+
Diese Ausflügler hatten es gut: Die Bayerische Oberlandbahn fuhr (hier der Bahnhof Schliersee gestern Mittag), war allerdings gesteckt voll.

Arbeitskampf bei der Bahn

Der 50-Stunden-Streik: So erging es Bayern

München - Der 50-Stunden-Streik der Lokführer ist der (vorläufige) Höhepunkt eines beinharten Tarifkonflikts. Impressionen von einem Wochenende, das für viele ganz anders verlief als gedacht.

Der Hauptbahnhof

Immerhin: Der Ersatzfahrplan funktionierte. Ein 60-Minuten-Takt bei der Münchner S-Bahn, ein Halb-Stunden-Takt der S8 ab Pasing zum Flughafen. Wer Zeit mitbrachte, kam auch am Wochenende mit der Bahn voran. Auch jeder zweite Regionalzug – mehr als erwartet – fuhr offenbar. Bei den Fernzügen startete nur jeder dritte. Die Bahn hat in der Nacht zum Samstag am Hauptbahnhof einen Hotelzug anrollen lassen. Dort konnten gestrandete Fahrgäste schlafen – der Zug war gut gefüllt.

Leidtragender des Streiks ist neben den Fahrgästen noch eine andere Gruppe: die Gewerbetreibenden am Hauptbahnhof. „Heute morgen kommt hier fast überhaupt keiner“, klagte eine Bäckerei-Verkäuferin am Samstag. Und ein Tabakverkäufer im Untergeschoss: „Eigentlich könnt’ ich heute auch schließen.“

Die Fernbusse

Am Zentralen Omnibusbahnhof in München warten Fahrgäste auf den Bus nach Innsbruck. Ein Mann im grauen Cashmerepullover sagt: „Wir wollen zum Gardasee und steigen in Innsbruck um. Wir mussten spontan umdisponieren, aber das mit dem Bus ist super. Viel billiger auch.“ Er schaut seine Frau an: „Das machen wir jetzt immer! Eigentlich müssten wir den Lokführern danken.“ Kein Einzelfall: Bei den Fernbussen gab es den erwarteten Andrang. Flixbus meldete einen Umsatzanstieg von über 30 Prozent. „Für uns war es ein Rekord-Wochenende“, sagt Sprecherin Bettina Engert in München. Vor allem die Linien von und nach Frankfurt waren ausgebucht – Billigtickets waren schnell vergriffen, aber auch der teurere Normalpreis schreckte die Kunden nicht ab.

Meridian/BOB

Vom Streik profitiert auch der „Meridian“ – die Züge des privaten Bahnkonzerns Veolia verkehren zwischen München, Rosenheim und Salzburg/Kufstein. Sie wurden nicht bestreikt, „es laufen zum aktuellen Zeitpunkt keine Tarifverhandlungen“, sagt der Geschäftsführer von Meridian und BOB, Kai Müller-Eberstein. Die BOB war am Samstag und Sonntag – wie eigentlich immer – gut gefüllt: Wander-Ausflügler zuhauf. Müller-Eberstein ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass insbesondere auf der Verbindung Salzburg-München die Fahrgäste vom Fernverkehr auf unsere Züge umsteigen.“

Die Deutsche Bahn

Die DB zählt nach: Der „selbstgewollte Vertretungsanspruch“ der GDL hinkt, erklärt sie in Berlin. 90 Prozent der Streikenden seien Lokführer. „Der Anspruch der GDL, andere Berufsgruppen im Konzern vertreten zu wollen, geht ins Leere.“

Die GDL

Uwe Böhm sorgt sich. Die GDL-Spitze werde „zum Feindbild“, sagt der Chef der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) in Bayern. „Die wollen eine Spaltung unserer Organisation erreichen.“ Die – das ist die Deutsche Bahn. Doch die Spitze mache keinen Alleingang, betont Böhm. 4000 bis 5000 Lokführer streikten am Wochenende. Die Stimmung sei gut, an den Streikposten träfen sich viele alte Bekannte. „Da trifft der Lokführer von DB Schenker den Kollegen vom Fernverkehr, den er vielleicht seit Jahren nicht mehr gesehen hat.“

Im „Heute-Journal“ verkündet GDL-Bundeschef Claus Weselsky am Samstagabend eine siebentägige Streikpause. Sie ist auch eine Atempause für alle.  

dw/dpa/arz

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Planungsverband kritisiert: Zu wenig Wohnungsbau in der Region
Trotz grassierender Wohnungsnot wird in der Region München zu wenig gebaut, kritisiert der Regionale Planungsverband. In einzelnen Landkreisen ist die Zahl der …
Planungsverband kritisiert: Zu wenig Wohnungsbau in der Region
Wunderschöne Herbstwanderungen: Hier lohnt sich der Aufstieg
Pünktlich zum heutigen Herbstanfang zeigt sich in Bayern wieder die Sonne. Meteorologen sagen für die nächsten Tage wandertaugliches Wetter voraus. Wir stellen drei …
Wunderschöne Herbstwanderungen: Hier lohnt sich der Aufstieg
Was ist los am Wochenende? Die besten Tipps aus der Region
Was ist los am Wochenende? Für alle, die noch eine Idee für einen Ausflug benötigen, haben wir hier einige Tipps zusammengestellt. Diesmal gibt’s jede Menge zu …
Was ist los am Wochenende? Die besten Tipps aus der Region
Bayern ist Stauland Nummer eins - vor allem Freitage betroffen
Nach Angaben des ADAC ist Bayern das Bundesland mit den meisten Staus in Deutschland. Der Wochentag mit den meisten Satus ist demnach der Freitag.
Bayern ist Stauland Nummer eins - vor allem Freitage betroffen

Kommentare