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Kampf auf dem Marmeladenbrot: Wespen sind nicht zimperlich, wenn es um die Nahrungssuche geht. Süßes ist für sie der ideale Kraftstoff. An ihre Larven verfüttern sie gefangene Insekten, die sie mit ihrem Stachel betäuben.

Aufdringlich: Die arbeitslosen Wespen

Erst jetzt, wenn der Sommer zur Neige geht, sind die Wespen am aufdringlichsten. Der Grund: Die fleißigen Arbeiterinnen sind nun arbeitslos. Ist der Plagegeist eigentlich auch für etwas gut?

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Die Wespen-Hochsaison beginnt erst noch

„Wespen sind Nützlinge“, betont Stefan Schmidt – auch wenn sie uns auf die Nerven gehen. „Sie fangen Insekten und verfüttern sie an ihre Larven“, erklärt der Entomologe der Zoologischen Staatssammlung München. Unter den Opfern seien zahlreiche Schädlinge. „Blattläuse, Schmetterlingsraupen – Wespen sind nicht sonderlich wählerisch. Sie fangen alles, was sie kriegen können.“ Einzige Bedingung: Das Opfer muss kleiner sein als sie selbst.

Zur Überwältigung ihrer Beute nutzen die gold-schwarzen Jägerinnen ihren Stachel, betäuben ihr Opfer und transportieren es ins Nest. Anders als bei Bienen besitzt der Stachel der Wespe keine Widerhaken – sie kann problemlos immer wieder zustechen und ihr Gift verspritzen. Die ungeliebten Insekten ernähren sich zudem von Nektar, Pollen und Pflanzensäften. Aber weil sie keinen Bienen-Rüssel haben, beißen sie die Blüte meist von der Seite auf und können deswegen auch keine Blumen bestäuben.

Vom Frühjahr bis in den Sommer sind die Arbeiterinnen vor allem mit dem Nestbau, der Zellensäuberung und der Larvenfütterung beschäftigt. Doch ist das Nest gebaut und sind die Larven versorgt, gibt es immer weniger zu tun. „Jetzt ist die Zeit, in der sich der Staat allmählich auflöst. Die Arbeiterinnen entfernen sich immer weiter vom Nest, weil die Brutpflege erledigt ist“, erklärt Schmidt. Die Tiere sind quasi arbeitslos, kommen nur noch zum Übernachten heim. „Das ist der Grund, warum die Wespen jetzt besonders lästig sind.“

Beim Giftnotruf in München ist man es gewohnt, dass die Meldungen von Wespenstichen jedes Jahr im Spätsommer zunehmen. „Etwa alle zwei Tage bekommen wir deswegen einen Anruf“, so ein Sprecher. „Heuer sind es aber nicht mehr als in den vergangenen Jahren. Und bei den meisten Anrufen ist es ohnehin nichts Schlimmes.“

Den Geplagten, Gestochenen und Genervten bleibt die gute Nachricht, dass die Zeit der Wespen bald wieder vorbei ist. Wenn die Königin im Herbst gestorben ist, ist auch ihr Wespenstaat dem Untergang geweiht. Wenn es kälter wird, spätestens zum ersten Frost, sterben auch die letzten arbeits- und heimatlosen Tiere und wir Menschen haben vorerst wieder unsere Ruhe.

Lediglich die begatteten Weibchen überleben. „Sie suchen sich ein Versteck im Moos oder unter Steinen, fahren ihren Stoffwechsel auf Null runter und überwintern“, erklärt Schmidt. Und dann, im nächsten Frühjahr, erwachen die Prinzessinnen wieder und steigen empor als neue Königinnen.

Von Thomas Schmidt

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