Prozess: Mutter (21) erstickt Baby nach Geburt

Würzburg - Eine wegen Totschlags angeklagte junge Mutter hat am Dienstag vor dem Landgericht Würzburg eingeräumt, im August 2008 ihren neugeborenen Buben in ein Handtuch gewickelt zu haben.

Wie verängstigt eine junge Frau gewesen sein muss, als sie im vergangenen August allein einen Buben in ihrem Badezimmer zur Welt brachte, kann wohl kaum jemand ermessen. Etwa eine Stunde soll die damals 21-Jährige aus einer kleinen Gemeinde im Landkreis Main-Spessart in den Wehen gelegen haben. Als das Baby da ist, schneidet die junge Mutter die Nabelschnur mit einer Bastelschere durch, überall ist Blut. Danach soll sie ihren Jungen laut Staatsanwaltschaft etwa zehn Minuten in ihren Armen gehalten haben. Um ihn warm einzupacken, wickelt die Abiturientin nach eigenen Worten den Buben in ein Handtuch. Das lebensfähige Kind stirbt wenig später, es erstickt. Die heute 22-Jährige muss sich daher seit Dienstag wegen Totschlags vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

Die junge Frau lebte im Haus ihrer Eltern gemeinsam mit zwei älteren Geschwistern. Der Vater dominiert die Familie, verteilt Ohrfeigen, selbst als die Angeklagte bereits von ihrem früheren Klassenkameraden schwanger ist. "Es gab meistens keinen Anlass", berichtet die zierliche Frau mit zittriger Stimme von den Übergriffen ihres Vaters. "Er ist so arg streng mit uns."

Dem Vater ihres Kindes kommt die Angeklagte 2006 bei der Abifahrt nach Spanien näher, sie werden ein Paar. Danach folgen wechselnd Versöhnung, Trennung, Versöhnung, schließlich die Schwangerschaft, weil die beiden nicht verhüten. Im Frühjahr 2008 vermutet die Angeklagte mit den langen dunklen Haaren und der blassen Haut, dass sie ein Baby in sich trägt. "Ich habe versucht, es zu verdrängen", erzählt sie, "weil ich damals schon wusste, dass ich nicht weiß, wie ich es meinen Eltern sagen sollte." Sie habe Angst vor ihrem Vater gehabt, auch dem Vater ihres Kindes erzählt sie von der Schwangerschaft nichts. Zum Arzt geht sie nicht.

Am Tag der Geburt arbeitet die schmächtige Angeklagte noch als Praktikantin und legt sich am Abend in ihrer Einliegerwohnung im elterlichen Haus schlafen. Mit Schmerzen im Bauch sei sie nachts aufgewacht und ins Bad gegangen, berichtet die 22-Jährige. "Ich habe mich hingelegt." Die Frau zieht sich auf den Fliesen aus. "Geschrien habe ich nicht. Ich wollte nicht, dass es jemand mitbekommt." Als der Junge da ist, wimmert er nach Worten der 22-Jährigen nicht, er bewegt sich auch nicht. Die Frau wickelt ihn in das Handtuch - Mund und Nase bedeckt sie, wie sie dem Gericht an einer Plastikpuppe zeigt.

"Ich habe gedacht, wenn ein Kind auf die Welt kommt, schreit es wie am Spieß und strampelt", sagt die schüchterne Frau. Der Vorsitzende Richter nimmt es der Angeklagten nicht ab, dass das Baby keine Reaktion gezeigt haben soll. "Wenn ich ein Kind beschützen, es wärmen will, dann passt es nicht, dass ich es so zudecke", sagt er. "Das fällt schwer zu glauben." Die Frau entgegnet: "Ich habe nicht gedacht, dass es erstickt."

Nach der Geburt habe die Mutter der Angeklagten ihre Tochter gefunden, als sie ihr blutend entgegenkommen und in ihre Arme gesunken sei, sagt der Staatsanwalt. Die Schwester der 22-Jährigen habe schließlich die Rettungskräfte gerufen. Als die Familie später die Wohnung saubermacht, wird der leblose Bube von den Geschwistern der Angeklagten im Bad entdeckt. Die Rettungskräfte werden erneut alarmiert, das Kind ist aber bereits tot.

Für den Prozess sind mehrere Verhandlungstage angesetzt. Mit einem Urteil gegen die Angeklagte, die eigentlich Zahnärztin werden wollte, wird Mitte Juli gerechnet.

dpa

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