Baby erstickt: Anklage fordert Haft für Mutter

Würzburg - Für die Tötung ihres neugeborenen Buben soll eine angeklagte Abiturientin aus dem Spessart nach dem Willen der Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

"Der Sohn war der Mutter schutzlos ausgeliefert", sagte Staatsanwalt Erik Ohlenschlager am Donnerstag vor dem Landgericht Würzburg. Zwar sei die 22-Jährige nur eingeschränkt schuldfähig, weil ihre Persönlichkeit gestört sei. Dennoch habe die junge Frau mit dem Tod des Babys gerechnet, als sie Mund und Nase des Neugeborenen mit einem Handtuch zugedeckt und das Kind unter ein Waschbecken gelegt habe.

"Wegschieben, loswerden, beseitigen" - so beschrieb Ohlenschlager die Tat der jungen Mutter im August vorigen Jahres. Der Junge erstickte. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch, die Angeklagte sei ansonsten höchstens wegen fahrlässiger Tötung zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung zu verurteilen. "Es ist äußerst zweifelhaft, dass das Kind nach der Geburt gelebt hat", sagte einer der Anwälte der Angeklagten. Darüber hinaus gebe es Hinweise auf andere Todesursachen als Ersticken. Auch sei unklar, ob die Frau wusste, dass das Handtuch zum Tod des Babys führen könnte.

Laut Obduktion war der Bub lebensfähig. Die zierliche, verschüchtert wirkende Frau hatte zu Prozessauftakt gestanden, ihre Schwangerschaft vor der Familie und dem Vater ihres Kindes verheimlicht zu haben. Als Grund nannte sie Angst vor ihrem strengen und dominanten Vater. Der 61 Jahre alte Lehrer soll sie selbst als Volljährige mit Ohrfeigen gezüchtigt haben. "Sie wurde wie ein unmündiges Kind behandelt", sagte Ohlenschlager.

Die bei der Entbindung 21-Jährige hatte den Jungen in der Augustnacht alleine in ihrer Wohnung im elterlichen Haus bekommen. Der Säugling habe nicht geschrien und nicht gestrampelt, sagte die junge Frau vor Gericht. Um ihn zu wärmen, habe sie ihn eingewickelt. "Ihr tut die Tat leid, das spürt man", sagte der Staatsanwalt, der es sich nach eigenen Worten nicht leicht gemacht hat mit der Frage, ob die Frau vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt hat. Dennoch sei der Junge tot, die Angeklagte daher wegen Totschlags zu verurteilen. Das Gericht will an diesem Freitag sein Urteil verkünden.

dpa

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