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Wie, bitte, komme ich nach Rothenburg? Eine Japanerin sucht Rat am Serviceschalter.

Impressionen vom Hauptbahnhof in München

Bahn-Chaos: So lief der erste Streik-Tag

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München - Streiktag ist Stresstag – für Reisende und Servicekräfte. Am Schalter im Hauptbahnhof klicken sich die DB-Leute durch den Streikfahrplan, suchen Verbindungen von Rothenburg bis Lauenförde. Impressionen vom ersten Streiktag der Lokführer am Münchner Hauptbahnhof.

Update vom 4. Mai 2015: Auf eine Schlichtung hat sich Claus Weselsky nicht eingelassen. Das heißt: Ab Montag streikt die GDL im Güterverkehr und ab Dienstag auch im normalen Zugbetrieb. Das heißt, Pendler müssen Geduld haben und sich auf möglicherweise lange Wartezeiten einstellen. Und, klar, überfüllte Züge. Wir halten Sie in unserem Ticker auf dem Laufenden.

Das Servicezentrum am Mittwochvormittag: Ein Herr wedelt mit seiner Fahrkarte – er will nach Frankfurt. Doch der ICE fällt aus: GDL-Streik. Der nächste Zug fährt erst eine Stunde später. „Jetzt komme ich zur spät zur Sitzung“, murrt der verhinderte Fahrgast. „Die Nächste, bitte!“ Eine zierliche Japanerin, die kaum über den Tresen schauen kann. Fast schüchtern flüstert sie ihr Reiseziel: Rothenburg ob der Tauber. Mit ein paar Computerklicks und einem Verbindungsausdruck kann ihr geholfen werden. Weiter hinten steht ein Bayern-Fan an. Er war beim Porto-Spiel und will nach Hause: Lauenförde liegt in Südniedersachsen, der ICE Richtung Göttingen aber fällt aus.

Probleme ganz normaler Reisender am ersten Lokführer-Streiktag. „Die Schlange am Servicezentrum ist länger als sonst“, sagt Bahnhofsmanager Heiko Hamann. „Aber die Leute sind nicht aggressiv, sondern geduldig.“ Seit halb fünf ist Hamann am Bahnhof. Er überwacht, dass der reduzierte Streikfahrplan in die Computersysteme eingespeist werden und an den Anzeigetafeln auftaucht. Seit zehn Jahren ist der Hbf Hamanns Revier. Er ist eine Art Mädchen für alles: Service, Sicherheit, Sauberkeit. 450.000 Reisende täglich steigen am Hauptbahnhof ein oder aus – normalerweise. An diesem Streiktag sind es deutlich weniger. Es fährt nur jeder zweite Regionalzug, beim Fernverkehr sogar nur ein Drittel der Züge. Das wird auch am Donnerstag so sein – der Streik endet erst um 21 Uhr. Im Güterverkehr wird DB Schenker sogar bis Freitag 9 Uhr bestreikt. Bewegung in dem verfahrenen Tarifkonflikt war am Mittwoch nicht erkennbar.

Bahn-Streik: S-Bahnen waren am Mittwoch brechend voll

Einige Regionallinien wie Murnau-Oberammergau hat die Bahn für die Dauer des Streiks ganz eingestellt. Dort fahren Busse. Und die S-Bahn ist auf den Außenästen auf einen Ein-Stunden-Takt ausgedünnt, so dass am Hauptbahnhof nur alle zehn Minuten eine S-Bahn eintrudelt. Die Züge sind brechend voll. Erst im Laufe des Tages konnte die Bahn nach und nach auf den Linien S2, S3 und S4 zusätzliche Züge fahren lassen.

Hamanns Job ist es auch, den Streikfahrplan immer wieder zu aktualisieren. „Heute früh mussten wir schon auf der S2 Erding-Petershausen nachsteuern, die fährt im 40- oder sogar 20-Minuten-Takt.“ Trotzdem dürfte die Mehrheit der insgesamt 700 Münchner S-Bahn-Lokführer im Streikmodus sein.

Mietwagen ausgebucht - Bahn versucht Fahrgäste mit Service bei Laune zu halten

Für die relativ wenigen Fahrgäste, die am Hauptbahnhof hilflos umherirren, hat sich die Bahn etwas einfallen lassen: In der Nacht wurde ein Hotelzug am Bahnhof abgestellt, im dem tatsächlich auch 50 Reisende übernachteten. In der Bahnhofshalle gibt es Kaffee gratis. Und das Servicepersonal wurde verdoppelt – von vier auf acht Personen. Wenn die Schlange an der Servicestelle zu lang wird, spricht eine Mitarbeiterin die Wartenden direkt an. Manche haben nur ganz profane Fragen – eine Frau will schlicht nach Aubing und kennt sich nicht aus.

Die meisten aber schauen einfach ins Internet. Bis Mittwochmittag verzeichnete die bayerische Seite von bahn.de/aktuell bereits 190.000 Aufrufe. Auf die Mietwagenzentrale oben im ersten Stock des Bahnhofs verweisen die DB-Leute nicht. Es wäre auch zwecklos. „Wenn Sie ein Auto wollen, dann haben Sie ein Problem“, heißt es bei Europcar. „Ausgebucht“, heißt es bei Hertz, und ebenso bei Avis. Sixt hat GDL-Chef Claus Weselsky gar in einer Werbekampagne zum „Mitarbeiter des Monats“ gekürt.

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