Jäger wollte ihn erschießen

Vor Abschuss gerettet: Kleiner Fuchs ist der neue Star im Allgäu

Im Allgäu sorgt seit einiger Zeit ein Fuchs für Aufsehen. Er ist zahm und traut sich an Menschen nahe heran. Für sein Vertrauen sollte er nun büßen: Der Jäger wollte ihn erschießen. 

Bad Grönenbach - Nahe am Wohngebiet hält sich seit geraumer Zeit ein Fuchs auf. Dort hat er bereits einen eigenen Namen erhalten: „Reineke“. Die Bewohner gehen davon aus, dass er auf der Suche nach Nahrung ist, um die hungrigen Mäuler des Nachwuchs zu füttern. Die Meinungen, ob ein Fuchs sich so nahe am Wohngebiet aufhalten darf, gehen dabei komplett auseinander. Manche regen sich über den Fuchs auf, die anderen freuen sich einfach darüber, dass der Fuchs noch nicht das Vertrauen in den Menschen verloren hat. Das schreibt Nathalie Mahle auf Facebook in die Öffentliche Gruppe „Grönenbacher helfen Grönenbachern“. In ihrem Post schreibt sie darüber, dass so viele über den zahmen Fuchs schimpfen, dass der Jäger ihn erschießen will. Nathalie Mahle setzt sich in ihrem Post für den Fuchs ein und appelliert an den Menschenverstand: „Der Fuchs ist gesund, hat keine Tollwut oder ist irgend eine Gefahr für Mensch und Kind.“ 

Die Nachricht kommt an

Über 320 Personen liken den Beitrag, er wird über 280 Mal geteilt. Die meisten der 40 Kommentatoren sich einig: „Leben lassen“ ist die Antwort. Ein bisschen Skepsis blieb zurück, denn man wies öfters auch auf die Gefahr des Fuchsbandwurms hin. Ein anderer Bürger schrieb beispielsweise, dass er dem Fuchs bereits ein Entwurmungsmittel über die Nahrung verabreichte.  Ab diesem Zeitpunkt stand das Telefon des zuständigen Jagdpächters nicht mehr still - sogar der Bürgermeister und das zuständige Veterinäramt wurde eingeschaltet. 

Kommentar auf Facebook eines unbeteiligten Jägers, der für die Erhaltung ist

„…Ich bin selber in einer Jägerfamilie aufgewachsen und erhielt mit 16 Jahren den ersten eigenen Jagdschein. Das Thema sprach mich daher an und ich habe mich auch mit einem Kommentar an der Diskussion beteiligt. Ebenfalls nahm ich Kontakt mit dem zuständigen Jagdpächter auf und befragte unseren 1. Bürgermeister. Wie Sie sich vorstellen können, bekamen die Genannten in letzter Zeit viele Anrufe, aber anscheinend nur von „Tötet-den-Fuchs-Menschen“. Mir war es daher ein Bedürfnis, auf die hohe Zahl von „Pro-Fuchs-Bürger/innen“ hinzuweisen. Das Ergebnis ist nicht überraschend, denn wenn in Deutschland niemand weiterweiß, bildet man einen Arbeitskreis oder verweist auf eine andere zuständige Behörde. 

Diese Behörde wird meiner Meinung nach in nächster Zeit die Tötung von Reineke anordnen. Ich könnte jetzt ein Buch über fundamentlose Argumente bezüglich Fuchsbandwurm oder Tollwut schreiben. Auch sind viele Menschen immer noch erstaunt, wenn ein Raubtier den Lieblingshasen verspeist. Diese Auseinandersetzungen sind in meinen Augen allerdings sinnlos und ich verschwende keine Energie damit. Mehr Sinn sehe ich in der Aufklärung im Umgang mit Wildtieren, um in Zukunft solche Situationen zu vermeiden. Ohne auf „Spezialfälle“ einzugehen, sei an erster Stelle ein Fütterungsverbot genannt. Das Wildtier verliert dadurch seine natürliche Scheu und wird wie wir sehen als Bedrohung empfunden (ob es eine reale Bedrohung ist, spielt keine Rolle). Lebensmittel und Futter darf für Wildtiere nicht zugänglich sein und das gilt auch für den Kompost/Biomüll. Die Tierliebe führt im Ergebnis zur Tötung des Lieblings und ein schlechteres Ergebnis gibt es nicht. Tierschutz heißt, im Sinne des Tieres zu handeln und nicht was uns als Mensch am besten gefällt. Stehe heute als aktiver Tierschützer und Veganer auf der anderen Seite und die letzte Tätigkeit als Jäger liegt bereits über ein Jahrzehnt zurück.“ (Beitrag von Philipp Hörmann).

Positives Zwischenergebnis für Fuchs „Reineke“

Der betreuende Förster hat inzwischen bestätigt, dass der Fuchs keine Krankheiten aufweist und keine Gefahr für Mensch und Kind darstellt. Er zeigte sich stark beeindruckt von den Fuchs-Verteidigern, die sich um das Wohl des Fuchses einsetzten. Zum aktuellen Zeitpunkt können die Fuchsschützer aufatmen, denn die beantragte Abschussgenehmigung wurde vorläufig zurückgezogen. Man wird wohl einfach schauen, wie sich die Lage entwickelt, betonte Monika Kittsteiner als Ansprechpartnerin der „Pro-Fuchs-Redaktion“.

nm

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