Kunst soll schockieren: Während des Oktoberfestes sollten die Collagen mit wahren Geschichten aufrütteln.

Ausstellung abgelehnt: Kunst für Deutsche Bahn zu freizügig

Mit seiner Ausstellung „Frauenhandel und Zwangsprostitution“ will Maler Gerhard Beham aufrütteln. Der Katholische Frauenbund wollte seine Collagen im Regensburger Bahnhof zeigen. Doch die Bahn wiegelt ab: „Zu freizügig“.

„Das ist ja der Hammer“, schimpft Elisabeth Popp vom Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) aufgebracht. Gerade kommt sie aus dem Urlaub zurück, die Nachricht trifft sie wie ein Schlag. Seit Wochen arbeiten die Frauen an den Vorbereitungen für die Ausstellung. Im Regensburger Bahnhof sollten sie aufgehängt werden, die Collagen von Künstler Gerhard Beham. „Eigentlich hatten wir die Genehmigung schon. Und jetzt sagt die Bahn ab?“

Zuhause in Münsing (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) schüttelt der Maler den Kopf. Seine Ausstellung hat längst hunderte Menschen erreicht, hing im Münchner Rathaus, in zahlreichen Landratsämtern, im Jugendzentrum und in der Sparkasse. „Kein Mensch hat sich darüber aufgeregt“, sagt Beham. „Wenn der KDFB dahinter steht, ist die Sittlichkeit doch wohl gewahrt.“ Auf seinen Collagen stellt Beham reale Fälle dar, erzählt Geschichten von Frauen, die zur Prostitution gezwungen wurden. Er will aufrütteln, bewusst machen. „Ich halte das für ein gesellschaftlich wichtiges Thema.“ Seine Bilder sind gezeichnet, skizzenhaft, wie in einem Comic. Auch sexuelle Übergriffe werden dargestellt.

„Das sind Zeichnungen, keine Fotos“, wehrt sich Popp. „Wo gilt denn heute noch ein nackter Busen als freizügig? Und das gezeichnet!“ Täglich sehe man tausende nackte Tatsachen. Popp glaubt, die Bahn schiebe das Argument der Freizügigkeit lediglich vor. „Man will sich mit dem Thema nicht die Finger schmutzig machen.“

„Es geht uns nicht darum, Herrn Beham Knüppel zwischen die Beine zu werfen“, beschwichtigt ein Bahnsprecher in Berlin. Zu Sinn und Qualität der Ausstellung wolle er sich nicht äußern. Nur: „Die Zeichnungen sind ziemlich eindeutig.“ In einem Bahnhof könne sich niemand der Ausstellung entziehen, die Reisenden hätten keine freie Wahl, ob sie die Bilder sehen wollen oder nicht. „Wir versperren uns nicht dem Thema, aber für kleine Kinder ist das einfach zu harter Tobak.“ Es gebe nunmal Kinder und Jugendliche in den Bahnhöfen, „das müssen wir berücksichtigen“.

„Wir wollen mit dem Thema in die Öffentlichkeit – darum geht es“, ärgert sich Popp. Frauenhandel und Zwangsprostitution seien ein Milliardengeschäft, lukrativer als Drogenhandel, sagt Beham. Mit seinen authentischen Geschichten will er „potenzielle Freier erreichen“. Dass gezeichnete Busen zu freizügig sein sollen, das können beide nicht verstehen.

von Thomas Schmidt

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