Wegen Online-Aktivitäten

Mühldorf feuert seinen Nikolaus - nach 30 Jahren

Mühldorf am Inn - Nach 30 Jahren Nikolaus-Dasein ist Peter Mück seinen Job auf dem Mühldorfer Christkindlmarkt nun los. Der Grund dafür erscheint zunächst harmlos.

In der kleinen Kreisstadt Mühldorf am Inn hängt der vorweihnachtliche Haussegen gewaltig schief. Grund dafür ist die Entlassung von Peter Mück, als alljährlicher Nikolaus auf dem Mühldorfer Christkindlmarkt. Mück hatte bereits 30 Jahre lang Süßigkeiten an die jungen Besucher des Marktes verteilt, nun hat die 1. Bürgermeisterin Marianne Zoller ihm den Nikolaus-Stab entrissen, so berichten lokale Medien.

Der Grund dafür findet sich in den sozialen Medien. Die sogenannte „Identitäre Bewegung” (IB), eine völkisch orientierte Gruppierung, die von Politikwissenschaftlern durchgängig als eine Spielart des Rechtsextremismus eingestuft wird, hatte vor kurzem vor städtischen und kirchlichen Kindergärten Plakate angebracht, auf denen zu lesen war „Kinderehe = Kindesmissbrauch - Das Maß ist voll“. Bilder der Aktion kursierten im sozialen Netzwerk Facebook, wo „Nikolaus“ Peter Mück das Bild likete, teilte und mit den Worten „Gut gemacht, Jungs!“ kommentierte.

Verbindung zur rechten Szene?

Bürgermeisterin Zollner gab an, dass sich daraufhin Eltern der jungen „Engerl“, die den Nikolaus stets begleiten, bei ihr gemeldet hätten, um ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck zu bringen, dass Mück im Internet offenbar Kontakt zur IB habe. Daraufhin kam es zum Gespräch zwischen Zollner und Mück, dessen Verlauf von beiden Parteien sehr gegensätzlich dargestellt wird.

Laut Innsalzach24.de sagte Bürgermeisterin Zollner „Die Identitäre Bewegung hat mit ihrer Aktion unsere Gebäude für ihre Zwecke missbraucht. Deshalb hat die Stadt Mühldorf auch bereits Anzeige erstattet. Im Gespräch mit Peter Mück ging es mir vor allem darum, in welcher Beziehung er zur Identitären Bewegung steht. Dazu hat er sich aber nicht geäußert. Und da er sich nicht bereiterklärte, sich in irgendeiner Form von der IB zu distanzieren, ließ er mir keine Wahl.“

„Nikolaus“ fühlt sich falsch verstanden

Mück hingegen behauptet, Zollner habe verlangt, dass er sich von dem Posting distanziere und habe ihn kein einziges Mal nach einer Verbindung zur IB gefragt.

Nur das Wohl der Kinder im Sinn

Mit einem persönlichen Brief wendet sich Mück schließlich noch auf Facebook an die Öffentlichkeit, um die Geschehnisse aus seiner Sicht klarzustellen. Dort betont er noch einmal, dass es ihm lediglich darum gegangen sei, sich gegen Kinderehen auszusprechen, egal von wem die Aktion durchgeführt worden sei. „Kinder verdienen den höchstmöglichen Schutz in unserer Gesellschaft. Wer sie aber als Arbeitskraft, als Soldat oder sexuelle Spielerei ausnutzt soll die volle Härte des Staates zu spüren bekommen“, so Mück in seiner Erklärung.

kah

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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