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Überwachte Fahrt: Seit Ende 2012 sind alle S-Bahnzüge in München mit Kameras ausgestattet.

Blinde Flecken an Bahnhöfen

Bahn baut Videoüberwachung aus

München – Der vereitelte Kofferbomben-Anschlag am Bonner Hauptbahnhof hat Innenminister Joachim Herrmann alarmiert. Er forderte eine Video- Überwachung in allen Bahnhöfen, Zügen und Bussen. Bahn und MVG unterstützen dieses Ziel – müssen es aber zum Teil selbst finanzieren.

Die Forderung des CSU-Ministers in Wildbad Kreuth ist nicht neu. Bereits nach dem tödlichen Angriff auf Dominik Brunner 2009 auf dem S-Bahnhof in Solln trat Joachim Herrmann für die „lückenlose Überwachung“ ein. Bei der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG rennt er offene Türen ein. „Der Minister fordert, was die MVG bereits umgesetzt hat beziehungsweise derzeit realisiert“, teilt das Unternehmen mit. Die 100 U-Bahnhöfe seien schon „seit vielen Jahren“ flächendeckend mit Video ausgestattet – 1265 Kameras tun hier Dienst. Bei den Fahrzeugen strebe man ebenfalls eine vollständige Ausstattung an. Derzeit seien in drei von vier Bussen, in mehr als jeder zweiten Tram und in rund jedem fünften U-Bahn-Wagen Kameras installiert.

Die MVG arbeitet ihre Hausaufgaben ab – sieht Herrmanns Vorstoß aber dennoch kritisch. Die Finanzierung der Kameras erfolge aus Fahrgeldeinnahmen – also aus der Tasche der Kunden. Staatliche Fördermittel gebe es „leider“ keine. Der Minister fordere die Überwachung, „stellt aber kein Geld zur Verfügung“.

Die Deutsche Bahn äußert sich diplomatischer, sagt zwischen den Zeilen aber das gleiche: „Das ist die Aufgabe der Sicherheitsbehörden“, betont ein DB-Sprecher. Wie viele der 149 S-Bahn-Stationen im MVV-Gebiet mit Kameras ausgestattet sind, will er auch auf mehrfaches Nachhaken hin nicht verraten – und verweist stattdessen auf einen bundesweiten Sicherheitsgipfel, der im Februar stattfinden solle. Vorher, so der Bahn-Sprecher, könne er nichts sagen.

„Wegen eines Sicherheitsgipfels ist der Bund bislang noch nicht an uns herangetreten“, sagt Herrmann – und reicht Informationen nach, die die Bahn nicht geben wollte. Danach werden sämtliche Bahnhöfe der Stammstrecke zwischen Pasing und Ostbahnhof gefilmt, aktuell mit 202 Kameras. Auf den Außennetzen seien derzeit 29 Kameras installiert, wobei eine Ausweitung auf weitere 41 Bahnhöfe in Planung sei. Bis Ende des Jahres sollen rund 50 Stationen Bilder aufnehmen – etwa ein Drittel aller Bahnhöfe.

Bei den Fahrzeugen ging es schneller voran. Bis Ende 2012 wurden sämtliche S-Bahnzüge mit einer Videoüberwachung ausgerüstet, teilt Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) mit. „Ein Fall wie Dominik Brunner soll nie wieder vorkommen.“ Die Nachrüstung der Stationen sei vom Ministerium finanziert worden. Die Kosten für die Züge habe man sich mit der Bahn geteilt.

In München und im Münchner Umland hat sich seit 2009 also durchaus etwas getan. Dennoch „stellt uns der jetzige Zustand noch nicht zufrieden“, sagt Herrmann. Es sei „nicht nachvollziehbar, warum in München und Nürnberg die Videoüberwachung bereits sehr weit ausgebaut ist, aber zum Beispiel in Augsburg und Ingolstadt keine Kameras an den Hauptbahnhöfen installiert sind“. Der Minister sieht die Verantwortung dafür „vorrangig“ bei den jeweiligen Verkehrsunternehmen – auch die Finanzierung sei deren Sache, sagt Herrmann.

Zudem erinnert er daran, dass es mit dem Filmen allein nicht getan ist – die Bilder müssen auch gespeichert werden. Die MVG behält die Daten aus ihren Fahrzeugen 48 Stunden und die Filme aus den U-Bahnhöfen bis zu sieben Tage. Die Bahn löscht alle Videos laut Herrmann nach 72 Stunden. Auf die Frage, ob dieser Zeitraum ausreichend sei, antwortet der Minister ausweichend. „Wie uns der Anschlagsversuch in Bonn gezeigt hat, ist entscheidend, dass Videobilder überhaupt aufgezeichnet und den Behörden zur Verfügung gestellt werden.“ Auf dem Bonner Bahnsteig waren zwar Kameras installiert – doch die Videos wurden nicht gespeichert. Die Polizei suchte die Bombenleger schließlich mit dem Video aus einem Fast-Food-Restaurant.

Thomas Schmidt

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