Retter warnen vor Leichtsinn

Zahl der Badetoten binnen vier Tagen verdoppelt 

München - 23 Menschen sind dieses Jahr bereits in bayerischen Seen ertrunken – knapp die Hälfte davon allein in den vergangenen vier Tagen. Oft bringen sich Schwimmer aus Leichtsinn und Verantwortungslosigkeit in Lebensgefahr.

Taucher, Polizei und zahlreiche Rettungskräfte haben seit Sonntagabend nach einem 29-Jährigen und dem vierjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin gesucht. Beide waren von einem Badeausflug an einen Weiher in der Oberpfalz nicht nach Hause zurückgekehrt. Am Dienstag entdeckte ein Radfahrer die Leichen der beiden Vermissten an der Wasseroberfläche. Sie sind im Weiher ertrunken. Auch ein vermisster 66-jähriger Mann aus Grafing (Kreis Ebersberg) konnte nur noch tot aus dem Erlensee bei Schechen (Kreis Rosenheim) geborgen werden. Zwei Männer sind am Wochenende in der Isar ertrunken, in einem Waldbad in Triefenstein (Kreis Main-Spessart) brach am Montagnachmittag ein 79-jähriger Badegast im Nichtschwimmerbecken zusammen, er konnte nicht mehr reanimiert werden.

Vermisster Mann und Bub (4) tot aus See geborgen

Vermisster Mann und Bub (4) tot aus See geborgen

Die Zahl der Badetoten in diesem Jahr hat sich seit dem Wochenende fast verdoppelt. Insgesamt zehn Menschen sind seit Samstag beim Schwimmen in bayerischen Seen und Flüssen ums Leben gekommen. Wasserwacht und DLRG hatten sich vorbereitet auf das heißeste Wochenende des Jahres und die Dienstpläne aufgestockt – allein 25 000 Rettungskräfte der Wasserwacht waren an mehr als 1200 Stationen im Einsatz. Doch nicht alle Seen und Weiher sind überwacht. Und nicht immer werden die Rettungsschwimmer rechtzeitig alarmiert.

„Manche Schwimmer bringen sich durch unbegreifliche Verantwortungslosigkeit und unfassbaren Leichtsinn in Gefahr“, sagt Ulrike Scharf, die Landesvorsitzende der Wasserwacht Bayern. Sie ignorieren Warnschilder, unterschätzen die Hitze, überschätzen ihre eigenen Kräfte und nehmen die Gefahren in Seen und Flüssen falsch wahr. „Die einfachen Baderegeln, die eigentlich jeder von Kindheit an kennt, werden immer wieder ignoriert“, sagt die Erdingerin. Vergangenes Wochenende hatten ihre Kollegen am Langwieder See zahlreiche Einsätze wegen Badegästen, die stundenlang in der Sonne lagen, viel zu wenig getrunken haben und einen Kreislaufzusammenbruch bekamen, als sie sich ohne Abkühlung ins Wasser stürzten.

„Ein Kollaps im Wasser ist immer gleich lebensgefährlich“, warnt auch Walter Kohlenz, Einsatzleiter und Vize-Präsident der DLRG. Manchmal hat der Starnberger den Eindruck, dass viele Menschen immer mehr das Gespür für ihren eigenen Körper verlieren. „Viele Schwimmer unterschätzen, wann ihre Kraft nachlässt – vor allem, wenn sie dehydriert oder von der Hitze erschöpft sind“, sagt er. Besonders ältere Schwimmer überanstrengen sich häufig.

Einen Überblick über die Badeseen der Region finden Sie hier!

Sorgen bereitet Kohlenz und Scharf aber auch ganz etwas anderes: „Inzwischen sind rund 30 Prozent der Badegäste Nichtschwimmer“, sagt die Landeschefin der Wasserwacht. Immer weniger Kinder lernen das Schwimmen, sagt sie. Und viele schlechte Schwimmer unterschätzen Strömungen und steile Uferbereiche. „Deshalb ist es so wichtig, die Warnschilder ernst zu nehmen“, sagt Scharf. Doch sie weiß, dass vor allem Jugendliche oft viel zu leichtsinnig sind. Auch Walter Kohlenz beobachtet immer wieder, wie junge Menschen auf den Liegewiesen in der Sonne Alkohol trinken, bevor sie schwimmen gehen. Oder wie Jugendliche mit Kopfsprung in unbekannte Gewässer springen. Manchmal sprechen er und seine Kollegen unvernünftige Badegäste an, weisen sie auf die Risiken hin. „Nicht alle sind dankbar für diese Warnungen“, sagt er. „Der Respekt vor dem Wasser fehlt zu oft.“ In allen Altersschichten – auch bei sehr erfahrenen Schwimmern.

Katrin Woitsch

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