Koalition in Österreich perfekt!

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„Hier sehen Sie ganz plastisch die Schäden“: Josef Geiger, Präsident des Bayerischen Bauindustrie-Verbandes, an der Brücke Pocci-/Lindwurmstraße in München.

Alarmierende Zahlen

Das sind Bayerns Bröckel-Brücken

München – 175 von 4618 Eisenbahn-Brücken im Freistaat sind unrettbar marode. Die Baubranche steht in den Startlöchern. Aber wer soll das bezahlen?

Einstürzende Altbauten: Alle reden angesichts der Maut-Debatte über marode Straßen. Dabei gibt es auch bei der Bahn ein ähnliches Problem: bröckelnde Brücken. In Bayern sind 175 von 4618 Eisenbahn-Brücken so kaputt, dass sie nicht mehr zu retten sind (wir berichteten). Aber beim notwendigen Neubau hapert es – wie immer – an einem Punkt: Wer soll das bezahlen? Die bayerische Bauindustrie, die natürlich an Aufträgen interessiert ist, hat gestern mögliche Finanzierungswege vorgestellt und drängt vehement auf Taten. „Der Zustand verschlimmert sich ja permanent. Hier werden sehenden Auges Werte vernichtet. Uns langt’s jetzt“, so Josef Geiger, Präsident des Bayerischen Bauindustrie-Verbandes.

Wie marode sind die Eisenbahnbrücken? Zahlen liefert die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen. Demnach sind 175 der 4618 Bahnbrücken in Bayern reif für den Abbruch. Sie gehören in die Kategorie 4 („gravierende Schäden, wirtschaftlich sinnvolle Instandsetzung nicht mehr möglich“). In die Kategorie 3 („umfangreiche Schäden, Sanierung möglich“) fallen weitere 1302 Brücken, knapp jede dritte im Freistaat.

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Die 175 ganz schweren Fälle betreffen viele Bahnlinien in Oberbayern: Auf der Strecke München-Garmisch sind sieben Brücken marode, auf der Route München-Freilassung acht. Allein im Stadtgebiet München sind es zehn Brücken: darunter die Paul-Heyse-Unterführung und die Brücke Pocci-/Lindwurmstraße (siehe Grafik sowie den Kasten rechts mit der Liste für Oberbayern).

Die Bröckel-Brücke Poccistraße hat sich die Bauwirtschaft als Vorführobjekt ausgesucht. „Hier sehen Sie ganz plastisch die Schäden“, erklärt Verbandspräsident Geiger und zeigt auf rostige Stahlträger und zerfressenen Beton. „Das tropft so durch, dass sich Stalaktiten wie in einer Tropfsteinhöhle bilden.“ Der gelernte Bau-Ingenieur: „Der Beton soll den Stahl korrosionssicher umschließen – aber davon ist fast nichts mehr existent.“

Die Bahn kennt die Schwachstellen, legt aber Wert auf die Feststellung, dass kein Sicherheitsproblem damit verbunden sei. Es gebe regelmäßige Inspektionen. „Die Brücken halten noch 10 bis 15 Jahre“, sagt ein Bahnsprecher. Das sei wie mit einem alten Auto: Irgendwann müsse man so viel Geld für Reparaturen reinstecken, dass ein Neukauf sinnvoller sei. Aber auch der Bahnsprecher räumt ein, dass die Altfälle für Ausfälle sorgen: Je eine Brücke über die Wörnitz und über die Pegnitz waren im Sommer 2013 in so schlechtem Zustand, dass Züge tagelang umgeleitet werden mussten.

Zur Ehrenrettung der Brücken muss man auf ihr ehrwürdiges Alter verweisen: Die Problemfälle sind meist über 100 Jahre alt. „Wir schieben da eine Bugwelle von Brücken vor uns her“, verwendet der Bahnsprecher ein leicht gewagtes Bild. „Rund um die vorletzte Jahrhundertwende, also von etwa 1880 bis 1920, hat die Eisenbahn total geboomt, da sind ganz viele Brücken gebaut worden.“ Und die werden halt jetzt, in Bahnbrücken-Maßstäben fast gleichzeitig, alle fällig.

Macht 30 Milliarden Euro Gesamtkosten, schätzt Bahnchef Rüdiger Grube. Von fünf Milliarden für den Freistaat geht die Bauwirtschaft aus. Natürlich sei man Lobby, sagt Geiger, aber es gehe ja um die Infrastruktur aller. Und Verfallenlassen komme auf Dauer teurer als die zeitnahe Reparatur: „Daheim repariert man ja auch den kaputten Ziegel, bevor dann noch der Dachboden einen Schaden hat.“ Drei Wege schlägt die Branche vor, um an Geld für die Sanierung zu kommen: erstens mehr Geld für den Verkehrsetat, zweitens ÖPP-Modelle (öffentlich-private Partnerschaft), drittens eine Bahn-Anleihe.

„Wir brauchen jetzt ein Sonderprogramm für Eisenbahnbrücken“, fordert Branchenchef Geiger – und hat das auch in Briefen an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer geschrieben. Dobrindt will er nächste Woche das Anliegen noch persönlich vortragen. Aber so viel ist schon klar: Den Bahnbrücken hilft eine Maut nichts.

Anja Timmermann

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