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Das Foto, aufgenommen am 08.05.2008 während einer Demonstration in München, zeigt Manuel H. (r) und dessen Frau Sabrina.

Fall Mannichl führt immer tiefer in braunen Sumpf

Passau - Die Ermittlungen zum Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl führt die Sonderkommission immer tiefer in den braunen Sumpf von gewaltbereiten Neonazis.

Offiziell ist der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei zwar wenig zu entlocken, die von verschiedenen Medien verbreitete Informationen über das mittlerweile wegen Beihilfe zum versuchten Mord in Untersuchungshaft sitzende Münchner Ehepaar zeichnen aber ein bedrohliches Bild. So wird übereinstimmend berichtet, dass die 22-jährige Frau und der elf Jahre ältere Mann einem lokalen Ableger der als extrem gefährlich angesehenen "Autonomen Nationalisten" angehören und bereits auf etlichen rechtsextremistischen Kundgebungen mitmarschiert sind.

Dabei handelt es sich um eine Gruppe, die sich äußerlich zwar an den linken Autonomen orientiert, freilich aber ganz andere Ziele verfolgt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht die Neonazi-Clique wegen der Zahl von nur einigen hundert Mitgliedern zwar als "militante Randerscheinung" an - diese "Randerscheinung" hat es nach Angaben der Verfassungsschützer aber insbesondere auch auf Polizisten abgesehen.

So werden in einer Informationspublikation des Bundesamtes auch einige Parolen der Nationalisten zitiert: "Weg mit dem Bullenstaat! Zerschlagt den Polizeiterror!" Diese Fixierung auf die Ordnungshüter könnte eine Erklärung dafür sein, warum sich der noch flüchtige Täter und mögliche Komplizen Mannichl als Opfer ausgesucht haben.

Die Passauer Sonderkommission hüllt sich in Schweigen, wenn es um konkrete Fragen zu den Hintergründen des Attentats geht. Es heißt lediglich, dass die beiden Verdächtigen aus der rechten Szene stammten und bereits durch entsprechende Straftaten aufgefallen sein. Chefermittler Helmut Walch versucht abzublocken: "Dazu wollen wir nichts sagen, spekulieren darf man in alle Richtungen", sagte der Leitende Passauer Oberstaatsanwalt am Donnerstag.

Nach der Festnahme der beiden Münchner ist es auf jeden Fall unwahrscheinlich, dass der Mordanschlag auf den wacker gegen Neonazis kämpfenden Polizeidirektor nur von einem einzelnen Täter ausging. Manche hatten sogar den Verdacht, es könnte sich um eine spontane Tat handeln, da der Attentäter ein vor Mannichls Haus liegendes Küchenmesser für die Bluttat benutzte. Doch dagegen spricht, dass am Tattag Zeugen mehrere Skinheads und die beschuldigte Frau in Mannichls Wohnort Fürstenzell gesehen haben wollen. Das lässt vermuten, dass die Umgebung des Tatorts ausgekundschaftet wurde.

Allerdings kennen sich die Rechtsextremisten ohnehin in der 7800-Seelen-Gemeinde aus. Seit langem treffen sich Neonazis dort in einem sonst geschlossenen Café. Das etwas heruntergekommene Lokal werde nur zu diesen Treffen geöffnet, erklärte Bürgermeister Franz Lehner. "Die Besitzerin hat einen Freund, der dieser Szene zugerechnet wird." Der Rathauschef betonte aber, dass die etwa 15 Neonazis, die ihre Sitzungen in dem Café abhielten, nicht aus Fürstenzell selbst kommen. "Die haben hier nur ein Quartier."

Während nach dem Attentat noch nach dem Haupttäter gefahndet wird, wird dagegen der Vorfall, der dazu führte, dass die Neonazis im Internet ihre Hasstiraden gegen Mannichl starteten, wohl bald vor Gericht verhandelt. Im Sommer hatte ein Rechtsextremist bei der Beerdigung eines Altnazis in Passau eine Hakenkreuzfahne auf den Sarg seines verstorbenen Gesinnungsgenossen gelegt. Die Ermittler hatten später das Grab öffnen und die Flagge entfernen lassen. Wegen des Vorfalls sei gegen einen Neonazi wegen Verwendung der verbotenen Fahne vor wenigen Wochen Anklage erhoben worden, sagte Walch. Der Termin für die Verhandlung ist noch nicht bekannt.

Von Ulf Vogler, dpa

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