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Wieder Diesel statt Erdgas: ein Bus des Regionalverkehrs Oberbayern nahe Tegernsee.  

Busverkehr

Bahn steigt um: Diesel statt Erdgas

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Die Deutsche Bahn stellt ihre Busflotte in Bayern wieder auf die herkömmliche Antriebsart um: Diesel statt Erdgas. Ein Grund ist der niedrige Dieselpreis. Die Zukunftstechnologie ist aber sowieso der Elektro-Bus.

München/Dachau – Als „absolutes Neuland“ pries der Regionalverkehr Oberbayern 1998 den ersten Erdgasbus, der sich fortan von Tegernsee zum Spitzingsee hinaufkämpfte. Es gab dafür Fördergelder vom bayerischen Umweltministerium und ein kostenträchtiges Motor-Doping – statt 230 PS brauchte der Bus 310, um den Berg hinauf zum Spitzingsee zu meistern.

20 Jahre später ist vom einstigen Pilotprojekt nicht mehr viel übrig. Die Erdgasbusse beim Regionalverkehr Oberbayern, der zur Deutschen Bahn gehört, sind ein Auslaufmodell. Die Flotte von ursprünglich 256 Erdgasbussen bei der Bahn in Bayern sei in den vergangenen Jahren schon erheblich reduziert worden, sagt DB-Sprecher Bernd Honerkamp. „Bis zum nächsten Jahr werden wir die letzten 50 Busse abstoßen und dafür wieder Dieselfahrzeuge anschaffen.“ Ein Grund ist der niedrige Diesel-Preis, ein zweiter die ursprünglich hohe staatliche Förderung für Erdgas-Antriebe, die es jetzt nicht mehr gibt.

Die Entscheidung stößt auf Verständnis. „Wir stehen auf demselben Standpunkt wie die Bahn“, sagt Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die täglich 500 Busse in München im Einsatz hat. Ein Erdgas-Antrieb sei bei den Emissionen nicht besser als ein moderner Euro VI-Antrieb. Auch beim Busverkehr Südbayern, der im Auftrag des MVV Busse in Fürstenfeldbruck und Dachau fährt, ist der Gasantrieb verpönt. „Erdgas halte ich für ein schwieriges Thema“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Riedlinger. Die Busse seien zu schwer, die Wartung aufwendig. Andere Unternehmen halten allerdings am Erdgas-Bus fest. Beispielsweise die Gemeindewerke Garmisch-Partenkirchen, die gleich sieben Stück im Einsatz haben. „Wir sind sehr zufrieden“, heißt es dort.

Gleichwohl sind Unternehmen auf der Suche nach neuen Antriebsformen. Der Busverkehr Südbayern, ein mittelständisches Unternehmen mit 50 Bussen, testet mit Unterstützung des Landratsamtes Fürstenfeldbruck seit knapp zwei Jahren Hybrid-Busse auf einer Innenstadt-Linie. Der Volvo 7900 H fährt mit Diesel, gewinnt aber beim Bremsen Strom, mit dem er dann fahren kann. „Die Antriebstechnik ist zuverlässig“, sagt Riedlinger, der jetzt vier dieser bis zu 450 000 Euro teuren Busse im Einsatz hat. Allerdings seien die Wartungszyklen kürzer, die Busfahrer müssten extra geschult werden.

Die Münchner MVG wiederum hat nie auf Erdgas oder Hybrid gesetzt. „Klar und völlig unstrittig ist: Wir werden das MVG-Busnetz zu 100 Prozent elektrifizieren“, erklärt MVG-Chef Ingo Wortmann. Just seit diesem Samstag fährt auf der sogenannten Münchner Museumslinie ein erster Elektro-Gelenkbus des Herstellers Sileo aus Salzgitter. Der Test soll zeigen, ob er den Anforderungen an den Stadtbusverkehr genügt. Eine Akkuladung sollte für mindestens 300 Kilometer reichen, außerdem muss der Bus den Stop-and-go-Verkehr der Großstadt verkraften und eine funktionierende (stromfressende) Klimaanlage besitzen – das sind die Einsatzbedingungen. Im August sollen zwei weitere Elektrobusse eines anderen Herstellers (Ebusco/Niederlande) folgen – sogenannte Solobusse ohne Gelenk oder Anhänger.

Der Ausstieg aus dem Erdgas-Antrieb ist für die wenigen Erdgas-Tankstellen in Oberbayern existenzbedrohend. Die einzige Erdgas-Tankstelle in Rosenheim, die die Stadtwerke zusammen mit dem RVO betrieb, wird geschlossen. Auch die Zukunft der Erdgas-Tankstelle in Weilheim ist unklar. Anfang August werde es ein „Abstimmungsgespräch“ mit dem Betreiber Erdgas Südbayern geben, teilte die Bahn mit.

Am Tegernsee fahren schon länger keine Erdgasbusse mehr, „weil es dort keine Erdgas-Tankstelle mehr gibt“, wie die Bahn erklärt. Die Busse wurden nach Weilheim abgegeben.

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