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Einfache Botschaft, große Wirkung: „Bei Stau Rettungsgasse freihalten“ steht auf den Aufklebern, die Heiko Feist entworfen hat. Die Nachfrage ist groß.

BRK-Mitarbeiter startet Kampagne

Der Aufkleber für Rettungsgassen

Nersingen – Heiko Feist hat es bei BRK-Einsätzen oft genug erlebt: Ein Unfall auf der Autobahn und die Rettungskräfte kommen nicht zu den Verletzten durch. Deshalb hat er einen Aufkleber entworfen. Er will damit mehr Menschen für Rettungsgassen sensibilisieren. Nie hätte er gedacht, was seine Idee auslösen würde.

Die Idee kam quasi von ganz allein, Heiko Feist stand grad unter der Dusche und freute sich, dass draußen so schönes Wetter ist. Dachte ans Motorradfahren. Dachte an seine Einsätze für das Bayerische Rote Kreuz (BRK) als Motorradstreife. Und dachte an Autobahnen, auf denen für Rettungskräfte kein Durchkommen ist – weil die Autofahrer keine Rettungsgasse bilden. Das ist leider keine Ausnahme, sagt Feist. „Manchmal habe ich selbst mit dem Motorrad keine Chance, zu den Verletzten zu kommen.“ An diesem Morgen unter der Dusche war die Zeit für seine Idee gekommen. Sie ist so banal wie gut – und sie begeistert weit mehr Menschen als sich Heiko Feist je hätte vorstellen können.

Jede Minute zählt: Selbst wenn Heiko Feist mit seinem Motorrad für das Rote Kreuz zu einem Einsatz fährt, kommt er oft auf der Autobahn nicht durch, weil keine Rettungsgasse gebildet wird. So kam ihm die Idee für den Aufkleber.

Der 46-jährige gelernte Grafiker aus Nersingen (Kreis Neu-Ulm) hat einen Aufkleber für die Heckscheibe von Autos entworfen. 60 Zentimeter lang, drei Zentimeter breit. „Bei Stau Rettungsgasse frei halten“ steht darauf. Schlichte Gestaltung, einfache Botschaft, große Wirkung, hoffte er. Gedacht war der Aufkleber eigentlich nur für sein eigenes Auto, das seiner Freundin und die Autos einiger Bekannter. Doch bei Feists Beschrifter entdeckte der Einsatzfotograf Ralf Zwiebler den Aufkleber – und war sofort so begeistert, dass er ihn für sein eigenes Auto wollte. „Wir haben uns zusammengetan und eine Facebook-Gruppe gegründet“, erzählt Feist. „Projekt Rettungsgasse“ heißt sie. Dienstag vor einer Woche haben die beiden Männer sie eingerichtet. „Mit ein paar Fotos und kaum Text.“ Am nächsten Morgen hatte die Gruppe 30 Mitglieder. Am Abend waren es 700. Inzwischen sind es mehr als 25 000. „Ich hätte das nie für möglich gehalten“, sagt Heiko Feist.

Er hat inzwischen mehr als 1000 Anfragen aus ganz Deutschland bekommen. Alle wollen den Aufkleber für sechs Euro bestellen. „Vergangene Nacht habe ich vier Stunden geschlafen“, sagt Feist. Seine Mittagspausen opfert er ebenfalls, um Bestellungen abzuarbeiten und Beiträge auf der Facebook-Seite zu kommentieren. „Momentan bleibt uns von jedem Aufkleber etwa ein Euro Gewinn“, sagt er. Dieses Geld wollen die beiden in Flyer investieren – und vielleicht irgendwann in einen zweiten Aufkleber, wenn in Deutschland weiterhin so enthusiastisch geklebt wird. „Wir wollen mit der Aktion kein Geld verdienen“, betont Feist – sondern einen Beitrag leisten, damit die Arbeit der Rettungskräfte auf Autobahnen künftig einfacher wird. „Wenn andere unsere Idee kopieren – umso besser“, sagt Feist. Auch eine Zusammenarbeit mit der Regierung könnte er sich vorstellen. „Wir hätten fertige Entwürfe für Plakate oder Banner. Es steckt noch viel Potenzial in der Idee.“

Die letzten Tage hat sich Heiko Feist oft gefragt, warum noch niemand vor ihm den Einfall mit dem Aufkleber hatte. „Der ADAC wird sich jetzt ärgern“, vermutet er. Inzwischen hat auch schon ein Unternehmen bei dem Nersinger angefragt, es will den Aufkleber mit dem eigenen Logo verknüpfen und auf Messen den Kunden weitergeben. Die meisten Schulterklopfer bekommt Feist von seinen BRK-Kollegen. Sie hoffen, dass sich durch den Aufkleber auf den deutschen Autobahnen etwas ändert. „Es geht bei Rettungseinsätzen so oft um wenige Minuten – viele Menschen haben kein Gefühl dafür, was sie mit ihrer Ungeduld auf der Autobahn anrichten“, sagt Feist. Er spricht aus Erfahrung. „Ich habe es sogar schon erlebt, dass ein Auto nach rechts ausgewichen ist und ein anderes sofort den freigewordenen Platz eingenommen hat“, erzählt er. Wenn der Aufkleber nur ein paar von ihnen daran erinnert, wie wichtig Rettungsgassen sind, hat sich die Aktion schon gelohnt, findet Feist. Wenn es so weitergeht, sind bald auf den meisten deutschen Autobahnen Erinnerungshilfen unterwegs.

Katrin Woitsch

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