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Eine DLRG-Wachstation am Regattaparksee in Oberschleißheim. Die Rettungsschwimmer, hier bei einer Übung, sind allesamt Ehrenamtliche. 

Sicherheit an Bayerns Flüssen und Seen 

Badetote: Die meisten sterben ab 17 Uhr

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München - Die Zahl der Badeunfälle steigt, erst am Dienstagabend starb ein 14-Jähriger im Olchinger See. Die DLRG fordert nun die Kommunen auf, besser vorzusorgen, indem sie Gefahrenanalysen in ihren Gewässern durchführen. Ist das machbar?

Er konnte nicht schwimmen, ging aber trotzdem mit seinen drei Freunden ins Wasser. Die Badeinsel, die rund 100 Meter vom Westufer des Olchinger Sees (Kreis Fürstenfeldbruck) entfernt ist, erreichte der 14-Jährige aber nicht. Als seine Kumpels sich umdrehten, war er weg. Taucher der Wasserwacht bargen den Münchner am Dienstagabend – da war er schon etwa eine Stunde unter Wasser.

Wieder ein Badetoter im Freistaat. Zahlen aus diesem Jahr gibt es zwar noch nicht, allein 2015 ertranken in Flüssen und Seen aber 112 Menschen. Bayern führt die Rangliste der Badetoten seit Jahren an. Das hat mit der großen Zahl der Seen zu tun. „Viele von ihnen sind unbewacht“, sagt Achim Wiese, Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). „Trotzdem werden sie als Badeseen genutzt, die Kommunen dulden das.“

Wiese wirft eine alte Idee in den Ring. Um die Schwimmer besser zu schützen, sagt er, müssten Städte und Gemeinden Gefahrenanalysen an ihren Gewässern durchführen und je nach Gefahrenlage Maßnahmen ergreifen. „An der Nord- und Ostsee-Küste machen wir das schon – und zwar sehr erfolgreich.“

An Seen und Flüssen im Inland sterben mit Abstand die meisten Menschen. 2015 waren es 80 Prozent der bundesweit 488 Ertrunkenen. Trotzdem werden Gefahrenanalysen hier nur sehr selten durchgeführt. Dabei schauen sich Gutachter an, wie viele Menschen zu welchen Zeiten an welchen Stellen baden. Die gut besuchten Stellen nehmen sie dann genauer unter die Lupe, und überprüfen sie auf gefährliche Strömungen, abfallende Ufer, Schlingpflanzen und so weiter. So lässt sich entscheiden, wo zu welcher Zeit Rettungsschwimmer gebraucht werden. „Das kostet unter Umständen Geld“, sagt Wiese. „Aber es hilft.“

Im Moment sichern die Freiwilligen der Wasserwacht Bayerns Seen. Sie haben rund 600 Wachstationen, die bei Badewetter an Wochenenden und Feiertagen besetzt sind – manchmal sogar darüber hinaus. In Olching zum Beispiel schoben die Retter am Dienstagabend Dienst, obwohl das nicht vorgesehen war. Nach dem Alarm konnten sie schnell reagieren. Helfen konnten sie dem Jugendlichen nicht mehr.

Die Sache mit der Gefahrenanalyse ist eine Rechnung mit vielen Unbekannten. Möglicherweise müssten mehr Retter längere Zeit vor Ort sein. Möglicherweise würde auch die Zahl der Gefahrenstellen steigen. Mit den ohnehin fleißigen Ehrenamtlichen alleine wäre das nicht zu stemmen, sagt auch Oliver Mignon, der stellvertretende Vorsitzende der Wasserwacht Bayern. Er hält die Idee für „gut, aber nicht praktikabel“. Bevor die Behörden feste Rettungsschwimmer einstellen, glaubt er, verhängen sie lieber Badeverbote. „Die Kommunen können sich das einfach nicht leisten.“

Dabei reagieren auch Bayerns Wasserwachtler auf die hohen Opferzahlen. Vor zwei Jahren haben sie zusammen mit einer Uni eine Risikoanalyse für Bayerns Gewässer durchgeführt. Heraus kam, dass Menschen meist am Wochenende oder mittwochs ertrinken, je ab 17 Uhr. „Wir haben dann überprüft, ob unsere Leute zu diesen Zeiten einsatzbereit sind“, sagt Mignon und schiebt gleich hinterher: „Eigentlich müssten wir immer einsatzbereit sein.“

Die DLRG hat ihren Vorschlag schon einige Male gemacht. Beim jüngsten Vorstoß riefen zig Gemeinden bei der Wasserwacht an und fragten, ob sie nun eine dieser Gefahrenanalysen durchführen müssten. Die Kosten von rund 1000 Euro wären überschaubar. Die Folgekosten könnten deutlich höher ausfallen.

Das Problem bleibt und die Zahl der Badetoten droht in diesem Jahr wieder hoch auszufallen. Alkohol spielt oft eine Rolle, manchmal sind es Krämpfe oder schwache Herzen, die Badende untergehen lassen. Vermehrt zählen auch Flüchtlinge zu den Opfern, weil viele nicht schwimmen können. Laut DLRG sind bayernweit in diesem Jahr schon neun Asylbewerber ertrunken. 2015 waren es 27.

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