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Den Beschäftigten bayerischer Bäckereien drohen harte Einschnitte. Die Bäcker-Innung möchte unter anderem, dass bei längerer Krankheit bis zu zehn Urlaubstage abgezogen werden können. 

Kampf mit harten Bandagen

Tarifkonflikt: Streiken bald die Bäcker?

München - Streiken bald die Bäcker? Mit äußerst harten Bandagen sind Gewerkschaft und Landesinnung in einen Tarifkonflikt eingestiegen, kämpfen um Urlaubsgeld und die Anrechnung von Krankheitstagen. 

Rhetorisch fährt die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) harte Geschütze auf. Die bayerische Bäcker-Innung habe „ohne jeden Grund einen wahren Horror-Katalog“ vorgelegt, klagt der Münchner NGG-Gewerkschafter Mustafa Öz. Für jeden Bezirk verschickte die Gewerkschaft gestern eine eigene, martialisch klingende Erklärung. Bäckern, Verkäufern, sogar Reinigungskräften stünden „enorme Einschnitte“ bevor, es drohe eine „enorme Zumutung“ – man werde sich „mit aller Kraft zur Wehr“ setzen.

Der Münchner Bäcker Heinz Hoffmann, zugleich Landesinnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks, weist das zurück. Er betrachtet „die aggressive Vorgehensweise der NGG mit völligem Unverständnis“. „Solche Töne mögen wir gar nicht. Das klingt nach Kriegserklärung“, sagt auch der Hauptgeschäftsführer der Innung, Wolfgang Filter. „Wahr ist, dass wir den Altersvorsorge- und Manteltarifvertrag gekündigt haben.“

Und das ganz plötzlich, zumindest aus Perspektive der NGG. „Das ist bei uns eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Gewerkschafter Johannes Specht. Der Manteltarifvertrag sei bisher ein verlässliches und kaum umstrittenes Fundament gewesen. Ohne Vorwarnung, per Brief, habe die Innung vor Kurzem ihre Entscheidung verkündet, den Manteltarifvertrag zum 30. September zu kündigen – und gleich einen Forderungskatalog mitgeschickt.

Die darin skizzierten Forderungen sind nicht ohne: So wollen die Arbeitgeber das ohnehin knappe Urlaubsgeld – es gibt für langjährige Beschäftigte höchstens 142 Euro – streichen und künftig in die Altersvorsorge einzahlen. Davon hätte der Angestellte aber erst etwas, wenn er in den Ruhestand tritt. Außerdem sollen von 30 Urlaubstagen bis zu zehn Tage mit einzelnen Krankheitstagen verrechnet werden. Auch das rechtfertigt die Innung: Es sei angemessen, übertariflich gewährten Urlaub „anteilig zu kürzen, wenn die Krankheitstage einen erheblichen Umfang erreicht haben“, heißt es in einem Positionspapier.

Der Tarifkonflikt entbrennt in einer Zeit anhaltenden Bäckerei-Sterbens. Jahr für Jahr schließen rund vier Prozent der Bäckereien für immer. Heute gibt es noch 2700 Bäckereien mit 7600 Filialen und 46 500 Mitarbeitern. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Bäcker in Bayern um ein Drittel gesunken – während die Zahl der Back-Shops in Discountern wächst. „Den Bauern geht es doch genauso. Alle wollen nur noch billig“, klagt Franz Gruber, Bäcker in St. Wolfgang und Innungschef im Landkreis Erding. Discounter besorgten sich „minderwertige Teiglinge aus dem Ostblock und China“, die dann nur noch aufgebacken würden. Kleine Betriebe könnten nicht mithalten.

Umso mehr ärgert die NGG das Vorgehen der Bäckerinnung. Um im Wettbewerb mit billigen Discountern zu überleben, braucht es nach Ansicht der NGG gutes und motiviertes Personal. „Die Konkurrenz darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden“, sagt Specht. Genau das drohe aber ab dem 1. Oktober. Denn dann gilt der Manteltarifvertrag nur noch für jene Beschäftigten, die in der Gewerkschaft sind – für alle anderen nicht mehr. Specht sagt: „Dann droht eine schmutzige Konkurrenz zwischen den Bäckern.“ Um die Beschäftigten darüber aufzuklären, verteilt die Gewerkschaft seit kurzem Flugblätter in Bäckereien im ganzen Freistaat. Das ist selbst für die NGG neu.

Für den 28. September sind erste Gespräche zwischen NGG und Bäckerinnung geplant. An eine rasche Einigung glaubt Specht aber nicht. „Wir laufen auf einen tariflosen Zustand zu.“ Das könne Folgen für zehntausende Beschäftigte haben. Ob es langfristig zu Streiks kommen kann, sei schwierig zu sagen. Bis jetzt sei nichts geplant. „Aber nichts ist ausgeschlossen.“

Dirk Walter, Michael Luxenburger und Marcus Mäckler

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