinen in gewohnter Umgebung zu umsorgen, so die Meinung des Ministerrats.

Bildung

1. Preis: „Komm Frühstücken“, Nürnberg

Immer mehr Schüler kommen ohne Frühstück in den Unterricht. An der Ludwig-Uhland-Hauptschule in Nürnberg gibt es deshalb seit dem Schuljahr 2008/09 ein kostenloses Frühstücksbuffet, initiiert vom Elternbeirat und einem Förderverein. Die Finanzierung erfolgt über Spenden.

2. Preis: „Wert(e)volles Oberhaching

In Oberhaching ziehen Kitas, Schulen und Jugendarbeit an einem Strang für glaubwürdige Werteerziehung. Gemeinsam organisieren sie Info-Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen. Für Eltern und Schüler finden Workshops statt. 2011 sollen auch Vereine und Kirchen eingebunden werden.

3. Preis: Projekt „ArbeiterKind.de“

Die Initiative ermutigt Schüler nicht-akademischer Herkunft zum Studium. In Haupt- und Realschulen motivieren ehrenamtliche Mentoren zum Lernen. Lokale ArbeiterKind-Gruppen gibt es auch in München, Augsburg und Erlangen-Nürnberg.

Innovation

1. Preis: Kostenlose Parkplätze für E-Autos

Der Vorschlag, für Elektroautos kostenlose Parkplätze einzurichten, fördere den Einsatz der umweltfreundlichen Fahrzeuge, so die Meinung vieler. Eine Empfehlung hat der Ministerrat an die Gemeinden ausgesprochen.

2. Preis: Energiesparen durch Bewegungsmelder

Der Appell an die öffentliche Hand, verstärkt Bewegungsmelder einzubauen, um den Stromverbrauch zu senken, sei ein klares Signal in Richtung Energiesparen.

3. Preis: Hybrid- und E-Autos für Behörden

Diese Bürgeridee will die Staatsregierung umsetzen. Am 27. Juli 2010 beschloss der Ministerrat, bei der Anschaffung von Dienstwagen Elektrofahrzeuge zu bevorzugen, sofern dies wirtschaftlich vertretbar sei.

Aglaja Adam

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