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Ein Ruf wie Donnerhall: Die Braunauer Eisenbahnbrücke über der Isar soll „entdröhnt“ werden.

„Lärmsanierung“

Die Bahn setzt auf Flüster-Waggons

München - Brückenentdröhnung, neue Lärmschutzwände und Flüster-Güterwaggons – die Bahn will das dringende Problem des Lärmschutzes in Wohngebieten anpacken.

200 000 Güterwaggons sind täglich in Deutschland unterwegs – und sie verursachen nach Ansicht vieler genervter Anwohner vor allem eines: Lärm. Die Bahn will die sogenannte Lärmsanierung nun forcieren. In diesem Jahr sind 35 Kilometer neue Schallschutzwände in Bayern geplant, sagte Franz Poschenrieder von der DB-Projektbau am Donnerstagabend bei einem Pressetermin.

600 Meter sind es an der Strecke München-Augsburg in den Orten Langwied und Lochhausen. Mitte des Jahres geht es los mit den Bauarbeiten in Gröbenzell, in München-Untergiesing am Südring, in Berg am Laim, Trudering, Haar und in der Gemeinde Zorneding entlang der S 4 (wo allerdings nur noch eine Lücke geschlossen wird). Schon seit 2008 baut die Deutsche Bahn im Landkreis Rosenheim – in der Stadt Rosenheim, aber auch in Wernhardsberg, Flintsbach, Oberaudorf und Niederaudorf. Im Sommer soll alles fertig sein, versprach Poschenrieder. Bis zum Winter 2013 wird die Bahn weitere sechs Schallschutzwände hochziehen – in Rosenheim-Ost, also auf der Strecke Richtung Salzburg, sowie in Großkarolinenfeld und Kiefersfelden. Die Wände – Standardhöhe drei Meter – sind häufig umstritten. Viele Anwohner klagen über Ortsverschandelung. In Einzelfällen gibt es lange Verfahren – etwa um eine Wand in Rosenheim-Happing, über die seit sieben Jahren gestritten wird. 2014 soll sie endlich gebaut werden, sagte Poschenrieder.

Lärmschutzwände soll es auch auf den Eisenbahnbrücken durch das Stadtgebiet in München geben – aber damit soll es nicht getan sein. Die Bahn kündigte an, vier große Brücken endlich zu „entdröhnen“, wie es im Fachjargon heißt. Es handelt sich um die Braunauer Eisenbahnbrücke über die Isar, die Brücken am Giesinger Berg und über die Pilgersheimer Straße sowie die Stadtbachbrücke. Erstmals nennt die Bahn jetzt einen Zeitpunkt für die „Entdröhnung“: 2013 werde mit dem Einbau von so genannten besohlten Schwellen bzw. elastischen Schienenbefestigungen an beiden Gleisen begonnen. Beides verringert die Weiterleitung von Schwingungen auf den Stahlunterbau der Brücken. Noch steht die Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes aus, ferner muss mit der Stadt noch die Gestaltung der Lärmschutzwände auf den Brücken vereinbart werden.

Das Optimum freilich wäre, wenn die Züge von vorneherein leiser wären, sagte der Niederlassungsleiter von DB Netz in Bayern, Stefan Kühn. Bislang sind erst gut zehn Prozent der 200 000 Güterwaggons (65 000 davon hat die DB-Gütertochter Schenker) mit leisen Kompositsohlen umgerüstet – das heißt, sie haben spezielle Bremsklötze und glatte (nicht geriffelte) Radlaufflächen. Beides sind Voraussetzungen, um das Rollgeräusch eines Waggons zu halbieren.

Hauptproblem momentan: Die Eigentümer alter Güterwaggons rüsten zu langsam oder gar nicht um. Ein Förderprogramm gibt es zwar, aber der Umbau kostet mehrere hundert Euro pro Achse. „Für Frachtunternehmen, die häufig mit dem Cent je Container rechnen, ist das offenbar zu teuer“, sagte Kühn.

Womöglich ändert sich das bald: Möglichst zum Dezember 2012, wahrscheinlich aber erst Mitte 2013, will die Bahn einen lärmabhängigen Trassenpreis einführen. Das heißt: Die auf den Schienen der DB Netz fahrenden Eisenbahnunternehmen müssen dann einen um ein Prozent höheren Preis zahlen.

Von Dirk Walter

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