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Der im Vanessa-Prozess Angeklagte Michael W. sitzt im Augsburger Landgericht hinter einer Glasscheibe.

Gutachter: Michael W. gehört in Psychatrie

Augsburg - Kommt Vanessas Mörder frei oder in Sicherungsverwahrung? Die Augsburger Richter stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Einer der Gutachter kommt noch einmal zu Wort - und hält den Täter weiter für gefährlich.

Ein Sachverständiger hält den Mörder der zwölfjährigen Vanessa weiter für gefährlich. „Ohne persönliche Begutachtung spricht eigentlich mehr dafür als dagegen, dass es zu ähnlichen Straftaten kommt“, sagte Facharzt Ralph-Michael Schulte am Dienstag vor dem Augsburger Landgericht. Die Wahrscheinlichkeit liegt seiner Einschätzung nach bei „50 Prozent oder höher - aber nicht wesentlich höher.“ Er sieht weiter einen dringenden Therapiebedarf. Der Täter weigert sich, mit Schulte zu sprechen. Dieser beruft sich daher auf Akten sowie auf Einsichten eines anderen Gutachters, der mit dem Täter reden konnte.

Der damals 19-Jährige hatte Vanessa 2002 in Gersthofen bei Augsburg erstochen. Die Richter prüfen, ob der Mann nach Verbüßung seiner zehnjährigen Haftstrafe freigelassen wird oder in Sicherungsverwahrung kommt. Um diese anzuordnen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss die hochgradige Gefahr bestehen, dass der Verurteilte schwerste Gewalt- oder Sexualstraftaten begeht. Außerdem muss der Täter eine psychische Störung haben. Das Urteil soll im Oktober fallen - möglicherweise verzögert es sich jedoch wegen weiterer Zeugenbefragungen.

Der heute 30-Jährige hätte aus Schultes Sicht nach der Tat in eine Psychiatrie gehört und nicht ins Gefängnis. „Wenn ein Mensch so eine Tat macht, ist er schon sehr gestört“, sagte er. „Die Persönlichkeitsstörung besteht weiter, sie hat sich möglicherweise abgeschwächt.“ Schulte sprach sich aber nicht explizit für die Sicherungsverwahrung aus. Er hatte sein Gutachten bereits zuvor vorgetragen. Auf Wunsch der Verteidigung wurde er noch einmal gehört.

Der Täter will sein Leben in Freiheit grundlegend ändern. „Ich werde den Mut aufbringen, auch Hilfe anzunehmen“, schrieb er in einem „Rückfallpräventionsplan“, den der Vorsitzende Richter am Augsburger Landgericht am Dienstag verlas. „Ich möchte mein Leben selbst entscheiden, ein Gute-Laune-Bär werden.“ Probleme und Krisen wolle er als Chance sehen.

Der heute 30-Jährige verfasste das Schreiben bereits im Herbst 2010 als eine Hausaufgabe einer Gruppentherapie in der JVA Erlangen. „Ich meide Orte, an denen es Alkohol gibt, ich meide Horrorfilmkonsum“, schrieb er über seine Zukunft. Eine Rückfallgefahr sehe er, „wenn ich meine wahren Gefühle unterdrücke oder verberge“. Der Prozess wird am Donnerstag nächster Woche (27.9.) fortgesetzt.

dpa

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