22 Badetote – in nur sechs Wochen

München - Extreme Hitze, Leichtsinn und Alkohol sind am Badesee eine lebensgefährliche Kombination. Seit Pfingsten sind in Bayern 22 Menschen ertrunken. Die Wasserwacht spricht von einer erschreckenden Häufung.

Der Kampf um das Leben des zehnjährigen Mädchens ging in der Nacht zu gestern verloren. Um ein Uhr starb die Kleine, nachdem sie am Nachmittag in einem Naturweiher im oberpfälzischen Eschenbach untergegangen war. Vom Ufer aus hatte das Mädchen mit seinem 15-jährigen Bruder zu einer Schwimmplattform schwimmen wollen, die etwa 30 Meter entfernt war. Kurz bevor es die Plattform erreicht hatte, ging das Mädchen unter. Obwohl Badegäste und der Bademeister sofort die Suche nach dem Kind aufgenommen hatten, wurde es erst nach 23 Minuten in zwei Metern Tiefe gefunden. Das Mädchen konnte zwar noch reanimiert werden, doch es starb später im Krankenhaus.

Warnungen besser beherzigen

Martin Rabl (57), Geschäftsführer der Wasserwacht Bayern, ist erschüttert. Seit Pfingsten (23./24. Mai) sind im Freistaat 22 Menschen beim Baden ums Leben gekommen. „Und in dieser Zeit gab es auch oft schlechtes Wetter. Das heißt: An den guten Tagen gab es sehr viele Badeunfälle.“ 2009 kamen in ganz Bayern 91 Menschen beim Baden zu Tode – darin enthalten sind aber auch Bootsunfälle.

Meist sind es Kreislaufprobleme, die zu lebensgefährlichen Situationen führen. „Wenn man lange in der Sonne sitzt, dann geht der Kreislauf runter“, erklärt Rabl. Wer dann ins Wasser geht, ohne sich vorher kalt abzuduschen, der ist leichtsinnig. „Bei längeren Strecken sackt der Kreislauf richtig ab, es wird einem schwindelig, dann wird man ohnmächtig und geht unter“, umschreibt er das Schreckensszenario. Man sollte die Warnungen beherzigen, die jede Mutter ihrem Kind mit auf den Weg gibt: „Nach dem Essen nicht sofort ins Wasser gehen, nicht erhitzt in den See springen.“

Rettungsschwimmer brauchen Ort zum Trainieren

Riskant sind laut Rabl auch die abendlichen Feiern am Seeufer. Wenn der entsprechende Alkoholpegel erreicht ist, werden manche Badegäste leichtsinnig: „Hitze, Kreislaufprobleme und Alkohol – diese Kombination ist der Wahnsinn.“ Der Wasserwacht-Chef würde sich wünschen, dass in den Gruppen mehr darauf geachtet würde, dass Angetrunkene nicht zum Schwimmen gehen.

Über 1000 Rettungsstationen unterhält die Wasserwacht, die zum Bayerischen Roten Kreuz gehört, im Freistaat. Allein 265 gibt es in Oberbayern. „Zur Zeit sind alle im Einsatz, die ausgebildet sind“, berichtet der Chef. Nachwuchsprobleme kennen die Rettungsschwimmer nicht. Über 28 000 Kinder und Jugendliche werden derzeit ausgebildet. Trotzdem bereitet die Zukunft der Wasserwacht Sorgen. „In den Kommunen stehen wegen der Sparzwänge die Kürzungen bei Museen und Hallenbädern immer an erster Stelle“, kritisiert der ambitionierte Wasserwachtler. Wenn Hallenbäder in Spaßbäder umfunktioniert werden, können Rettungsschwimmer dort nicht mehr trainieren. Oder die Bäder werden gleich ganz geschlossen. „Als Folge können immer weniger Kinder schwimmen und sind erst recht gefährdet beim Baden. Und mittelfristig werden wir immer weniger Rettungsschwimmer haben“, befürchtet Rabl.

Das kommende heiße Wochenende lockt wieder zum Baden. Rabls Wasserwachtler hoffen, dass die Schwimmer die weisen Erkenntnisse ihrer Mütter beherzigen – zu ihrem eigenen Schutz.

Von Claudia Möllers

Rubriklistenbild: © dpa

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