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Eine Frau läuft im Dokumentationszentrum Obersalzberg an Bildern mit Adolf Hitler und Opfern des Nationalsozialismus vorbei.

 Dokumentationszentrum fast 50 Prozent teurer als geplant

Ausbaukosten für den Obersalzberg sorgen für Ärger

München - Das NS-Dokumentationszentrum auf Hitlers einstigem Urlaubsberg ist ein Erfolg: Es kommen weit mehr Besucher als ursprünglich erwartet. Doch nun gibt es im Landtag Ärger um die Kosten der Erweiterung.

Eine massive Kostensteigerung bei den Ausbauplänen für das NS-Dokumentationszentrum auf dem Obersalzberg sorgt für Ärger. Die Erweiterung soll um fast 50 Prozent teurer werden als vom Kabinett bewilligt - 21 Millionen anstelle der geplanten 14,3 Millionen Euro. Das Finanzministerium will die Angelegenheit nun überprüfen, wie eine Sprecherin am Freitag auf Anfrage sagte. Der Haushaltsausschuss des Landtags verweigert bisher seine Zustimmung, das Thema soll nun sowohl von den Finanzpolitikern als auch vom Wissenschaftsausschuss noch einmal diskutiert werden.

Prinzipiell sind Ministerium und Landtag für den Ausbau

Dabei geht es nicht ums Prinzip: Sowohl das Ministerium als auch der Landtag befürworten den Ausbau. Das Museum auf Hitlers einstigem Urlaubsberg im Berchtesgadener Land wird mittlerweile von etwa 170 000 Menschen im Jahr besucht, weit mehr als die ursprünglich konzipierten 30 000.

Doch gibt es parteiübergreifende Bedenken, ob das Projekt gar so teuer werden muss. „Ob es das wirklich so braucht, müssen wir noch einmal beraten“, sagte der Ausschussvorsitzende Peter Winter (CSU) am Freitag. „Wir sind für den Ausbau, aber die Summe ist doch sehr hoch“, meinte auch die Grünen-Haushaltsexpertin Claudia Stamm.

Ausbau eines Stollens kostet Millionen

Ein nicht fertiggestellter Stollen der Bunkeranlage des NS-Dokumentationszentrums am Obersalzberg.

Bei einem Ortstermin auf dem Obersalzberg gingen am Donnerstag dem Vernehmen die Wogen hoch. Das hat mehrere Gründe. Ein unterirdischer Stein des Anstoßes: Die Baupläne sehen vor, einen 35 Meter langen Stollen bergmännisch zu graben und zu erschließen, um einen Rundgang durch die alten SS-Bunker zu ermöglichen. Der Stollen alleine soll mehrere Millionen Euro kosten. „Wir hinterfragen, ob das pädagogisch notwendig ist“, sagte Ausschusschef Winter.

Bedenken gegen „Täterort“

Bedenken haben die Abgeordneten aber auch aus einem anderen Grund: Der Obersalzberg ist als ehemaliges Feriendomizil der NS-Spitze ein „Täterort“. Die Gedenkorte an die vielen Millionen Toten des NS-Regimes in den ehemaligen Konzentrationslagern aber sind finanziell schlechter ausgestattet. So ist nach beim ehemaligen KZ Dachau noch nicht einmal der Parkplatz beleuchtet - oder auch nur ordentlich entwässert, so dass die Besucher an Regentagen in der Pfütze stehen.

Die SPD-Kulturpolitikerin Isabell Zacharias hält den Ausbau aber in der jetzt geplanten Form trotz der hohen Kosten für sinnvoll. „Ich halte die Einbeziehung der Bunkeranlage für sinnvoll“, sagte sie. „Wenn man A zu einer vernünftigen Erweiterung sagt, muss man auch B zu den Kosten sagen.“

Das Finanzministerium hält das Ausbaukonzept für gut, wie die Sprecherin sagte. Der Obersalzberg solle auf jeden Fall museal sinnvoll genutzt werden. „Aber wir sind auch der Meinung, dass es etwas günstiger geht.“

dpa

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