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Der Angeklagte.

Zum Auftakt von Mordprozess Ortstermin in Tiefgarage

Erlangen - Im Prozess um die Ermordung einer jungen Arzthelferin in einer Erlanger Tiefgarage vor zehn Jahren hat das Schwurgericht am ersten Verfahrenstag den Tatort - eine Tiefgarage - besichtigt.

Es ist eine Tiefgarage, wie es sie in jeder deutschen Kleinstadt gibt. Zwei Stockwerke, vier Parkreihen, niedrige Decken. Zum Fürchten wirkt der Ort eigentlich nicht. Es ist hell, zahlreiche Patienten der darüberliegenden Praxen fahren ein und aus. Doch als hier - mitten in Erlangen - vor zehn Jahren eine junge Arzthelferin erstochen wurde, blieben ihre Hilferufe ungehört. Bis heute fehlt es an Zeugen für die Tat.

Bilder vom Prozess und dem Tatort

Prozess zum Mord in der Tiefgarage

Jahrelang tappten die Fahnder deshalb im Dunkeln, zumal ihnen das Motiv ein Rätsel aufgab: Es fanden sich keinerlei Hinweise auf einen Raub oder ein Sexualverbrechen. 2007 rollten die Kripo-Beamten den Fall wieder auf, erhielten neue Erkenntnisse. Kurz darauf klickten die Handschellen. Ein heute 44 Jahre alter Landschaftsbauer wurde festgenommen. Der Vorwurf: Mord, Vergewaltigung sowie sexueller Missbrauch eines Kindes in zehn Fällen.

Der erste Verhandlungstermin vor dem Schwurgericht des Landgerichts Nürnberg-Fürth ist am Donnerstagmorgen nach zehn Minuten vorbei. Der Angeklagte legt ein Teilgeständnis ab. Ja, er habe seine damals 13 Jahre alte Tochter missbraucht. Der 44-Jährige "bedauere es sehr", erklärt Verteidiger Peter Doll im Namen seines Mandanten. Mit dem Mord habe der Angeklagte hingegen nichts zu tun. Auch den Vorwurf, eine 15 Jahre alte Freundin seiner Tochter vergewaltigt zu haben, weist der Landschaftsbauer zurück. Weitere Fragen wolle er vorerst nicht beantworten.

Oberstaatsanwalt Wolfgang Gründler ist sich dennoch sicher: Der Mann hat die Arzthelferin umgebracht, um zu verhindern, dass sich seine von ihm missbrauchte Tochter der Frau offenbaren könnte. Die beiden hatten sich kurz vor der Tat zu einem Treffen verabredet. Deshalb soll der Angeklagte die Frau - selbst Mutter eines damals sechs Monate alten Mädchens - am 5. März 1999 auf dem Weg zur Arbeit abgepasst, sie zunächst eingeschüchtert, dann bedroht und schließlich erstochen haben.

Am Nachmittag besichtigt das Gericht die Tiefgarage. Polizeibeamte führen den Angeklagten zu dem Ort, an dem er die 27-Jährige mit mehreren Messerstichen getötet haben soll. Mit bemüht gelassener Miene lässt der drahtige Mann das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Auch als sein Blick auf die Parkbox fällt, in der das Opfer gefunden wurde sagt er nichts, beugt sich nur mit seinem Verteidiger über die Tatort-Skizze.

Es wird also ein Indizienprozess, in dem dem Angeklagten seine Schuld mühsam bewiesen werden muss. Vorerst sind 14 Verhandlungstage vorgesehen. Die Anklageschrift umfasst 735 Seiten, die Staatsanwaltschaft bietet 500 Zeugen und 29 Sachverständige auf. "Man muss jetzt wie in einem Mosaik versuchen, das zusammenzupuzzeln, und dann schauen, ob es ein stimmiges Bild ergibt", erläuterte Rechtsanwältin Andrea Kühne. Sie vertritt die Eltern und die Tochter der Ermordeten, die ebenso als Nebenkläger auftreten wie die Tochter des Angeklagten und deren Freundin aus Schulzeiten.

von Elke Richter

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