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Margot Käßmann

"Reformation und Politik"

Käßmann startet Themenjahr in Augsburg

Augsburg - Mit einem Appell, dass Christen sich in die Gesellschaft einmischen sollen, hat die evangelische Kirche in Deutschland das Themenjahr „Reformation und Politik“ gestartet.

Bei einem Gottesdienst am Donnerstagabend in Augsburg sagte die frühere Bischöfin Margot Käßmann: „Wenn wir Verantwortung übernehmen wollen, kann das auch mal unbequem werden. Und politisch.“ Denn christlicher Glaube weise in die Welt hinein. „Sie ist Gottes Welt und wir sind Haushalterinnen und Haushalter.“

Die evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat die Jahre bis zum Reformationsjubiläum 2017 jeweils einem bestimmten Motto gewidmet. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine Thesen, die die Reformation einläuteten. Käßmann ist EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum. Die „Balance zwischen notwendigem Respekt vor der Obrigkeit und notwendigem Ungehorsam“, bleibe auch heute eine Herausforderung, sagte Käßmann laut vorab verbreitetem Redetext.

Sie erinnerte kritisch an Luther, der stets auf der Unterscheidung zwischen weltlichem und geistlichem Regiment beharrt habe. Diese Haltung habe die Kirche manches Mal dazu verführt, „unkritisch zu bleiben angesichts ungerechter Verhältnisse“.

Wenn Obrigkeit nicht mehr hinterfragt werde, ende das entweder in blindem Gehorsam - oder man werde gleichgültig und unkritisch in politischen Fragen, sagte die Regionalbischöfin von München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, laut Mitteilung.

Doch Widerstand sei notwendig, etwa wenn es um die Not der Flüchtlinge vor der Mittelmeerküste gehe: „Wir sollten verlangen, dass auch deutsche Schiffe zur Seenothilfe in den Süden geschickt werden - die Marine ist bestens geeignet für so einen humanitären Einsatz. Wir sollten darauf bestehen, dass Fischer und zivile Kapitäne, die Menschen aus den Fluten retten, für ihre Hilfe nicht bürokratische Probleme, sondern Orden kriegen. Wir sollten die Flüchtlinge nicht bequem auf andere Länder verweisen, sondern sie selber in unserem Land aufnehmen - und zugleich vehement für bessere Lebensbedingungen in ihren Heimatländern einstehen.“

dpa

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