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Beim Baden gilt oberste Vorsicht: In Bayern kam es am Wochenende zu mehreren tödlichen Unfällen – vor allem an Badeseen. Die DLRG warnt vor zu viel Leichtsinn.

„Sie sterben lautlos“

Experte erklärt: So kommt es zu den tödlichen Badeunfällen

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München – Mehrere Menschen sind am Wochenende in Bayerns Flüssen und Seen gestorben, bundesweit waren es etwa ein Dutzend Badetote. Zeugen berichten oft das Gleiche: Das Opfer war plötzlich weg. Aber wie ist das möglich?

Was genau passierte, kann im Moment niemand sagen. Nur ein paar Fakten sind klar: Der 41-Jährige wollte den Sonntag mit drei Kollegen an einem Weiher bei Grafenwöhr (Kreis Neustadt an der Waldnaab) verbringen. Gegen 13 Uhr ging er ins Wasser, kurz darauf verloren die Freunde ihn aus dem Blick. Der Mann war verschwunden, einfach so. Sie suchten das Ufer ab, schlugen Alarm. Erst Taucher des Rettungsdiensts fanden den Verunglückten leblos unter Wasser. Die Wiederbelebung nützte nichts, der Familienvater starb.

Ein Fall unter vielen: Bundesweit sind am Wochenende zwölf Menschen beim Baden ums Leben gekommen, der Großteil im Freistaat. Neben einem 76-Jährigen aus Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck) starb unter anderem auch ein vierjähriger Bub aus dem fränkischen Kreis Forchheim. Auch er war, wie der 41-Jährige, plötzlich verschwunden.

Die Unfallursache liegt hier wie dort noch im Dunkeln. Klar ist aber, dass solche Fälle keine Seltenheit sind. Immer wieder kommt es vor, dass Menschen beim Baden einfach so verschwinden – oder dass zumindest der Eindruck entsteht. Horst Auer von der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bayern sagt, die Notlage einzelner werde oft einfach nicht erkannt. „Die Menschen ertrinken meist lautlos“, sagt Auer. Kein heftiges Händewedeln, keine theatralisch lauten Hilferufe. Das hat einen ganz banalen Grund: „Die Leute brauchen die Luft für ihren Überlebenskampf.“

Allein im vergangenen Jahr starben im Freistaat 79 Menschen beim Baden (2013 waren es 90), die meisten in Seen. Hier lauern Gefahren, die von außen kaum zu erkennen sind. Unter der Wasseroberfläche, sagt Auer, verbergen sich gerade in Baggerseen häufig steil abfallende Ufer; dort geht es plötzlich mehrere Meter in die Tiefe. Das ist für sich schon problematisch. Hinzu kommt aber der Temperatur-Unterschied in verschiedenen Wasserschichten. Für den Kreislauf kann das Gift sein, zumal dann, wenn die Sonne so brennt wie am vergangenen Wochenende.

Ein stabiler Kreislauf ist aber kein Garant für sorgenfreies Schwimmen. Es besteht auch die Gefahr, sich an Gegenständen im Wasser zu verletzen oder – das ist nicht zu unterschätzen – sich in einer Schlingpflanze zu verheddern. Viele reagieren falsch, kriegen Panik. Dann passiert, wovor Auer warnt. „Je mehr der Schwimmer versucht, sich freizustrampeln, desto mehr verfängt er sich.“ Einmal unter Wasser, fällt die Orientierung schwer. Man schluckt Wasser, krampft, der Atem bleibt weg. Es ist eine dieser Situationen, die lautlos enden können.

Auer rät, möglichst ruhig zu bleiben und die Schlingpflanze langsam abzustreifen. Besonnenheit ist aber schon früher gefragt. Als Reaktion auf die vielen Badeunfälle hat die DLRG dazu aufgerufen, nicht in unbewachten Gewässern zu baden. Oft sei Leichtsinn ein Grund für die Unfälle, die Menschen überschätzten sich und ihr Können. Erschöpfungszustände können die Folge sein, manchmal auch Herzinfarkte.

Außerdem wähnen sich einige zu früh in Sicherheit: Wer Wasser in die Lunge bekommt und nicht aufhört zu husten, sollte einen Arzt aufsuchen, sagt Auer. „Theoretisch kann bis zu 24 Stunden nach dem Vorfall noch etwas passieren.“ Auch der junge Asylbewerber aus Freising, der am Sonntag aus der Isar geborgen wurde, starb erst Stunden später im Krankenhaus.

„Das Wasser ist nicht unser Element“, sagt Auer. Die Konsequenz daraus ist für ihn aber nicht, aufs Schwimmen zu verzichten – sondern umsichtiger zu sein. Wer einen Badeunfall beobachtet, sagt er, sollte einen Notruf unter 112 absetzen und sich nicht selbst in Gefahr bringen. Das nutzt nämlich niemandem.

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