Augsburg: Pfarrer (40) verteufelt Organspende

Violau/Augsburg - In einem Pfarrbrief hat ein Geistlicher im Kreis Augsburg Organspenden verurteilt. Nach einer Richtigstellung des Augsburger Bischofs Mixa folgt die Kündigung des Pfarrers.

Die Freude war groß, als am 1. September Andreas Hirsch (40) seine Stelle als Pfarrer in der Wallfahrer-Gemeinde Altenmünster-Violau (Kreis Augsburg) antrat. Die Blaskapelle spielte und die Vereinsabordnungen standen Spalier, als er in St. Michael einzog. Sieben Wochen später ist die anfängliche Euphorie blankem Entsetzen gewichen. Denn der Pfarrer entpuppte sich als erzkonservativer Geistlicher mit abstrusen Ansichten. Und die veröffentlichte er am 10. Oktober sogar in einem Pfarrbrief. Darin verteufelt der Geistliche Organspenden!

Er geißelt sie als „sittlich unzulässig“ und behauptet sogar, wer Organspenden durchführe, verstoße gegen die Gebote Gottes und die Nächstenliebe! Einem Menschen Organe zu entnehmen, so teilt Hirsch seinen „lieben Mitchristen“ mit, sei Mord!

Der Brief schlug ein wie ein Bombe. Eine Pfarrgemeinderätin ließ sich sofort als Lektorin und Kommunionhelferin freistellen. Denn in Violau ist man für das Thema sensibilisiert. In der Gemeinde lebt eine Familie, deren fünfjährige Tochter heute wohl ohne Transplantation nicht mehr leben würde. Als das Kind 26 Monate alt war, erhielt es eine Spenderleber. Die Eltern fürchten nun, dass Hirsch mit seinem Brief bei Menschen, die über eine Organspende nachdenken, große Ängste schüren könnte.

Ängste löste Hirschs Pfarrbrief auch bei der Leitung des Bistums Augsburg aus. Bischof Walter Mixa ließ durch seinen Sprecher Christoph Goldt nach den massiven Protesten aus der Gemeinde sofort richtigstellen, dass Hirschs Meinung nicht der katholischen Lehre entspreche. Außerdem wurde der Priester aufgefordert, im nächsten Pfarrbrief dies richtigzustellen. Doch Hirsch weigerte sich – und reichte stattdessen seinen Rücktritt ein!

„Den haben wir natürlich angenommen“, so Christoph Goldt zur tz, „wer nicht auf der Plattform des katholischen Glaubens handelt, kann im Bistum nicht als Seelsorger tätig sein.“ Wo und wie Hirsch künftig als Priester eingesetzt wird, darüber, so Goldt, habe man keine Informationen. „Er ist in den Schoß seiner Priesterbruderschaft zurückgekehrt.“

Hirsch ist Mitglied der 1988 gegründeten erzkonservativen Bruderschaft St. Peter. Von der Zusammenarbeit zwischen Laien und Priestern hält er nicht viel. Als Bürgermeister Bernhard Walter bei seinem Amtsantritt scherzhaft meinte: „Wir haben Erfahrung im Umgang mit neuen Pfarrern, und wir haben noch alle ganz gut hinbekommen“, antwortete Hirsch trocken: Er habe nicht vor, es den Menschen recht zu machen, seine Richtschnur sei einzig der Wille Gottes.

WdP

Rubriklistenbild: © dpa

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