Ein Patient wird behandelt.
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Im Friedberger Klinikum gab es wohl mehrere Corona-Tote. Die Angehörigen erheben schwere Vorwürfe (Archivbild).

„Da stimmt was nicht“

In bayerischer Klinik mit Corona infiziert? Wohl mehrere Tote: Angehörige mit schweren Vorwürfen

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Mehrere Menschen sind in der Friedberger Klinik gestorben, nachdem sie sich dort offenbar mit Corona infiziert hatten. Die Angehörigen erheben schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus.

  • Mehrere Menschen sind in einer Klinik nahe Augsburg* gestorben, nachdem sie sich dort offenbar mit dem Coronavirus* infiziert hatten.
  • Angehörige erheben nun schwere Vorwürfe.
  • Die Klinik reagiert.

Friedberg - Offenbar sind drei Menschen gestorben, nachdem sie sich im Krankenhaus Friedberg nahe Augsburg* mit dem Coronavirus* infiziert haben. Das erklärten Angehörige gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Mehrere Fälle werden nun untersucht, das Krankenhaus verschärft die Vorschriften.

Mutter stirbt an Corona: „Ich hab das Gefühl, da stimmt was nicht“

„Ich habe das Gefühl, da stimmt was nicht. Da ist was gepfuscht worden“, sagte ein Augsburger gegenüber dem BR zum Tod seiner Mutter. Die 80-Jährige war Anfang Januar ins Friedberger Krankenhaus gekommen - mit Herzproblemen wie sich später herausstellte. Der Corona-Schnelltest* in der Notaufnahme war negativ, die Ärzte verschieben der Frau Medikamente. Wie der BR berichtet, erholte sie sich rasch und wurde am 19. Januar entlassen - vier Tage später war sie tot.

„Die ersten beiden Nächte nach der Entlassung waren noch in Ordnung“, wie ihr Sohn erklärte. Doch dann verschlechterte sich plötzlich ihr Zustand. Der Augsburger berichtet gegenüber dem BR von Atemnot und einem „blutig-schleimigen Auswurf“. Er brachte seine Mutter daraufhin wieder in die Notaufnahme, diesmal war der Corona-Test* positiv. Am Morgen danach war die Mutter des Augsburgers tot. „Infiziert hat sie sich wohl im Krankenhaus“, so der Sohn im Interview weiter. Für mindestens ein paar Tage sei seine Mutter mit einer anderen Frau in einem Zweibettzimmer untergebracht gewesen. Der Sohn kritisiert, dass niemand ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass es in der Klinik Corona*-Fälle gibt.

Corona-Fälle in Friedberger Klinik: Infizierter steckt Zimmergenossen an - der stirbt

Wie der BR berichtet, hatte sich wohl spätestens am 21. Dezember der erste Patient in der Klinik mit Corona* infiziert. Ein alter Mann wurde nach einem Infekt zu einem schwer hustenden Patienten in ein Zimmer gelegt, wie dessen Tochter dem BR berichtet. Der hustende Mann wurde erst später auf Corona* getestet. Ergebnis: Positiv. Er steckte seinen Zimmergenossen an, der schließlich verstarb. Dessen Tochter hat mittlerweile Anzeige erstattet, der die Staatsanwaltschaft Augsburg nachgeht, wie es weiter heißt.

Inzwischen hat sich wohl ein dritter Mensch im Krankenhaus Friedberg mit Corona* infiziert und ist gestorben, wie Recherchen des BR zeigen sollen. Dieser war zuvor nach einem häuslichen Unfall in das Krankenhaus eingeliefert worden. Tage später hätte die Klinik dem Bericht zufolge die Familie informiert, dass der Mann im Krankenhaus Kontakt zu einem Corona-Infizierten gehabt hätte. Das sagt dessen Sohn gegenüber dem BR. Inzwischen ist auch dieser Mann an den Folgen seiner Covid-Infektion gestorben.

Corona-Tote in Friedberger Klinik: Gibt es einen vierten Fall?

Womöglich gibt es noch einen weiteren Fall: Auf Facebook schreibt ein User aus Friedberg, dass sein Vater mehrere Wochen im dortigen Krankenhaus gelegen habe. Er sei mehrfach negativ getestet worden, im Januar sei dann ein Test positiv gewesen - der Mann starb, wie der BR schreibt.

„Er war schwer vorerkrankt und hätte das Krankenhaus sicher nicht mehr kerngesund verlassen, darüber machen wir uns keine Illusionen. Wenn man jedoch als schwer erkrankter Patient in einer vermeintlich sicheren Umgebung zusätzlich mit Corona infiziert wird, stellen sich als Angehöriger doch einige Fragen.“ Der Facebook-Nutzer beklagt eine „verantwortungslose Informationspolitik“ seitens der Verantwortlichen.

Video: Corona regional: Das Update für Bayern

Nach Corona-Todesfällen nahe Augsburg - Klinik-Geschäftsführer schockiert: „Mich macht das sehr betroffen“

„Mich macht das sehr betroffen“, zitiert der BR Hubert Mayer. Er ist Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, zu denen auch das Friedberger Krankenhaus gehört. Er betont im Interview, wie schwierig es sei, Corona-Fälle auszuschließen. „Sie können zwei negative PCR-Tests haben. Und dann ist der dritte Test trotzdem positiv“, sagte er „Es gibt keine 100-prozentige Sicherheit.“

Zu Einzelfällen könne und dürfe er jedoch nichts sagen. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Aichach-Friedberg würden nun allerdings Untersuchungen laufen, wie es zu den Todesfällen gekommen sei. Es gehe dabei auch um die Frage, ob es im Zeitraum zwischen Mitte Dezember und Ende Januar zu Fehlern gekommen sei.

Corona-Ausbruch in bayerischer Klinik: Reihentestung aller Mitarbeiter angeordnet

Denn wie inzwischen bekannt ist, hat es in diesem Zeitraum einen massiven Corona-Ausbruch in der Klinik gegeben. Zwei Stationen sind inzwischen unter Quarantäne, wie der BR weiter berichtet. Die Leiterin des Gesundheitsamtes im Landkreis, Kirsten Höper, erklärt, dass mehrere Fälle untersucht würden, in denen sich Patienten womöglich im Krankenhaus mit Corona infiziert haben. Weitere Todesfälle seien dem Bericht zufolge nicht auszuschließen.

Das Krankenhaus habe mittlerweile eine Reihentestunng der rund 500 Mitarbeitenden veranlasst. Wie das Gesundheitsamt mitteilt, seien alle Tests negativ. Die Vorsichtsmaßnahmen würden aber weiter verschärft. Alle Mitarbeiter müssten nun vor Dienstbeginn einen Schnelltest machen.

Corona-Todesfälle in Friedberger Klinik: Angehörige übt scharfe Kritik an Klinik

Die Angehörige, deren Vater mit dem hustenden Patienten zusammengelegt wurde, übt gegenüber dem BR jedoch scharfe Kritik am Umgang des Krankenhauses mit dem ihr bekannten Corona-Fall: „Am 21.12. wurde der hustende Zimmernachbar meines inzwischen verstorbenen Vaters positiv getestet. Am 23.12. habe ich mit einem Mitarbeiter des Gesundheitsamts von Aichach-Friedberg telefoniert. Dort wusste man gar nichts von dem Fall. Anschließend hat das Gesundheitsamt in der Klinik angerufen. Die Klinik hat erst dann dem Gesundheitsamt alle Kontakte des Coronafalls übermittelt. So hat es mir ein Mitarbeiter des Gesundheitsamts berichtet. Das war zwei Tage, nachdem der Zimmernachbar meines Vater positiv getestet worden war.“

Die Leiterin des Gesundheitsamtes erklärt dazu, dass Ärzte Corona-Fälle in der Klinik umgehend melden müssen. Deshalb sei es aus ihrer Sicht „unwahrscheinlich“, dass die Schilderungen der Angehörigen zutreffen. Bei der Meldung der Kontakte könne es aber Verzögerungen geben, wie sie zugibt.

Mutter stirbt in bayerischem Krankenhaus an Corona: Sohn berichtet von makaberem Anruf

Auch im Falle des Augsburgers, der seine Mutter verloren hat, scheinen Informationen nicht weitergegeben worden sein, wie der BR berichtet. Drei Tage nach ihrem Tod hätte das Gesundheitsamt den Mann angerufen: „Sie wollten meine Mutter sprechen, die schon seit drei Tagen tot war.“

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