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Der mutmaßliche Täter gibt sich militärisch, mit dem Siegel der albanischen Untergrund-Organisation UCK.

Vater des getöteten Marco aus Bad Aibling:

„Die Betroffenheit zu spüren, ist ein Trost“

Rosenheim/Bad Aibling – Der mutmaßliche Täter schweigt. Für die Familie des getöteten Marco G. (21) aus Bad Aibling macht das den Verlust umso schlimmer. Sein Vater kämpft im Gespräch mit den Tränen – und zeichnet das Bild eines liebevollen Sohnes.

 „Warum tut ein Mensch so etwas?“ Diese bohrende Frage beschäftigt Michael G., seit er am Sonntagmorgen im Klinikum Rosenheim mit der schrecklichen Wahrheit konfrontiert worden ist. Sein Sohn Marco (21) hat eine brutale Gewalttat mit dem Leben bezahlt. Vor der Rosenheimer Disko „Heaven“ niedergestreckt durch den Faustschlag eines 25-Jährigen, der das Leben der Familie von einer Sekunde auf die andere veränderte und unendlich viel Leid für den Vater, seine geschiedene Frau und Marcos Bruder Dennis (20) mit sich brachte.

Eine Antwort auf die Frage hat Michael G., der in seiner Freizeit eine Jugendmannschaft des ESV Rosenheim trainiert, bisher nicht gefunden. Fassungslosigkeit, Wut, Trauer, Leere – all das empfindet er angesichts des Verbrechens, das auch gestern Tagesgespräch in der Region war. Wie viele Menschen Marcos Tod bewegt, zeigt die lange Liste der Kommentare im Internet.

„Die große Betroffenheit spüren zu dürfen, ist ein großer Trost für mich“, sagt Marcos Vater. Nachbarn, Freunde, Sportkameraden und auch viele junge Menschen aus dem Bekanntenkreis des 21-Jährigen stehen der Familie bei. Michael G., der in Rosenheim wohnt, ist seit der schrecklichen Tat fast rund um die Uhr bei seiner Ex-Frau, die die „Hofer-Stubn“ in Bad Aibling betreibt. „Wir müssen jetzt fest zusammenhalten“, sagt er mit tränenerstickter Stimme.

Zusammenhalt, das war auch Marco wichtig. In seiner großen Clique genauso wie beim Fußball. Wohl von der Leidenschaft des Vaters geprägt, spielte er früher in Jugendmannschaften des ESV Rosenheim und des SV Schechen. Zusammenhalt zählte für Marco auch innerhalb der Familie. Weil er leidenschaftlicher Hobbykoch war, half der Molkerei-Fachmann immer wieder in der Gaststätte seiner Mutter aus.

Seine Lebensfreude hat Marco in einem Facebook-Eintrag vom 12. Oktober vergangenen Jahres selbst wohl am besten formuliert: „Geile Leute, geiler Abend, geile Welt“, schrieb er zu dem Foto einer fröhlichen Party.

Der mutmaßliche Täter, der sich auf einem Bild bei Facebook mit Mütze und Siegel der paramilitärischen albanischen Organisation UCK (Befreiungsarmee des Kosovo) zeigt, schweigt weiter zu den Umständen der Tat. Auch die Befragung der Zeugen hat nach Auskunft eines Polizeisprechers zu keinen neuen Erkenntnissen geführt.

Mit Marcos jähem Tod ist für viele eine Welt zusammengebrochen. Morgen findet um 16 Uhr in einem Rosenheimer Bestattungsinstitut seine Verabschiedung statt. Die Urne wird im engsten Familienkreis auf dem Friedhof in Brannenburg bestattet.

Norbert Kotter

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