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Der Service Point der Bahn könnte bald wieder Schalter heißen.

Deutsch statt Englisch

Bahn mistet im „Sprachmischmasch“ aus

Cham/München – Franz Aschenbrenner (68) geht immer dann auf die Barrikaden, wenn er über seiner Ansicht nach unsinnige „Denglisch“-Begriffe stolpert - wie jetzt bei der Deutschen Bahn.

Franz Aschenbrenner will nicht vom „Kampf“ sprechen. Doch eines lässt sich nicht leugnen: Der 68-Jährige hat sich dem Erhalt der deutschen Sprache verpflichtet. Der pensionierte Berufsschullehrer geht immer dann auf die Barrikaden, wenn er über seiner Ansicht nach unsinnige „Denglisch“-Begriffe stolpert – nicht selten ist er erfolgreich. Zusammen mit dieser Zeitung hatte Aschenbrenner im April 2009 den bayerischen Gesundheitsminister Markus Söder dazu gebracht, die Kampagne gegen jugendlichen Alkoholkonsum „Be hard, drink soft“ in „Starker Wille statt Promille“ umzutaufen. Zuletzt knöpfte der Oberpfälzer der Deutschen Bahn das Versprechen ab, künftig weniger englische Ausdrücke zu verwenden.

Der Auslöser: Der Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken hatte sich für eine Kurzparkzone am Straubinger Bahnhof eingesetzt. Die Lokalzeitung titelte „Hinsken für Kiss & Ride“. Aschenbrenner stutzte bei der Lektüre – und setzte sich postwendend an den Schreibtisch. „Hinsken für Küssen und Reiten?“, schrieb er süffisant an den CSU-Politiker. Das verwirre ihn. Tatsächlich bedeutet das übersetzt so viel wie „Kuss & weg“ – und richtet sich an Autofahrer, die parken, einen Bahnreisenden zum Gleis bringen, (mit einem Küsschen verabschieden) und nach wenigen Minuten wieder fahren. Doch das könnte man auch „Kurzzeitparkzone“ nennen, findet der 68-Jährige. Er bat Hinsken, dem „allgemein bekannten Drang der sogenannten Deutschen Bahn entgegenzuwirken, bisher verwendete deutsche Bezeichnungen auszumerzen und deutsche Bezeichnungen für neue Einrichtungen zu vermeiden“.

Hinsken wandte sich an den Konzern und tatsächlich versprach der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube, künftig englische Begriffe zu vermeiden. Flyer sollen wieder Broschüren, Counter wieder Schalter heißen – nur etablierte Marken wie „BahnCard“ oder „Intercity“ sollen bleiben.

Was Aschenbrenner und bairische Sprachpfleger freut, macht den Besuch in Deutschland für ausländische Gäste künftig etwas komplizierter. Die Anti-Denglisch-Aktion hat inzwischen sogar die britische Rundfunkanstalt BBC alarmiert. Der Autor des Beitrags mit dem Titel „German railways shunt English into sidings“ („Deutsche Bahn schiebt Englisch auf das Abstellgleis“) schildert, wie er kürzlich auf einem deutschen Bahnhof war – und sich wegen der Fülle an englischen Begriffen außerordentlich gut zurecht fand. Doch damit sei wegen Aschenbrenners Initiative jetzt Schluss: „Noch bevor man das Wort ,Inter City Express‘ auch nur aussprechen kann, wurden Änderungen durchgeführt“, spöttelt der Journalist, der gar von einem „teutonic facelift“, einer teutonischen Rundumerneuerung, spricht. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat allerdings keine Sorge, dass die Bahn künftig weniger international sein könnte. Der „Sprachmischmasch“ sei für Gäste aus dem Ausland teilweise auch nicht verständlich.

Franz Aschenbrenner weiß schon, dass er vielen deutschen Bahn-Kunden, vor allem älteren Semesters, einen großen Gefallen getan hat. Kürzlich stand der ehemalige Berufsschullehrer für Englisch und Wirtschaft hinter einer Seniorin am Fahrkartenautomat. Diese drehte sich entnervt um und fragte: „Wissen Sie, wos „zanzl“ hoaßt?“ Sie kam mit der Taste „Cancel“ (Abbrechen) nicht zurecht.

von Carina Lechner

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