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Zahlreiche genervte Bahngäste warten entnervt am Münchner Hauptbahnhof.

Das große Bahn-Chaos

Bahnkunden benötigen vor allem in Bayern derzeit eine besondere Leidensfähigkeit: Fast jeden Tag gibt es neue ­Hiobsbotschaften über ausgefallene Züge oder Verspätungen. Die schlimmsten Geschichten.

Baumängel auf der erst drei Jahre alten Neubaustrecke Ingolstadt-Nürnberg führten in den vergangenen Tagen dazu, dass die ICE nur noch Tempo 160 statt bis zu 300 fahren durften. Schon kommt die neueste Hiobsbotschaften: Jetzt fallen auch in Oberbayern reihenweise Nahverkehrs-Züge aus. Eine Übersicht:

Pfusch auf der Neubau-Strecke Ingolstadt-Nürnberg: Auf der 80 Kilometer langen und 3,6 Milliarden teuren Neubaustrecke, die erst 2007 eröffnet wurde, hatten Bahnmitarbeiter festgestellt, dass die Gleise nicht mehr fest mit der Betonfahrbahn verbunden waren. Aus Sicherheitsgründen wurde die zulässige Geschwindigkeit seit Ende Januar halbiert. Inzwischen steht die Ursache fest: offenbar Pfusch am Bau. An der Strecke waren an verschiedenen Stellen Metallklammern, die die Schiene fixieren, einfach gebrochen. Hersteller Vossloh muss nun die Klammern austauschen. Die Bahn konnte jedoch Entwarnung geben und das wieder Tempo erhöhen.

Werke kommen mit der Reparatur der Züge kaum nach: Der Anteil der schadhaften ICEs erreicht inzwischen Rekordwerte. Während die Deutsche Bahn offiziell nur davon spricht, dass 20 Prozent der Züge defekt sind, sprechen Bahnmitarbeiter intern von höheren Zahlen. So sollen vergangene Woche an einem Tag von 50 Zügen der dritten Bauserie BR 403 nur 32 von 50 Garnituren einsatzbereit gewesen sein. Die Betriebswerke kommen mit den Reparaturen kaum noch nach. Folge: Viele Züge fahren nur mit halber Kapazität (mit einem statt mit zwei Zugteilen), andere fallen ganz aus.

Neueste Panne: Nahverkehrstriebwagen. Seit vergangener Woche fallen wegen witterungsbedingter Störungen auch immer wieder Elektotriebwagen der Baureihen 425 und 426 aus, die auf den Strecken Murnau-Oberammergau, Tutzing-Kochel, Holzkirchen-Rosenheim und München-Landshut eingesetzt werden. „Die Werkstätten sind auch hier überlastet“, sagt ein Bahnsprecher.

Verspätungen in Augsburg: Die neuen Elektro-Triebwagen (Baureihe 440) machen in Augsburg beim Kuppeln der Zugteile aus Ulm und Donauwörth Probleme: Fünf bis zehn Minuten Verspätung sind die Folge. Neue Triebwagen der Baureihe für die Strecke nach Passau und die Strecke Freilassing-Berchtesgaden werden von der Aufsichtsbehörde nicht zugelassen, weshalb zwischen Freilassing und Berchtesgaden derzeit lokbespannte Museumswagen eines Stuttgarter Museums verkehren.

Neigetechnik: Bereits seit Monaten verkehren die meisten Nahverkehrs-Neigetechnik-Züge wegen technischer Mängel ohne Neigebetrieb und damit deutlich langsamer. Zum Fahrplanwechsel mussten die Fahrzeiten verlängert werden – die Anschlüsse sind dann oft weg. Die einzigen Fahrzeuge, die noch einwandfrei funktionieren, sind die guten alten, redesignten Silberlinge.

Karl-Heinz Dix

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