Drei Menschen an einem Tag ertrunken

Badeunfälle: Das sind die Gefahren im Wasser

München - So herrlich, so gefährlich. Allein am Donnerstag sind in Bayern drei Menschen beim Baden in Seen ertrunken, darunter auch ein 13-Jähriger. Experten sagen, viele Unfälle ließen sich vermeiden.

Er war einfach weg. Gerade hatte der 13-Jährige noch mit zwei Freunden in dem Badeweiher in Natternberg (Kreis Deggendorf) getobt. Dann Stille. Die Freunde schlugen Alarm, ein Betreuer des Jugendamts, der am Ufer gewartet hatte, sprang hinterher, mehr als 100 Helfer von Wasserwacht, Feuerwehr und Co. suchten mit. Sie fanden den 13-Jährigen am Donnerstagabend, gegen 19 Uhr – ertrunken. Knapp fünf Stunden, nachdem er spurlos verschwunden war.

Wie er starb, soll eine Obduktion klären. Nur eines lässt sich sicher sagen: Solche Unfälle sind keine Seltenheit. Allein am Donnerstag starben zwei weitere Menschen beim Baden: Ein 46-Jähriger in einem Weiher in Kolbermoor und ein 45-Jähriger in einem Halfinger Baggersee (beides Kreis Rosenheim). Im vergangenen Jahr ertranken in Bayern 90 Menschen beim Baden, die meisten in Badeseen. Dabei, sagt Horst Auer von der DLRG (Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft) Bayern, ließen sich viele Unfälle vermeiden. Man muss halt die Gefahren kennen.

Die lauern vor allem in Baggerseen. Unter der Wasseroberfläche, sagt Auer, verbergen sich häufig steil abfallende Ufer. An diesen Stellen geht es plötzlich mehrere Meter in die Tiefe. Das an sich ist schon ein Problem, aber ein anderes kommt dazu: die schwankenden Temperaturen in den verschiedenen Tiefen, die um mehrere Grad variieren. Für den Kreislauf kann das Gift sein. Nächste Gefahr: Gegenstände im Wasser. „Oft liegen dort größere Steinbrocken, an denen man sich verletzen kann“, sagt Auer. Gefahr drei: Wasserpflanzen. Oft verheddern sich die Schwimmer in Schlingpflanzen – und reagieren falsch. „Wer hastige Bewegungen macht, gerät immer tiefer hinein“, sagt Auer. Sein Tipp: ruhig bleiben und die Pflanzen langsam abstreifen.

Ein Umstand bereitet Rettern wie Auer besonders Sorge: „Gerade Kinder ertrinken eigentlich immer lautlos.“ Einmal unter Wasser, finden sie den Weg an die Oberfläche nur noch schwer. Ihnen fehlt die Orientierung, sie schlucken Wasser, krampfen, der Atem bleibt weg. Möglich, dass es bei dem 13-Jährigen in Natternberg auch so war.

Eine Erklärung für die Unfälle hat Auer nicht, schon gar keine Pauschale. Er vermutet, dass es viele wegen der knappen Freizeit beim Baden übertreiben und zu sorglos sind. Erschöpfungszustände sind die Folge, manchmal auch Herzinfarkte. Wer Wasser in die Lunge bekommt und fortwährend hustet, dem rät Auer, einen Arzt aufzusuchen. „Da kann theoretisch bis zu 24 Stunden danach noch etwas passieren.“

Das Risiko badet mit. Um es zumindest klein zu halten, rät die DLRG ganz allgemein, nicht an unbeaufsichtigten Stellen baden zu gehen. Flüsse sind wegen der Strömung ganz tabu. Am besten, sagt Auer, lässt man sich zum Rettungsschwimmer ausbilden. „Dadurch lernt man die Gefahren im Wasser am besten kennen.“ Allerdings hilft es schon, aufmerksam zu sein. Wer einen Badeunfall beobachtet, sollte zunächst einen Notruf unter 112 absetzen. Wichtig: Sich selbst nicht in Gefahr bringen. Das nutzt niemandem.

Baderegeln zum Nachlesen auf www.baderegeln.info

Markus Mäckler

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Symbolbild

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