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Baby in Müllsack gesteckt: Mutter zeigt Reue in Prozess

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Auftakt Prozess in Bayreuth
Die Angeklagte wird im Gerichtssaal zu ihrem Platz geleitet. © Nicolas Armer/dpa

In einer Mülltonne wird eine Babyleiche gefunden. Vor Gericht zeichnet sich das Bild einer überforderten jungen Mutter. Die Staatsanwaltschaft aber hat Zweifel an ihrer Darstellung.

Bayreuth - Eine junge Frau muss sich vor dem Landgericht Bayreuth verantworten, weil sie ihr neugeborenes Baby in einen Müllsack gesteckt und so umgebracht haben soll. Beim Prozessauftakt am Freitag zeigte die 20-Jährige Reue, bestritt aber, im direkten Willen gehandelt zu haben, das Kind zu töten. In dem Verfahren vor der Jugendkammer wird ihr Totschlag vorgeworfen.

Die damals 19-Jährige soll im vergangenen Juli von anderen unbemerkt im Badezimmer eines Bekannten im Landkreis Bayreuth ein Mädchen zur Welt gebracht haben. Es war 51 Zentimeter groß, 3356 Gramm schwer und wäre lebensfähig gewesen. Die junge Mutter soll es in Plastik eingewickelt, in einen Müllsack gelegt und im Abfall entsorgt haben. Das Kind starb. Es wurde später in einer Mülltonne gefunden.

Die Frau soll sich ihre Schwangerschaft lange selbst nicht eingestanden und sogar vor Verwandten und ihrem Freund geheim gehalten haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, dass sie wollte, dass niemand das Kind vermisst, wenn sie es nach der Geburt tötet und die Leiche entsorgt. Mit Blick auf die anstehende Geburt soll sie sich extra bei dem Bekannten eingeladen haben.

Ihrer Aussage zufolge wurde sie damals dagegen von den Wehen überrascht. Diese habe sie kurz vorher noch für Regelbeschwerden gehalten. „Es war einfach da“, sagte sie mit Blick auf das Baby. Die Nabelschnur durchschnitt sie mit einem Messer. „Soweit ich weiß, hat es sich nicht bewegt und hat auch nicht geschrien“, sagte sie - verwies aber auch öfter auf Erinnerungslücken.

Ihr Anwalt sagte, sie habe Blickkontakt mit dem Kind vermieden und billigend in Kauf genommen, ein gesundes Baby zur Welt gebracht und ihm nicht geholfen zu haben. Sie habe sich eine Totgeburt eingeredet, „um sich nicht mit der fürchterlichen Situation auseinandersetzen zu müssen, dass hier ein Kind ums Leben gekommen ist“. Heute wünsche sie sich nichts mehr, als in der Situation nicht versagt zu haben.

Die Frau hatte demnach keine umsorgte und beschützte Kindheit erlebt. Sie machte in einer Jugendhilfeeinrichtung ihren Quali, lernte keinen Beruf, lebte zuletzt bei ihrer Großmutter. Sie sprach aber auch von einer innigen Beziehung zu ihrem Freund, dem Vater des Kindes.

Dass sie schwanger war, wollte sie offenbar lange nicht an sich heranlassen. Trotz Zweifeln habe sie die Grundhaltung gehabt, nicht schwanger zu sein, sagte ihr Verteidiger. Die 10 bis 15 Kilogramm, die sie zulegte, erklärte sie mit Naschereien im Lockdown oder mit psychischen Problemen. Sie habe nicht geschafft, sich jemandem anzuvertrauen, habe immer „einen Klos im Hals gehabt“. Ihrem Freund wollte sie nichts sagen, „weil ich Angst hatte, ihn zu verlieren“. Erst spät soll sie sich die Realität eingestanden haben, Wochen vor der Geburt recherchierte sie nach Abtreibungen.

„Ich habe versucht, das zu verdrängen“, sagte sie. Ihr tue alles leid. Die Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass sie nichts über die Schwangerschaft sagte, „um als Täterin der Tötung ihres Kindes unentdeckt zu bleiben“. Das Urteil könnte im April fallen. dpa

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