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Ausflugsorte erwarten wegen 9-Euro-Ticket mehr Andrang

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Ein Junge sitzt im Abteil eines Regio Zuges der Bahn. © Daniel Vogl/dpa/Archivbild

Für neun Euro mit dem Zug in die Alpen: Wegen dieses Angebots könnte es an beliebten bayerischen Ausflugsorten an Pfingsten noch voller werden als in den Vorjahren. Doch können die billigen Bahnfahrten dafür zumindest auf den Straßen Entlastung bringen?

Berchtesgaden/Füssen - Wegen des 9-Euro-Tickets könnte es in vielen bayerischen Ausflugsorten rund um Pfingsten noch voller werden als in den Vorjahren. „Wir stellen uns darauf ein, dass vor allem aus den näheren Ballungsräumen wie München und Rosenheim viele Gäste das 9-Euro-Ticket für Tagesausflüge in unsere Region nutzen werden“, sagte eine Sprecherin des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden. Der Tourismusdirektor der Stadt Füssen nahe Schloss Neuschwanstein, Stefan Fredlmeier, sagte, es sei „durchaus möglich“, dass der Ausflugsverkehr wegen des Angebots noch mal zunehme.

Am Tegernsee seien die Züge aus München zu den Kernzeiten schon jetzt „gut ausgelastet“, obwohl die Bayerische Regiobahn (BRB) dort wegen der hohen Nachfrage inzwischen mehr Verbindungen anbiete als noch vor einigen Jahren, sagte ein Sprecher der Tegernseer Tal Tourismus GmbH.

Die BRB riet Ausflüglern deshalb, nicht zwischen 8.00 und 10.00 Uhr ins Oberland, an den Ammersee oder in den Chiemgau zu fahren. Fahrten nach Füssen solle man zwischen 7.00 Uhr und 9.00 Uhr meiden. Zudem sei es ratsam, „lieber mal neue Ziele“ zu erkunden - zum Beispiel das Schrobenhausener Spargelmuseum statt des Schlosses Neuschwanstein. Wer Pfingstferien habe, könne auch unter der Woche Ausflüge machen statt gleich am Wochenende das 9-Euro-Ticket mit allen anderen zu nutzen.

Zusätzliche Triebwagen einzusetzen, sei auf den betroffenen Routen schwierig, sagte eine BRB-Sprecherin. „Wir fahren oft auf eingleisigen Strecken und haben an Bahnhöfen kurze Bahnsteige. Wir können die Fahrgäste ja nicht ohne Bahnsteig aussteigen lassen.“

Auch die DB Regio Bayern warnte vor „einer zusätzlich erhöhten Auslastung“ in Regionalzügen zu Touristenorten wie Kochel am See, Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf und Lindau am Bodensee. In Express-Zügen wie von München nach Nürnberg oder von Würzburg nach Bamberg könne es wegen des 9-Euro-Tickets ebenfalls voll werden.

Zwar verstärkten die Münchner S-Bahn und die DB Regio ihre Züge in Bayern wegen des zu erwartenden Andrangs, sagte ein Bahn-Sprecherin. Dennoch rate man Reisenden, „auch auf weniger stark nachgefragte Verbindungen außerhalb der Stoßzeiten zurückzugreifen“. Wenn es an Wochenenden und Feiertagen an Bahnhöfen besonders voll wird, sollen zudem „Reisendenlenker“ beim Ein- und Aussteigen helfen.

In den Ausflugsorten hofft man unterdessen darauf, dass nicht nur weitere Gäste mit dem Zug kommen, sondern viele Besucher wegen des günstigen Angebots das Auto stehen lassen. „Sonst platzt unsere Region wirklich aus allen Nähten“, sagte der Bürgermeister von Kochel am See (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen), Thomas Holz. „Dann wird es für die Bürger unerträglich.“ Zuletzt hatte die Gemeinde am bei Ausflüglern beliebten Walchensee immer wieder mit Staus und Falschparkern zu kämpfen gehabt. Gerade mit Blick auf die Sommerferien gebe es die Sorge, dass sich diese Ereignisse wiederholten.

Mancherorts herrscht aber Skepsis, ob sich die Hoffnung auf weniger Autoverkehr erfüllt. „Mit dem günstigen Ticket geht ja keine Qualitätsverbesserung im öffentlichen Nahverkehr einher“, sagte Füssens Tourismusdirektor Fredlmeier. „Verbindungen werden nicht dadurch besser, dass sie zeitlich begrenzt billiger angeboten werden.“ In diesem Bereich sei auch im Allgäu noch einiges zu tun.

Der ADAC rechnet unabhängig davon damit, dass es auf den Straßen in den Süden Bayerns rund um Pfingsten wieder voll wird. „Auf die großen Reisewellen Richtung Süden wird das 9-Euro-Ticket keine Auswirkungen haben“, sagte der verkehrspolitische Sprecher des ADAC Südbayern, Alexander Kreipl. Urlaubsziele in Österreich, Italien oder Kroatien würden schließlich weiter „vorwiegend mit dem Auto angefahren“. dpa

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