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Seeblick: Das Bild zeigt den Blick von der Reichsautobahn am Bernauer Berg auf den Chiemsee.

"Hitlers Straßen" damals und heute

Historische Bilder: Hätten Sie die A8 und A9 erkannt?

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München - Es war eine Bilderreise in die Vergangenheit: Unser Fotograf Marcus Schlaf hat Fotos von Autobahnen gemacht – an Orten, die schon in der Nazi-Zeit abgelichtet wurden. Ein Besuch in einer Parallelwelt.

Das Foto (rechts) zeigt weiß-blaue Idylle: Im Hintergrund döst ein Dörflein mit Kirchturm, vorne quert eine Straße die grüne Landschaft. „500 km nach Berlin“, sagt der Kilometerstein. Der Ort: Allershausen im heutigen Landkreis Freising. Die Straße: die Reichsautobahn Richtung Berlin. So sah die Gegend um 1940 aus. Das Bild rechts daneben zeigt die Stelle heute: Lärmschutzwand, Schilderwald, kein Ort nirgends. Die Distanz zur Hauptstadt ist auf ein eckiges Blech gewandert.

Das historische Bild ist 1943 in einem großen Bildband erschienen. Er heißt „Das Erlebnis der Reichsautobahn“ und zeigt 24 Aufnahmen von den „Straßen Hitlers“, wie die Nazis die Autobahnen damals in mythischer Überhöhung titulierten. Gemacht hat die Bilder der „Lichtbildmeister“ Hermann Harz. Das neuere Allershausen-Bild an der A 9 Richtung Nürnberg hat der Lichtbildmeister Marcus Schlaf aufgenommen. Er ist Fotograf unserer Zeitung.

Der alte Band enthält auch Aufnahmen von oberbayerischen Straßen und Brücken. Die Frage lag nahe: Wie sieht das heute dort aus? Die Autobahndirektion Südbayern half, die Orte zuzuordnen. Dann setzte sich Marcus Schlaf ins Auto und klapperte die A 9 ab – und ebenso die A 8 Richtung Salzburg.

A8 und A9 im Wandel der Zeit: "Hitlers Straßen" damals und heute

A8 und A9 im Wandel der Zeit: "Hitlers Straßen" damals und heute

Die Wiederholung der alten Aufnahmen war nicht immer einfach. Plötzlich blockierten Bäume die Sicht, wo früher keine waren, zum Beispiel an der Holledau-Brücke (siehe unten). Leitplanken kamen erschwerend ins Spiel – die gab es an keiner Reichsautobahn. Einmal lief Marcus Schlaf eine halbe Ewigkeit am Autobahn-Zaun entlang, auf der Suche nach einer Tür. An der Mangfall-Brücke bekam er Gesellschaft: Er traf einen älteren Herrn, dem er das historische Foto zeigte. Der Mann wusste sofort: „Das muss die alte Brücke sein.“ Die Deutschen hätten sie 1945 gesprengt. „Damit die Amerikaner nicht nach München kommen.“ Damals seien einige Jeeps abgestürzt. Und noch vor ein paar Jahren, berichtete der Passant, habe er im Flussbett ein paar alte, kaputte Waffen gefunden.

Klar ist auch: So eine Autobahn verändert sich. Etwa die A 8 (München–Salzburg) zwischen Rosenheim und Landesgrenze: Die wird bald sechs Spuren haben – plus Standstreifen. „Die Planungen für den Ausbau gehen in die konkrete Phase“, sagt Stefan Heiß von der Autobahndirektion. Bauwerke und Fahrbahnen seien seit langem sanierungsbedürftig, Standstreifen nicht vorhanden, Mittelstreifen zu schmal, der Lärmschutz fehle. Wälle, Wände und ein lärmmindernder Fahrbelag sollen helfen – an sensiblen, ortsnahen Stellen auch Tunnels und galerieartige Abschirmungen.

Wann die Bagger rollen, ist noch offen. Noch 2012 soll der Vorentwurf für den ersten Planungsabschnitt stehen. Immerhin ist die A 8 die wichtigste West-Ost-Verbindung Süddeutschlands. Auch sie wurde in den 1930er-Jahren gebaut – und ist teilweise noch in ihrem ursprünglichen Zustand.

Damals, im „Dritten Reich“, hatte man noch ganz andere Pläne mit den Autobahnen. Im schwülstigen Vorwort von 1943 schwelgt der Nazi-Dichter Herybert Menzel („Homer der SA“) von Straßen, „über die einmal die Siegeswagen rollen“ würden. Dazu erzählt er die alte Mär, wonach Hitler schon im Landsberger Knast das deutsche Autobahn-Netz geplant habe. In Wahrheit waren die Nazis bis zur Machtübernahme Autobahn-Gegner – sie und andere hielten sie für puren Luxus für die oberen Zehntausend. Die erste Autobahn (Köln-Bonn, die heutige A 555) eröffnete am 6. August 1932, vor 80 Jahren, der damalige Kölner OB Konrad Adenauer: . „So werden die Straßen der Zukunft aussehen“, prophezeite er. Und behielt Recht.

Von Robert Arsenschek

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