Die Bahn fährt lieber Bus

München - Während der Freistaat mehr Züge nach Tschechien organisiert, setzt die Deutsche Bahn auf die Autobahn.

Zum nächsten Fahrplanwechsel der Bahn am 13. Dezember wird es zwischen München, Nürnberg und Prag mehr und schnellere Verbindungen geben. Kurios: Die Deutsche Bahn setzt auf die Straße und nutzt bereits ab August von Nürnberg nach Prag einen Express-Bus.

Bis zum Jahr 2002 fuhr die DB von München und Nürnberg noch mit einem Zug in die tschechische Hauptstadt. Doch die Auslastung war schlecht, so ein Bahnsprecher. Dazu viele Langzeit-Baustellen im Nachbarland und Lokwechsel an der Grenze – die Fernverkehrsverbindung wurde eingestellt. Der Freistaat sprang schließlich ein und finanzierte zusammen mit Tschechien grenzüberschreitende Züge der Vogtlandbahn („Alex“), die trotz der riesigen Distanz offiziell unter dem Motto Nahverkehr laufen. Denn nur der wird von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) des Freistaats bezahlt, während die Eisenbahnunternehmen den Fernverkehr selbst finanzieren müssen.

Ab Dezember sollen nun mehr Alex-Züge nach Prag fahren, abwechselnd kommen moderne tschechische Züge nach Bayern. Dank technisch hochwertiger Loks entfällt auch der sonst notwendige Tausch an der tschechischen Grenze, was 20 Minuten spart – von München dauert es nach Prag dann noch rund sechs Stunden, von Nürnberg weniger als fünf.

Die Deutsche Bahn dagegen braucht ab 9. August nur noch 3:45 Stunden. Sie setzt sechsmal täglich einen Express-Bus ein, der wie ein Zug in den Fahrplan integriert ist und die Franken-Metropole ohne Zwischenstopp mit der tschechischen Hauptstadt verbindet. „Das ist was ganz Neues“, so der Bahnsprecher. Dank der vergangenes Jahr fertiggestellten A 6 von Amberg zur Grenze bei Waidhaus sei die Straße erheblich im Vorteil, „wir brauchen einfach eine attraktive Fahrzeit“.

Bei der BEG hält man das für ein „Armutszeugnis“ und höchst unglücklich. Denn sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass ein Bahnunternehmen irgendwann den Fernverkehr nach Prag auf eigene Kosten wieder aufnimmt und sich der Freistaat aus der Finanzierung zurückziehen kann.

Wenigstens bleibt die DB auf der Strecke München-Passau bei der Schiene: Nach gewonnener Ausschreibung werden dort ab 13. Dezember neue Züge schneller und häufiger fahren als bisher.

von Boris Forstner

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