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Zwölf Menschen starben bei dem Unglück in Bad Aibling.

Zugunglück bei Bad Aibling

Witwe über Fahrdienstleiter: "Lasst den armen Mann in Ruhe"

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Bad Aibling - Silvia P. verlor ihren Mann beim Zugunglück nahe Bad Aibling. Einen Groll gegen den Fahrdienstleiter hegt die Witwe nicht - doch so empfinden seit den neuesten Erkenntnissen nicht alle Angehörige.

Der 9. Februar 2016 hat Silvia P.s Leben verändert. An diesem verhängnisvollen Morgen stieg ihr Mann in den Meridian in Richtung München - doch er kam nicht an seinem Ziel an. Hermann P. (56) war unter den 12 Toten, die das schreckliche Zugunglück nahe Bad Aibling forderte. "Was passiert ist, ist traurig und beschissen", sagt Silvia P. gegenüber der Bild. Doch ihre Wut bündelt sich überraschender Weise nicht gegen den Fahrdienstleiter Michael P..

Witwe eines Opfers: "Bahn setzt Mitarbeiter unter Druck"

Stattdessen gibt sie der Bahn eine Teilschuld: "Die Bahn und die Betreibergesellschaft des Meridian setzen ihre Mitarbeiter wahnsinnig unter Druck", erzählt sie. "Dass die Züge so knapp aneinander vorbeifahren, liegt sicher nicht am Fahrdienstleiter.“ Einen Prozess gegen den Mann wolle sie eigentlich nicht.

Stattdessen hat die Witwe Mitgefühl mit dem 39-Jährigen, der nach neuesten Erkenntnissen zum Zeitpunkt des Unglücks von einem Online-Spiel auf seinem Handy abgelenkt gewesen sein soll. "Lasst den armen Mann in Ruhe", fordert die 53-Jährige. "Er wird sein ganzes Leben nicht mehr froh sein."

Opfer über neueste Erkenntnisse: "Das bringt mich auf die Palme"

Doch wie Silvia P. empfinden nicht alle Hinterbliebenen und Opfer. Zwar wurde Michael P. bisher von vielen Seiten auch Verständnis entgegengebracht, nach dem Motto: "Ein schrecklicher Fehler, der jedem passieren könnte." Und das, obwohl er den Zügen falsche Signale gegeben haben soll, beim Notruf die falschen Tasten erwischte. Doch jetzt, zwei Tage nach der verstörenden Mitteilung der Staatsanwaltschaft Traunstein über die Ablenkung des Bahnbediensteten durch ein Handyspiel, können die Menschen die Entwicklung in dem Fall nur schwer ertragen. Der Vorwurf gegen Michael P. wiegt zudem so schwer, dass er wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung in Untersuchungshaft genommen wurde.

In der Reha hat Bernhard G. die Wende in den Ermittlungen natürlich mitbekommen. „Das ist zu krass“, sagt der 36-Jährige. Er hat die Zugkatastrophe mit einem zertrümmerten linken Bein, einer großen Kopfwunde und Schürfwunden überlebt. Seit sechs Wochen ist er in der Reha-Klinik in Bad Endorf. Die Nachricht vom Handyspiel bringt ihn „auf die Palme. Wegen so einem blöden Handyspiel ist jetzt mein Fuß kaputt und so viele Menschen trauern um ihre Liebsten.“ Der 36-Jährige wird zwar nächste Woche entlassen, arbeiten darf er dann noch nicht. „Ich kann noch nicht laufen, das kann noch bis zu zwei Jahre dauern – falls ich nicht gehbehindert bleibe.“

An das Unglück erinnert sich Bernhard G. nicht mehr: „Das ist auch mein großes Glück, deswegen habe ich auch kein Trauma.“

Angehörige von Opfern wollen "Prozess abwarten"

Weitere Angehörige von Opfern wollten sich mit Hinblick auf die Ermittlungen nicht gegenüber der tz äußern und baten um Verständnis. Eine Hinterbliebene sagte: „Ich will den Prozess abwarten.“ Eine weitere, Mutter eines Opfers, hatte aber die Entwicklung in dem Fall „fast mit Unglauben“ aufgenommen.

Was der Fahrdienstleiter auf seinem Handy online spielte, darüber gab die Staatsanwaltschaft keine Auskunft. Auch nicht, um welche Art Spiel es sich handelt. Grundsätzlich gilt, dass Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn ihre privaten Smartphones bei der Arbeit nur nutzen dürfen, wenn dies für ihre Tätigkeit erforderlich ist. Dies geht aus den Dienstvorschriften hervor. Zwar wollte sich die DB mit Verweis auf die Ermittlungen nicht zum Haftbefehl gegen Michael P. äußern, wie es aber hieß, ist der Gebrauch eines Mobiltelefons für Computerspiele bei der Arbeit ausdrücklich verboten.

Schwerverletzter gestorben

Ein weiteres Opfer des Zugunglücks von Bad Aibling ist am Mittwoch gut zwei Monate nach der Katastrophe gestorben. Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 46-Jährigen aus dem Landkreis Rosenheim. Der Mann erlag in einem Münchner Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf 12.

Am Donnerstag soll der Leichnam des Mannes in der Münchner Rechtsmedizin obduziert werden. Ziel wird dabei sein, die genaue Todesursache zu bestimmen. Der Mann hatte sich als Fahrgast in einem der Züge befunden.

Beim Zusammenstoß der beiden Meridian-Nahverkehrszüge auf der Linie zwischen Rosenheim und Holzkirchen am Morgen des 9. Februars – dem Faschingsdienstag – waren mehr als 80 Menschen teils lebensgefährlich verletzt worden.

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