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Bleibt geschlossen: der Brucker Schlachthof.

Tierquälereivorwürfe

Aus für Brucker Schlachthof: Auch andere Betriebe haben Probleme

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Nach den Tierquälereivorwürfen gegen den Fürstenfeldbrucker Schlachthof wird die Betreiberfirma liquidiert. Doch nicht nur der Brucker Betrieb hat Probleme beim Tierschutz: Gegen die Betäubungsvorschriften wird bayernweit immer wieder verstoßen.

München/Fürstenfeldbruck – Der Fürstenfeldbrucker Schlachthof ist in seiner bisherigen Form am Ende. Nach den Vorwürfen der vergangenen Tage wegen Verstößen gegen den Tierschutz hat die Verwaltungsgesellschaft beschlossen, die Brucker Schlachthof GmbH & Co. KG aufzulösen. Etwa 15 Mitarbeiter werden freigestellt. In 14 Tagen sollen die Kommanditisten entscheiden, was mit dem Grundstück und dem Gebäude geschieht.

Geschäftsführer Max Keil verschickte am Dienstag eine persönliche Erklärung, in der er beteuerte, seit 20 Jahren täglich ohne wirtschaftlichen Profit für den Schlachthof gearbeitet zu haben. „Mein einziger Beweggrund dafür war, Tierleid zu minimieren und vernünftige Nahrungsmittel zu erzeugen. Nach der aktuellen Kampagne muss ich sagen, es geht nicht mehr.“ In einer Erklärung des Schlachthofs heißt es, dass die gesellschaftlichen und ordnungspolitischen Entwicklungen den Weiterbetrieb der Firma unmöglich machten. „Zu anonym entstandenen und inszenierten Vorwürfen müssen wir keine Erklärung abgeben.“

Tierschützer der „Soko Tierschutz“ hatten den Fall mit Videoaufnahmen aus dem Schlachthof ins Rollen gebracht. Darin sind Verstöße gegen den Tierschutz zu sehen – unter anderem bei der Betäubung. Das Landratsamt sichtete die Aufnahmen und leitete sie an die Regierung von Oberbayern sowie an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weiter. Beide prüfen den Fall.

Probleme bei der Betäubung hatte aber nicht nur der Fürstenfeldbrucker Schlachthof. Das zeigen die Ergebnisse der Sonderkontrollen, die die Prüfer des LGL in diesem Jahr durchgeführt haben. Bei sieben Kontrollen in sechs Betrieben wurden laut einem Sprecher 17 Mal Mängel bei der Betäubung festgestellt. Zwölf dieser Fälle im selben Betrieb. Den Namen nennt er nicht.

Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf (CSU) sagt dazu: „Verstöße gegen den Tierschutz sind nicht hinnehmbar.“ Sie erwarte von den Schlachthofbetreibern, dass sie das geltende Recht konsequent einhalten. Um die Landratsämter bei der Kontrolle zu entlasten, hat ihr Ministerium eine neue Kontrollbehörde geschaffen. Diese soll mit 70 neuen Stellen ab 2018 für die Kontrollen von sogenannten „komplexen Betrieben“, also vor allem von größeren Schlachthöfen, zuständig sein.

Denn bislang ist zwar durchaus kontrolliert worden. Aber die Verstöße wurden offenbar vergleichsweise selten sanktioniert. So stellten allein die Kontrolleure des LGL in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt 400 Verstöße fest. Aus einer Landtagsanfrage der Freien Wähler geht jedoch hervor, dass im selben Zeitraum nur elf Bußgelder von den zuständigen Kreisverwaltungsbehörden gegen Schlachtbetriebe verhängt wurden – keines davon höher als 1000 Euro. „Das zeigt schon die ganze Absurdität“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. „Der Vollzug läuft schief. Die Staatsregierung bekommt das Problem nicht in den Griff.“ Benno Zierer von den Freien Wählern spricht sich beim Schlachten für ein Vier-Augen-Prinzip mit persönlicher Verantwortung aus. „Und das wird ohne Videoüberwachung nicht gehen.“

Das würde für viele Betriebe eine weitere Investition bedeuten. Josef Heiß betreibt seit 2005 ein Schlachthaus in Lenggries. Bauern und Metzger aus den umliegenden Gemeinden lassen dort jeden Montag schlachten. Es gebe unangekündigte Kontrollen. „Das funktioniert gut“, sagt Heiß. Sich dabei nun auch noch von einer Kamera über die Schulter schauen zu lassen, davon hält er wenig. „Was sollen wir denn noch alles machen?“ Am Ende leide die ganze Branche unter den schwarzen Schafen, die immer wieder entdeckt werden.

Landrat Thomas Karmasin (CSU) wünscht sich derweil in Fürstenfeldbruck, dass sich eine neue Mannschaft für einen neuen örtlichen Schlachthof findet. Auch Engelbert Jais, Chef der örtlichen Metzgerinnung, kündigte an, sich dafür stark machen zu wollen.

Dominik Göttler und Thomas Steinhardt

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