In der Nacht auf Sonntag kam es in Augsburg zu massiven Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei.
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In der Nacht auf Sonntag kam es in Augsburg zu massiven Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei.

Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte

Nach Krawallnacht in Augsburg: Stadt zieht Konsequenzen - „Bürgerkriegsähnliche Zustände“

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Die Stadt Augsburg zieht nach den Ausschreitungen am Samstag jetzt Konsequenzen. Die Polizei untersucht die Vorfälle und bittet Zeugen, sich zu melden.

Augsburg - Zu viel Alkohol und hochkochende Emotionen. Aber auf so einfache Ursachen könne man wohl die Ausschreitungen am Wochenende in Augsburg* nicht zurückführen. Selbst der Sieg der deutschen Nationalmannschaft sei kein Grund für solche Exzesse, wie sie in der Nacht auf Sonntag auf und um die Maxstraße abgelaufen sind, sagte Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) in einer Pressekonferenz am Montag. Zahlreiche Polizisten und Rettungskräfte wurden von einem Mob* von über 100 Menschen attackiert und mit Flaschen beworfen.

Krawalle in Augsburg: Sanitäter ist entsetzt, was ihm und seinen Kollegen passiert ist

Ein Sanitäter, der an dem Abend Dienst hatte, berichtete der Augsburger Allgemeinen von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Er wurde zu einem Einsatz in eine der Seitenstraßen gerufen, schildert er den Abend. Dort musste sich der Notfallsanitäter um einen Betrunkenen kümmern. Dieser schrie um sich und beleidigte die Retter auf übelste Weise. Kollegen, die direkt auf der Maxstraße eingesetzt wurden, ging es noch schlimmer, berichtet er. Betrunkene seien auf das Fahrzeug geklettert, hätten die Einsatzkräfte bespuckt und sie an der Arbeit gehindert.

Nicht nur die Sanitäter waren Ziel der Aggressoren. Zahlreiche Flaschen flogen auch in Richtung der Polizisten, die in großen Verbänden eingesetzt wurden. „Als die Leute mit Flaschen warfen, sah man ihnen an, dass es ihnen Spaß bereitete“, schildert der Retter. Sie hätten eine „Sportart“ daraus gemacht: „Wer trifft den Polizisten besser?“ Auch für den Retter sei der Alkoholpegel keine Entschuldigung. „Für mich ist das ein Zeichen schlechter Erziehung.“ Was den Sanitäter besonders ärgert. Die Randalierer hätten so viele Einsatzkräfte gebunden, dass für richtige Notfälle kaum noch Helfer übrig waren. Zumal viele seiner Kollegen sich inzwischen einen anderen Job gesucht haben. Bei einem Bürojob „bespuckt dich niemand“, so der Mann.

Pressekonfrenz von Polizei und Oberbürgermeisterin

Die Antwort der Polizei* und der Stadt ließ nicht lange auf sich warten. Am Montag trat die Oberbürgermeisterin mit dem Polizeipräsidenten Michael Schwald vor die Presse. Sie verurteilten die Vorfälle zu tiefst. „Als OB und als Stadt werden wir nicht dulden, dass sich solche Szenen wiederholen“, sagte Weber. Daher kündigte sie mehrere Maßnahmen in der Augsburger Innenstadt an. Unter anderem wird der Bereich um den Herkulesbrunnen abgesperrt, Alkoholverkauf „to go“ und Konsum außerhalb der Gastronomie wird ab 20 Uhr verboten und der Bereich wird ab 18 Uhr für einen Großteil des Verkehrs (Autos/Taxis/ÖPNV) gesperrt.

Außerdem werte die Kripo Augsburg zahlreiche Kameraaufnahmen von sogenannten Dashcams der Polizisten aus, erklärte Schwald. Zeugen können sich - auch mit selbst aufgenommenen Videos - bei der Polizei melden, wenn sie sachdienliche Hinweise haben. Das, was dort am Samstag passiert sei, sei „kein Kavaliersdelikt, sondern Landfriedensbruch“, so Schwald. Und auch Menschen, die solche Täter decken oder ihnen bei der Flucht geholfen haben, würden sich der Beihilfe strafbar machen. (tel) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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