Rathaus in der Altstadt Günzburg
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Rathaus in der Altstadt Günzburg

Die Stadt der Göttin Guntia

Günzburg

Günzburg gehört zu den meistbesuchten Städten des schwäbischen Barockwinkels zwischen Stuttgart und München. Der große Besuchermagnet besteht aus Millionen kleiner Plastiksteine: das Legoland südlich des Zentrums.

Günzburg – Rund 1,7 Millionen Besucher strömen jedes Jahr in die mittelschwäbische Stadt an der Donau. Die meisten zieht es für einen oder auch mehrere Tage in das berühmte Legoland, das zugleich einen wichtigen Wirtschaftsmotor für die Region darstellt. Doch Günzburg hat noch weit mehr zu bieten: darunter eine malerische Landschaft, die von Flüssen und Wäldern geprägt wird, und eine österreichisch geprägte Geschichte.

Günzburg: Die frühe Geschichte

Günzburg gehört zu den vermutlich ältesten Städten Süddeutschlands. Auf dem Burghügel im Stadtteil Reisensburg östlich der Innenstadt wurden Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit gefunden, die ihm den Spitznamen schwäbische Akropolis eintrug. Wenige Kilometer westlich von Günzburg wurde bei Leipheim ein Wagengrab aus der Eisenzeit um 800 vor Christus entdeckt. Den Fürsten jener Epoche wurde ein Wagen für eine einfachere Reise in die Nachwelt mit ins Grab gelegt.

Die offizielle Geschichte von Günzburg selbst begann jedoch erst mit der Ankunft der Römer im südlichen Germanien. Sie errichteten ein Kastell am Ufer der Donau, das die Brücke Transitus Guntiensis bewachen sollte. Der Name leitet sich von der keltischen Flussgöttin Gôntia (Guntia) ab, die in dem nach ihr benannten Fluss (der heutigen Günz) lebte. 1929 wurde ein ihr gewidmeter Weihestein aus dem 2. oder 3. Jahrhundert gefunden.

Von Guntia zu Gunceburch

Neben dem militärischen Kastell der Römer blühte eine wohlhabende zivile Römersiedlung auf, die in das römische Fernstraßennetz eingebunden war. Bei Günzburg wurde eines der größten römischen Gräberfelder nördlich der Alpen mit mehreren Tausend Grabstätten gefunden.

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches vermischten sich ansässige Römer, Kelten und romanisierte Germanen (Welsche) mit Alemannen, Ostgoten und Franken. Aus dem alten römischen Kastell wurde ein fränkischer Königshof, dessen Reste heute noch im Kirchturm St. Martin zu sehen sein sollen. Die heutige Burg Reisensburg wurde um 600 bereits unter dem Namen Ricinis erwähnt. Günzburg selbst fand 1065 in einer Urkunde Erwähnung, die König Heinrich IV. mit der Ortsangabe „ze Gunceburch“ unterschrieb.

Günzburg als Teil des Habsburgerreiches

Mit dem Aussterben der Markgrafen von Berg 1301 wurde Günzburg als Teil der österreichischen Vorlande Teil des Habsburgerreiches. Versuche des benachbarten Bayerns, ihr Herrschaftsgebiet westlich des Lechs auszudehnen, führten im 15. Jahrhundert zur Gründung des Schwäbischen Bundes, unter dessen Schutz auch Günzburg stand.

Erzherzog Ferdinand II. von Tirol ernannte 1609 seinen Sohn Karl, Markgraf von Burgau, zum Statthalter von Oberösterreich und ließ für ihn in der Oberstadt ein neues prächtiges Schloss errichten. Der streng katholische Herrscher vertrieb innerhalb eines Jahres die jüdische Gemeinde von Günzburg, deren Namen wie Gainsbourg und Ginsberg in späteren Jahrhunderten berühmte Träger haben würden.

Das Ende der Habsburger

Kriege und Großbrände zerstörten im 17. und 18. Jahrhundert weite Teile der mittelalterlichen Bausubstanz. Erst unter Kaiserin Maria Theresia blühte Günzburg wieder auf. Sie ließ hier den Maria-Theresien-Taler prägen, die am weitesten verbreitete Silbermünze der Welt. Viele donauschwäbische Auswanderer begannen in Günzburg ihre Reise auf dem Fluss in die ungarischen Ostgebiete, vor allem nach Siebenbürgen.

Mit der Eroberung der Donaubrücke bei Günzburg durch Napoleon und seine Truppen endete 1805 die Herrschaft der österreichischen Habsburger nach 500 Jahren. Im Frieden von Pressburg ein Jahr später kam Günzburg gegen seinen Willen zum Königreich Bayern.

Günzburg im 20. Jahrhundert

Mit dem Anschluss an die Bahnlinie München-Stuttgart erlebte die Wirtschaft der Region einen enormen Aufschwung. Einen Schatten auf die jüngere Geschichte von Günzburg werfen zwei mit dem Nationalsozialismus verbundene Namen: Franz Xaver Schwarz, Reichsschatzmeister und damit Finanzminister der NSDAP, und Josef Mengele, der berüchtigte KZ-Arzt von Auschwitz. Später errichtete die Stadt ein Mahnmal zum Gedenken an Mengeles Opfer. 1942 absolvierte das Kampfflugzeug Messerschmitt Me 262 des gleichnamigen Augsburger Unternehmens seinen Jungfernflug auf dem Fliegerhorst Leipheim.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich Günzburg zu einer modernen fortschrittlichen Stadt mit starkem Wirtschaftswachstum. Heute zählt die Gemeinde rund 21.000 Einwohner. Seit 1977 wird jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende das Guntiafest als großes Stadtfest gefeiert, das Besucher aus der gesamten Region anlockt.

Günzburg heute: Lage und Wirtschaft

Günzburg profitiert von der günstigen Lage an der Donau und der Autobahn A8 auf halber Strecke zwischen Stuttgart und München. Die beiden Oberzentren Ulm und Augsburg sind jeweils nur eine halbe Stunde Autofahrt entfernt. Der Bahnhof ist an das IC- und EC-Netz angeschlossen und bietet direkte Verbindungen in westliche Richtung nach Stuttgart, Karlsruhe und Paris sowie in östliche Richtung nach München, Salzburg und Wien.

Die Wirtschaft von Günzburg ist traditionell stark: Mehr Menschen pendeln in die Stadt hinein als hinaus. Die Region ist ein wichtiger Standort für die Lebensmittelproduktion, die teilweise in der „Foodtown Günzburg“ ansässig ist. Bekannte Unternehmen sind:

  • OSI Food Solutions (produziert monatlich 6.000 Tonnen Fleisch für McDonald‘s)
  • HAVI Logistics (liefert Pommes frites, Getränke usw. an McDonald‘s)
  • Lieken Brot (stellt die Brötchen für die Hamburger und BigMacs her sowie viele weitere Brotprodukte)
  • W. u. H. Küchle (Backoblaten, Backmischungen)
  • Molkerei Zott (Käse, Joghurts, Desserts usw.)
  • Günzburger Radbrauerei (Weizenbier)

Neben der Lebensmittelindustrie spielen Maschinenbau und metallverarbeitende Industrie und das Gesundheitswesen eine wichtige Rolle.

Günzburg: Politik im Überblick

Bei den Stadtratswahlen 2020 konnte sich die CSU den höchsten Stimmenanteil sichern. Die Wahlergebnisse von Günzburg im Einzelnen:

ParteiStimmenAnteil
CSU49.51325,8 %
SPD39.06320,3 %
GBL/Die Grünen33.47217,4 %
Freie Wähler32.32616,8 %
UWB27.90714,5 %
FDP9.7015,1 %

Oberbürgermeister von Günzburg ist bereits seit 2002 Gerhard Jauernig von der SPD, der für die Kommunalwahlen 2020 gemeinsam von der SPD und der CSU aufgestellt wurde.

Günzburg: Sehenswürdigkeiten

Die lange, bewegte Geschichte hat zahlreiche Spuren in Günzburg hinterlassen. Bedeutende Funde aus der keltischen und römischen Geschichte sind heute im Heimatmuseum Günzburg zu bewundern, das auch der aktuell wohl bekanntesten Günzburgerin ein Denkmal setzt. So ist auch ein Abendkleid der Opernsängerin Diana Damrau zu sehen. Ein ungewöhnliches Museum ist das privat von Christl Hirner geführte Besenmuseum: Hier sind über 400 Besen aus aller Welt von Afrika bis China versammelt.

Bekanntestes Bauwerk der Stadt ist die ab 1736 von Dominikus Zimmermann im prachtvollen Rokoko-Stil erbaute Frauenkirche. Zu ihren Highlights gehören der Hochaltar, die kunstvollen Fresken und die sogenannte Nonnenempore. Das markgräfliche Schloss von Günzburg ist das einzige von den österreichischen Habsburgern errichtete Schloss auf deutschem Gebiet. Da es von der Stadt Günzburg genutzt wird, kann es nur von außen besucht werden. Das historische Schloss Reisensburg im Nachbarort gehört der Universität Ulm und wird von ihr als Tagungszentrum genutzt. Der Aufstieg führt an mehreren Kapellen vorbei.

Beliebt ist Günzburg bei Naturfreunden und Aktivurlaubern, die die gut ausgebauten Flusstal-Radwege entlang der Donau und kleinerer Nebenflüsse wie der Günz, Kammel und Mindel nutzen. Der DonAUwald-Premiumwanderweg führt über 59 Kilometer durch den Auwald zwischen Günzburg und Schwenningen.

Günzburg und das Legoland

Zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten der gesamten Region gehört das südlich von Günzburg gelegene Legoland. Auf 71 Hektar Fläche warten in elf Themenbereichen 64 Attraktionen und Tausende Modelle, für die über 55 Millionen Legosteine verbaut wurden.

Im Miniland sind beispielsweise die Münchner Allianz Arena (1 Mio. Steine), der Hamburger Hafen (367.000 Steine) und Schloss Neuschwanstein (300.000 Steine) zu bewundern. Zahlreiche Achterbahnen und andere Fahrgeschäfte sorgen bei Groß und Klein für ordentliche Adrenalinschübe. Die LEGO Fabrik erlaubt Einblicke in die Herstellung der bunten Steine. Zum Freizeitpark Legoland gehört das Feriendorf mit Hotels, Ferienhäusern, Campingplatz und Stellflächen für Wohnmobile.

Das Legoland Günzburg belegt bei den Besucherzahlen in Deutschland den dritten Platz hinter dem Europa-Park in Rust und dem Phantasialand in Brühl. Jährlich lockt es rund 1,7 Millionen Besucher an, die für die Wirtschaft von Günzburg eine wichtige Rolle spielen.

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