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Zahlreiche Bahnreisende mussten am Wochenende Wartezeiten in Kauf nehmen und auf Ersatzzüge ausweichen. Auch die ICE-Linie nach Hamburg war von Behinderungen betroffen.

Deutsche Bahn

Verlängerte Geduldsprobe

München - Das große Chaos ist ausgeblieben: Trotz des Ausfalls von 67 ICE-Zügen verlief der deutsche Fernverkehr weitgehend problemlos. Bahnreisende reagierten genervt, aber verständnisvoll.

Als die Berlinerinnen Ulli Terlinden und Kerstin Dörhöfer am Sonntag den Münchner Hauptbahnhof erreichten, hatten sie schon eine Odyssee hinter sich. Weil ihr Zug auf der Heimfahrt von Venedig noch in Italien den Geist aufgab, mussten sie per Bus zu einem Bahnsteig in Österreich tingeln. Auch die Weiterfahrt von München aus verlief nicht reibungslos: Ihr Anschlusszug nach Berlin fiel aus, statt eines ICE sollte ein IC fahren. "Aber im Gegensatz zu Italien funktioniert in Deutschland die Organisation", gab sich Ulli Terlinden erleichtert.

Von so manchem Fahrgast wurde Flexibilität verlangt. "Gestern stand noch im Internet, dass mein Zug nach Bonn fährt", kritisierte ein Mann aus Siegburg. "Aber er ist ausgefallen! Das ist ärgerlich." So musste er, wie viele andere Reisende, einen Ersatzzug abwarten. Aber die Sicherheit geht vor, gestand er ein. "Da kann es dann schon mal länger dauern." Laut Bahn betrugen die längsten Verspätungen 30 Minuten. Einige Fahrten waren im Notfallplan von vornherein gestrichen worden. Allein am Samstag fielen bundesweit mehr als 30 Zugverbindungen aus. In München war vor allem die stündlich befahrene Strecke Berlin-Leipzig-München betroffen. Hier gab es nur alle zwei Stunden einen Intercity-Anschluss.

Bahnkunden wie Stefan Schad nutzten am Sonntag den Info-Point, um sich rechtzeitig auf Veränderungen in dieser Woche einzustellen. "Ich darf am Montag meinen Flug in Frankfurt nicht verpassen", sagte er. Der Münchner war froh, dass die Medien rechtzeitig vor den kurzfristigen Ausfällen gewarnt hatten. Trotzdem kann er verstehen, "dass Pendler verärgert sind, wenn es sie trifft".

Angekündigte Beeinträchtigungen schürten allerdings auch Misstrauen. Walter Pasch aus Nordrhein-Westfalen kam mit großen Bedenken zum Bahnhof: "Wenn ich die Regionalbahn in Düsseldorf nicht erwische, kann ich mir eine Decke suchen und am Bahnhof übernachten." Ungeduldig wandte er sich an eine Bahnmitarbeiterin, um zu erfahren, welchen Ersatz er für seinen 16.55-Uhr-Zug in Kauf nehmen müsse. Gelassen und freundlich schlug die Bahnangestellte, die an diesem Wochenende schon viele Frage beantwortet hatte, nach. Dann die gute Nachricht: "Ihr Zug fährt - und zwar vier Minuten früher."

Corinna Erhard

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