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Um eine Kuhglocke wie diese drehte sich der Streit in Bad Reichenhall.

Anwohnerin vs. Landwirte

Ausgebimmelt: So endet der Glockenstreit in Bad Reichenhall

Seit Jahren streitet eine Anwohnerin mit Bauern in Bad Reichenhall. Ihr Vorwurf: Die Glocke der Kuh auf der Weide nebenan sei viel zu laut und mache sie krank. Beim Ortstermin mit dem Richter einigen sich die Streitparteien schließlich. Die große Glocke kommt weg.

Bad Reichenhall – Das Gebimmel nervt die Frau aus dem Bad Reichenhaller Ortsteil Marzoll (Kreis Berchtesgadener Land) schon seit sieben Jahren. Sie wohnt einen Steinwurf von einer Weide entfernt, dort grast Leitkuh Rita mit ihrer melonengroßen Glocke. Die bimmelt, tagein tagaus. Und zwar viel zu laut, wenn es nach der Nachbarin geht. Deshalb klagte sie.

Die Beklagten: Barbara und Martin Eder-Hofhamer.

Die Marzoller Landwirte Barbara und Martin Eder-Hofhamer erachten die Glocke aber als notwendig, um die Kühe zusammenzuhalten. Der Streit erhitzt die Gemüter in Marzoll. Vor ein paar Wochen hat es einen Protestzug durch den Ort mit 150 Beteiligten für die Kuhglocke gegeben. Eine Klärung war nicht in Sicht, deshalb berief das Amtsgericht Laufen einen Ortstermin direkt an der Kuhweide ein. „Ich bin mit den Nerven am Ende, ich werde krank davon“, sagt die Nachbarin, deren Namen nicht in der Öffentlichkeit erscheinen soll. Sie kämpft mit den Tränen. Sie ist nicht im Ort geboren, lebt dort aber seit Jahren. „Und seit Jahren höre ich die Kuhglocke. Ich kann einfach nicht mehr“, sagt sie zu Richter Stefan Poller. Mittlerweile wurden die Kühe in den hinteren Bereich der Weide verlegt. „60 Meter Abstand“, klärt Richter Poller auf. Zu wenig für die Klägerin.

Der Richter: Stefan Poller.

Der Richter misst die Lautstärke der Glocke. „Zwischen 50 und 60 Dezibel“, sagt er mit einem Blick auf das Messgerät. „Da sehe ich keine Probleme.“ Zum Vergleich: Eine normale Unterhaltung hat einen Wert von 75 bis 80 Dezibel. Die Klägerin ist unzufrieden, sagt, dass das Gebimmel gewöhnlich viel lauter sei – vor allem nachts und im Sommer. „Der Wind kommt aus der falschen Richtung“, ergänzt ihr Anwalt. Außerdem verschlucke das hohe Gras den Schall.

Richter Poller ist der Ansicht, dass es nur eine Möglichkeit gebe, eine gesicherte Aussage zu treffen: ein Gutachten, das mit Hilfe eines stationären Schallmessgerätes über mehrere Monate durchgeführt wird. Doch das würde die Prozesskosten auf bis zu 15 000 Euro in die Höhe treiben. Zahlen müsste der Verlierer. Für die Beteiligten ist das keine Option. Also drängt Richter Poller auf eine gütliche Einigung.

Schließlich fasst sich Landwirtin Barbara Eder-Hofhamer ein Herz und geht auf die Klägerin zu. Sie sagt, sie wolle keinen Streit mehr: „Auch meine Nerven sind so dünn wie Drahtseile.“ Die Bäuerin schlägt vor, die große Glocke von Kuh Rita nicht mehr zu nutzen. Ganz auf Glöckchen verzichten will sie allerdings nicht. Denn die Kälber auf der Weide hätten oft einen eigenen Kopf – falls sie ausreißen, würde man sie anhand des Gebimmels orten können. Sie schlägt vor, eine deutlich kleinere Glocke zu verwenden, nur bei Bedarf und nur „so groß wie eine Schafsglocke.“ Die Nachbarin, die sich eigentlich einen größeren Abstand der Weide zum Haus gewünscht hatte, sagt, damit könne sie leben. „Wenn endlich dieser Stress aufhört und ich wieder schlafen kann.“

Mit einem Handschlag wird die Sache besiegelt, der Richter verkündet: Künftig wird Kuh Rita glockenfrei bleiben, nur die Kälbchen dürfen bei Bedarf Schafsglöckchen tragen.

Kilian Pfeiffer

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