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Fahrräder im Zug dürfen nur noch mit Extra-Ticket mitgenommen werden.

Mit dem Rad in der Bahn: Ab dem 1. April wird es teuer

München - Ab nächster Woche kostet in Bayern der Fahrrad-Transport im Zug. Auch auf den Strecken, die bisher noch kostenfrei waren, muss ab 1. April eine Karte gelöst werden.

Es war ein Ende auf Raten. In der Vergangenheit haben Landkreise oder örtliche Tourismus-Verbände bis zu 15 000 Euro pro Jahr an die Deutsche Bahn gezahlt, um in ihrer Region die kostenlose Fahrradmitnahme zu ermöglichen. Touristen und Ausflügler konnten in weiten Teilen Südbayerns günstig unterwegs sein. Doch hat die Zahl der Radlfahrer zuletzt so zugenommen, dass die Bahn ihre Preise neu kalkulierte – und zum Teil massiv erhöhte. Das wollten einige Landkreise wie etwa Landsberg nicht mitmachen und sind bereits vergangenes Jahr ausgestiegen. Wer dort ein Radl dabei hatte, musste 4,50 Euro für die Fahrrad-Tageskarte zahlen.

Das wird nun auf ganz Bayern und alle Bahnunternehmen, also unter anderem auch die Bayerische Oberlandbahn, ausgeweitet. „Wir haben ein großes Interesse an einem einheitlichen System“, sagt Fritz Czeschka, Chef der staatlichen Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). So ein Fahrradticket gehe die BEG zwar eigentlich nichts an, „aber wir wollten eine faire Lösung“. Denn wer mit seinem Rad nur eine Station fahren wollte, hätte ebenfalls ein Ticket für 4,50 Euro kaufen müssen. Deshalb habe man sich in Verhandlungen mit den Bahnunternehmen darauf verständigt, eine Kurzstreckenkarte und eine Familienkomponente einzuführen. Die Kurzstrecke gilt für Entfernungen bis 50 Kilometer (einfach) oder für Hin- und Rückfahrt bis zu je 20 Kilometern und orientiert sich am Preis der Kinderfahrkarte.

Für kurze Strecken geht es da bei 70 Cent los. Kinder bis 14 Jahren können in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern ihre Räder kostenlos mitnehmen. „Das ist ein großer Schritt, auch wenn man nicht allen gerecht werden kann“, sagt Czeschka.

Denn die Proteste sind groß, ob vom Bund Naturschutz, dem Fahrgastverband Pro Bahn oder dem Verkehrsclub Deutschland. Da wird unter anderem bemängelt, dass es für Pendler keine Zeitkarten gibt – wer mit seinem Radl im Zug täglich zur Arbeit fährt, muss also jeden Tag ein Fahrrad-Ticket lösen. Obwohl es unter anderem beim Landratsamt Rosenheim schon Proteste gab, hält die Bahn das für ein Minderheiten-Problem. Man könne ja am Zielbahnhof ein Zweitfahrrad deponieren.

Auf die Barrikaden gehen vor allem die Tourismusverbände, die bislang gerne mit der kostenlosen Fahrradmitnahme im Zug geworben haben. „Das ist kontraproduktiv und nicht nachvollziehbar“, sagt etwa Hermann Roth vom Tourismusverband Chiemsee. „Wir Touristiker waren da überhaupt nicht eingebunden.“ Das bestätigt Christine Lichtenauer, Geschäftsführerin des Tourismusverbands München-Oberbayern. „Wir suchen seit langem das Gespräch mit der Bahn, es soll noch vor Ostern stattfinden.“ Man werde verhandeln, ob nicht doch eine kostenfreie Lösung möglich ist.

Auch BEG-Chef Czeschka betont, die Bahn müsse bereit für Verhandlungen sein, wenn ein Landkreis die Kostenfreiheit unbedingt finanzieren will. Bahn-Sprecher Franz Lindemair dagegen klingt ablehnend: „Wir haben zwei Jahre gebraucht, um den Flickerlteppich zu beseitigen. Wir diskutieren gerne, haben aber keine aktuelle Absicht, an der neuen Regelung etwas zu ändern.“

Obwohl: So ganz einheitlich sind die Fahrradtarife in Bayern doch nicht. Der Münchner Verkehrsverbund behält seine Fahrradkarte (2,50 Euro), die nicht zur Hauptverkehrszeit gilt.

Boris Forstner

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