Sogar Politiker nutzten es

Ikea-Ansturm vor Corona-Lockdown: Bild wird hundertfach geteilt - und als Fake News missbraucht

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Das Bild einer langen Schlange vor einer Ikea-Filiale nahe Augsburgs wurde im Internet dutzendfach geteilt. Leider auch zur Verbreitung von Fake News.

  • Ein Foto eines Parkplatzes vor einer Ikea-Filiale vor den Toren Augsburgs* sorgt für großen Wirbel.
  • Noch vor dem Corona*-Lockdown hat sich dort eine lange Schlange von Menschen auf dem Parkplatz gebildet.
  • Das Problem ist aber nicht das Bild an sich, sondern der Umgang damit.

Augsburg - Die sozialen Netzwerke können Fluch und Segen zugleich sein. Zum einen bleibt man mit Freunden und Verwandten in Kontakt, teilt Erinnerungen und hält sich auf dem Laufenden. Auf der anderen Seite dienen sie immer wieder als Plattform zur Verbreitung von Unwahrheiten und Fake News. So geschehen mit einem Bild der Augsburger Allgemeinen, dass vor einer Ikea-Filiale in Gersthofen (Landkreis Augsburg) aufgenommen wurde.

Ein Foto von einer langen Schlange vor einer Ikea-Filiale in Gersthofen sorgt im Internet für Wirbel.

Augsburg: Vor dem Corona-Lockdown zieht es zahlreiche Menschen noch einmal zu Ikea

Es war der Montag, nachdem die Landeschefs und die Kanzlerin den harten Corona*-Lockdown für Deutschland beschlossen haben. Ab Mittwoch (16. Dezember) durften nur noch Geschäfte öffnen, die Waren für den täglichen Gebrauch verkaufen wie Lebensmittelläden oder Drogerien. Möbelgeschäfte zählen jedoch nicht dazu. Und deshalb war der Ansturm auf die Ikea-Filiale vor den Toren Augsburgs* auch extrem hoch. Fast über den gesamten Parkplatz reichte die Schlange an Menschen, die noch vor Weihnachten das eine oder andere Schnäppchen ergattern wollten. Eingefangen wurde das Ganze von einem Mitarbeiter des Augsburger Medienhauses und anschließend auf Facebook veröffentlicht.

Hätte man geahnt, was das Bild alles auslöst, man hätte es vielleicht in der Schublade behalten. Innerhalb kürzester Zeit ging das Foto viral. Es wurde zigfach im Internet geteilt und verbreitet. An sich ist das noch nicht das Problem. Nur haben sich einige User das Bild zu eigen gemacht. So behauptete einer in seinem Twitter-Post, den Schnappschuss hätte sein Vater in Würzburg aufgenommen. Ein anderer verortete das Foto sogar außerhalb von Bayern. Er twitterte „Berlin Lichtenberg 14.12.20“.

Augsburg: Foto vor Ikea-Filiale wird für politische Zwecke eingesetzt

Gut, man könnte jetzt sagen, blöd gelaufen. Eine Ungenauigkeit eines einfachen Twitter-Users. Aber wenn Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, das Bild verbreiten, die Quelle nicht nennen und es auch noch für ihre Zwecke missbrauchen, dann wird ein harmloser Post zum Problem. So geschehen beispielsweise bei dem Juso-Landesvorsitzenden aus Rheinland-Pfalz. Umut Kurt verortete das Foto kurzerhand nach Koblenz. Außerdem postete es der SPD-Politiker als Reaktion auf einen Artikel über Armin Laschet* (CDU).

Ein anderer Politiker - der für die Freien Wähler im Landtag sitzende Fabian Mehring - hat in seinem Post wenigstens den Ort richtig übernommen. Er schreibt: „Dieses Bild vom Parkplatz eines Möbelhauses in meiner Heimat wurde mir eben übermittelt.“ Sein Wahlkreis ist tatsächlich Schwaben. Aber zur Quelle macht er keine Angabe.

Augsburg: Twitter-User bringen mit dem Ikea-Bild sogar eine Straftat in Verbindung

Kreativ wurde eine Twitter-Userin, die das Bild sogar mit einer Straftat in Verbindung brachte. Für sie hat der volle Parkplatz in Gersthofen in Bayern mit einem Überfall auf einen Geldtransporter in Berlin zu tun. Dort wurde in Schöneberg vor einer Ikea-Filiale eben ein solcher überfallen und ausgeraubt.

Einige User machen sich aber einfach auch lustig über das Bild. So schreibt einer in der Bildüberschrift: „Typisch Spanien! Es war zu befürchten! Die Schlange vor dem Friseursalon von Antoine Griezmann.“ So oder so war die Augsburger Allgemeine überrascht über den Hype, den ihr Bild ausgelöst hat. Sie stellte jetzt noch einmal klar, wann und wo das Foto entstand - Ikea-Filiale Gersthofen. Und wer es gemacht hat - Mitarbeiter Edwin Antl. (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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Rubriklistenbild: © Frank Rumpenhorst/dpa

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