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Zwischen Mühldorf und Tüßling können die Güterzüge jetzt zweigleisig fahren.

Strecke ins Chemiedreieck

Die Bahn beseitigt Nadelöhr für Güterzüge, nicht für Pendler

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Ein Nadelöhr auf der Bahnstrecke ins bayerische Chemiedreieck ist beseitigt: Zwischen Mühldorf und Tüßling können die Güterzüge jetzt zweigleisig fahren. Engpass bleibt aber auf längere Sicht die für Pendler wichtige Strecke zwischen Ampfing und Markt Schwaben.

Mühldorf – Um 2.57 Uhr war es soweit: Der erste Güterzug rollte in der Nacht auf Montag über das neue, elf Kilometer lange Gleis zwischen Mühldorf und der kleinen Gemeinde Tüßling im Osten. 150 Millionen Euro haben die elf Kilometer gekostet – inklusive endlos vieler hoher blauer Lärmschutzwände und einer nagelneuen Brücke über den Inn.

Mit Blasmusik, gut gelaunten Besuchern und viel Lob für die Bahn wurde die Bahnstrecke gestern eingeweiht – Lob für die Bahn deshalb, weil der Bau sogar ein halbes Jahr schneller als geplant fertig wurde. Der DB-Vorstand für Infrastruktur, Ronald Pofalla, lobte die Verantwortlichen: „Wir können Infrastruktur. Wir können schnell und effizient bauen.“ Er sprach von einer „rollenden Pipeline vom Chemiedreieck zu den Seehäfen“ und einem der „wichtigsten Regionalknoten im Personennahverkehr“, dessen weiterer Ausbau notwendig sei.

Bisher mussten sich bis zu 140 Güterzüge am Tag aus den Chemiewerken bei Burghausen ein Gleis teilen. Jetzt ist dieses eine Nadelöhr beseitigt – doch beim Festakt gestern in Mühldorf war jedem bewusst, dass es weitere Engstellen gibt.

Oberste Priorität hat der Abschnitt weiter westlich zwischen Markt Schwaben und Ampfing. Er ist eingleisig und nicht elektrifiziert – beides soll sich ändern. Wann Pendler aufatmen können, ist aber ungewiss. Sie müssen in ihren Regionalzügen heute oft auf entgegenkommende Güterzüge warten – oder diesen hinterherzuckeln. Bisher gibt es nur Vorplanungen für den Ausbau, die Bahn kündigte in Mühldorf aber an, Ende 2017 den Entwurf eines Bauantrag vorzustellen. Er soll „im Dialog“ mit den Anliegern abschnittsweise diskutiert werden.

Ein Konfliktpunkt dürfte der Lärmschutz werden, vor Ort gibt es weitere Streitpunkte, etwa um den Bau von Brücken (bis zu 50 müssen erweitert werden) und die Erweiterung von Bahnhöfen. In Dorfen wird gefordert, die Bahnstrecke auf bis zu 3,5 Kilometer in einer Art Trog tiefer zu legen – aus Kostengründen sträubt sich die Bahn dagegen. Einen Termin, bis wann der ganze Abschnitt zweigleisig ausgebaut ist, nannten gestern weder Pofalla noch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Bei der Bahn ist von einem „Korridor bis 2030“ die Rede, bis zu diesem Zeitpunkt soll auch die Finanzierung stehen. Bis zu 800 Millionen Euro dürfte das zweite Gleis kosten.

Weiter östlich ist die Planung noch wackliger: Zwischen Tüßling und Salzburg würde die Bahn ebenfalls gerne ein zweites Gleis bauen. Hintergedanke ist, eines Tages auf einer durchgängig zweigleisigen und elektrifizierten Strecke auch die österreichischen Railjets zwischen Salzburg und München über Mühldorf statt Rosenheim fahren zu lassen. Die Züge, so hat die Bahn ausgerechnet, wären so bis zu 20 Minuten schneller.

Doch im neuen Bundesverkehrswegeplan ist das Projekt nicht im „vordringlichen Bedarf“ enthalten. Der bayerische Staatskanzleiminister und Mühldorfer Abgeordnete Marcel Huber (CSU) nutzte die Gelegenheit, um für diesen Ausbau gestern erneut zu werben. Bayern brauche die Gleise auch als Anschluss an die Seehäfen an der Adria. Hubers Rechnung: Zwischen China und Triest ist ein Schiff fünf Tage schneller unterwegs als zwischen China und Rotterdam oder Hamburg.

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Von Dirk Walter und Markus Honervogt

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