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Warten auf den Zug: Seit heute bestreikt die GDL auch den Personenverkehr. Die Bahn versucht, den Ausfällen mit Ersatzfahrplänen beizukommen.

Lokführer legen Arbeit nieder 

Der Bahn-Streik und seine Folgen

München – Die Lokführer streiken – nun schon zum siebten Mal seit Beginn des Tarifkonflikts. Reisende müssen sich ab heute auf Verspätungen und Zugausfälle gefasst machen. Die Bahn hofft aber auf einen geregelten Ablauf.

Punkt 15 Uhr am Dienstagnachmittag ließen die Lokführer ihre Arbeit im Güterverkehr ruhen. Es war der Auftakt zum nächsten großen Streik, der ab Mittwoch auch den Personenverkehr der Deutschen Bahn betrifft. Bis Donnerstagabend, 21 Uhr, werden Reisende mit einigen Einschränkungen rechnen müssen. Allerdings hat die Bahn Ersatzfahrpläne erstellt, um Pendler und andere Bahnfahrer nicht ganz im Regen stehenzulassen.

Jede S-Bahn-Linie, so sieht es das Notfall-Konzept vor, soll rund um die Uhr im Stunden-Takt fahren. Auf einzelnen Linien kommt es aber trotzdem zu Abweichungen: Danach fährt die S 1 vom Ostbahnhof in Richtung Freising/Flughafen nur bis nach Freising. Reisende, die zum Flughafen möchten, sollten ab Freising den Bus 635 nehmen oder gleich ganz auf die S 8 ausweichen. Die verkehrt im 20-Minuten-Takt zwischen Herrsching und dem Flughafen München.

Auf der Linie S 2 von Dachau bis nach Altomünster setzt die Bahn von Beginn an einen Schienenersatzverkehr mit Bus ein. Die wenig genutzte S 20 von Höllriegelskreuth bis nach Pasing entfällt dagegen komplett.

Bahn plant trotz Streik im Regionalverkehr Zwei-Stunden-Takt

Unterm Strich rechnet die Bahn damit, dass 40 Prozent der werktags etwa 1100 S-Bahnen in München fahren werden. „Je nachdem, wie hoch die Streikbeteiligung bei den Lokführern ist, schaffen wir es vielleicht auch hier und dort etwas häufiger als im Stundentakt“ sagte ein Bahn-Sprecher. Bei den letzten Streiks sei jedenfalls „deutlich häufiger gefahren worden“, als zunächst angekündigt war.

Im Regionalverkehr plant die Bahn einen Zwei-Stunden-Takt – normalerweise fahren die Regionalzüge einmal pro Stunde. Auf weniger wichtigen Nebenstrecken sollen indes Busse zum Einsatz kommen.

Die Bahn hat unter großem Druck an ihren Ersatzfahrplänen gearbeitet. Der Sprecher hält sie dennoch für verlässlich. Diejenigen, die für die Streikenden einspringen, sind in aller Regel ehemalige Lokführer, die mittlerweile etwa als Disponenten arbeiten. Ihr Einsatz sei gesichert, betonte der Sprecher. „Wir haben etliche in der Hinterhand.“

Bahn-Personalchef hält Streik für vollkommen überflüssig

Im Kern geht es diesmal um die selben Knackpunkte wie bei den vergangenen sechs Streiks. Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) will nicht mehr nur allein für die Lokführer verhandeln, sondern auch für das übrige Zugpersonal, sofern es Mitglied ist. Bei der 16. Tarifrunde habe man sich außerdem in vielen zentralen Punkten nicht einigen können – etwa bei der Begrenzung der Überstunden. Bahn-Personalchef Ulrich Weber sagte dagegen, die Themen Arbeitszeit und Geld seien erst für nächste Woche vorgesehen gewesen. Den Streik hält er für vollkommen überflüssig: „Ich bleibe dabei: Wir waren einen Meter vor der Ziellinie.“

Private Bahnunternehmen sind zwar von der Streikaktion nicht direkt betroffen, aber möglicherweise indirekt. Ein Sprecher der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) erklärte, es könne „aufgrund abgestellter Fahrzeuge anderer Unternehmen in Bahnhöfen und auf Gleisanlagen kurzfristig zu Verspätungen oder Störungen“ kommen. „Agilis“ warnt ebenfalls. Beide Unternehmen informieren auf ihren jeweiligen Internetseiten über die Verkehrslage.

Wie es in dem Dauerstreit zwischen GDL und Bahn weitergeht, ist unklar. GDL-Chef Weselsky schließt eine Schlichtung laut Medienberichten derzeit aus.  

lby/mmä

Die Ersatzfahrpläne der Bahn sind im Internet unter www.bahn.de/aktuell und unter s-bahn-muenchen.de abrufbar.

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